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	<title>Vasilis Rotas Archive - Hellas Blog</title>
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	<description>Griechenland für Dich</description>
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	<title>Vasilis Rotas Archive - Hellas Blog</title>
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		<title>Die Griechen von Görlitz im 1. Weltkrieg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Roland Richter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Nov 2025 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[1. Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Gastbeitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Görlitz]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Vasilis Rotas]]></category>
		<category><![CDATA[Wassos Andrikopoulos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte der Griechen von Görlitz ist eine Begebenheit aus dem 1. Weltkrieg. Heute begehen wir in Deutschland den Volkstrauertag. Ich freue mich, dass Gastautor Wassos Andrikopoulos mir erlaubt hat, einen Artikel von ihm heute im Hellas Blog zu veröffentlichen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hellas.blog/die-griechen-von-goerlitz/">Die Griechen von Görlitz im 1. Weltkrieg</a> erschien zuerst auf <a href="https://hellas.blog">Hellas Blog</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der Griechen von Görlitz ist eine Begebenheit aus dem 1. Weltkrieg. </p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized" id="Görlitz"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="450" src="https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-2014.jpg" alt="Görlitz" class="wp-image-11924" style="width:400px" title="Görlitz" srcset="https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-2014.jpg 800w, https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-2014-300x169.jpg 300w, https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-2014-768x432.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Görlitz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Heute begehen wir in Deutschland den Volkstrauertag. Ich freue mich, dass Gastautor Wassos Andrikopoulos mir erlaubt hat, einen Artikel von ihm heute im Hellas Blog zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wassos &#8211; auch Vasili genannt &#8211; nimmt uns mit in eine Stadt, die heute an der östlichen Grenze Deutschlands liegt: <a href="https://maps.app.goo.gl/dyngTcAv8MHVS8JY9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Görlitz</a>. Genau genommen liegt nicht die ganze Stadt an der östlichen Grenze unseres Landes. Die wird nämlich durch den Fluss Oder gebildet. Der östliche Stadt von Görlitz heißt heute <a href="https://maps.app.goo.gl/3SFfDDj5qq2Rcp3h7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zgorzelec</a> und gehört zu Polen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um es noch verworrener zu machen: Das deutsche Görlitz gehört heute zum Bundesland Sachsen. Das war nicht immer so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vasili nimmt uns mit in eine Zeit, die mehr als 100 Jahre zurück liegt. Damals gehörten auch weite Gebiete östlich der Oder zu Deutschland. Görlitz war ein Teil von Preußen und gehörte landsmannschaftlich zu Schlesien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Während des ersten Weltkriegs mussten sich griechische Soldaten des IV. griechischen Armeekorps in Görlitz aufhalten. Sie gerieten in deutsche Gefangenschaft und landeten in der Stadt an der Oder. Sie waren aber (noch) keine Kriegsgegner. In Görlitz konnten sie sich relativ frei bewegen. Vasili erzählt die Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer von ihnen war übrigens der berühmte Dichter <a href="https://hellas.blog/vasilis-rotas/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vasilis Rotas</a>. Über ihn habe ich vor einem Jahr berichtet. Heute geht es um diese griechischen Soldaten aus einem ganz persönlichen, familiären Blickwinkel. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Kavala und Görlitz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses ist eine vergessene Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg. Vasili (Jahrgang 1968) erzählt sie Euch ganz persönlich.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Spurensuche meines griechisch-deutschen Erbes</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin 57 Jahre alt. Ich habe viel gesehen, viele Sprachen gehört, viele Grenzen überquert. Aber manche Spuren lassen sich nicht auf Landkarten finden – sie führen in unsere eigene Vergangenheit, tief in die Geschichte der Familie, die man vielleicht nur bruchstückhaft kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war es mit Andreas, einem entfernten Verwandten meines Urgroßvaters väterlicherseits. Er war einer der Männer, die während des Ersten Weltkriegs von Griechenland nach Deutschland deportiert wurden – nicht als Kriegsgefangene im klassischen Sinne, sondern als Internierte, politische Bauernopfer zwischen den Fronten Europas. Seine Geschichte war lange verborgen, zwischen Schweigen, Andeutungen und alten Briefen. Erst als ich im letzten Jahr Görlitz besuchte, eine Stadt ganz im Osten Deutschlands, spürte ich zum ersten Mal wirklich, was es bedeutet, Vergangenheit zu berühren.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Griechenland 1916: Ein Land im inneren Krieg</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Griechenland war zu Beginn des Ersten Weltkriegs offiziell neutral. Doch das Land war gespalten:</p>



<p class="wp-block-paragraph">König Konstantin I., verheiratet mit der Schwester des deutschen Kaisers, vertrat eine pro-deutsche Haltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Premierminister Eleftherios Venizelos war pro-britisch und strebte den Eintritt auf Seite der Entente-Mächte an (Frankreich, Großbritannien, Russland).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese innenpolitische Zerreißprobe wurde als der „Nationale Schisma“ (Ethnikós Dikhásmos) bekannt und führte zu zwei rivalisierenden Machtzentren: einer königstreuen Regierung in Athen und einer Gegenregierung unter Venizelos in Thessaloniki.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Besetzung von Ostmakedonien und das IV. Armeekorps</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 1916 marschierten bulgarische Truppen, unterstützt von deutschen Einheiten, in das griechische Ostmakedonien ein – eine Region, die offiziell neutral war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dort stationierte griechische Einheit – das sogenannte IV. Armeekorps, unter dem Kommando von Oberst Ioannis Hatzopoulos – erhielt den Befehl, keinen Widerstand zu leisten, um Griechenlands Neutralität nicht zu gefährden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dem 15. und 27. September 1916 kapitulierten etwa 6.100 griechische Soldaten, darunter Offiziere, Unteroffiziere und einfache Wehrpflichtige. Sie wurden zunächst nach Serres gebracht und anschließend per Bahn über Sofia nach Deutschland deportiert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Görlitz: Eine Stadt zwischen Welten</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die griechischen Internierten erreichten Görlitz (Sachsen) im Oktober 1916. Dort wurde ein spezielles Lager für das griechische IV. Armeekorps eingerichtet – kein klassisches Kriegsgefangenenlager, sondern ein interniertes Kontingent „befreundeter Soldaten“, wie es offiziell hieß. Denn formal war Griechenland nicht im Krieg mit Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonderheiten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die griechischen Soldaten durften sich relativ frei bewegen.</li>



<li>Viele wurden zur Arbeit in Landwirtschaft, Bahnbau, Straßenunterhalt oder Hilfsdiensten eingesetzt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Es entstanden Kontakte zur Görlitzer Bevölkerung: Freundschaften, kultureller Austausch, einige Liebesbeziehungen, sogar Ehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab ein aktives Lagerleben: Theatergruppen, Sportwettkämpfe, Unterricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stimmung schwankte zwischen Resignation und Hoffnung, Heimweh und Anpassung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lebensbedingungen waren im Vergleich zu anderen Lagern der Zeit gut, aber psychisch war es eine enorme Belastung: die Männer wussten nicht, ob und wann sie je zurückkehren würden – und ob sie in Griechenland als Verräter oder Helden gelten würden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Meine Spurensuche – und ein stiller Moment in Görlitz</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verwandter Andreas kehrte im Februar 1919 nach Griechenland zurück. </p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full is-resized" id="Grabstein-für-verstorbene-griechische-Soldaten"><img decoding="async" width="800" height="450" src="https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-Grabstein-KI-Bild.jpg" alt="Grabstein für verstorbene griechische Soldaten" class="wp-image-11921" style="width:400px" title="Grabstein für verstorbene griechische Soldaten" srcset="https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-Grabstein-KI-Bild.jpg 800w, https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-Grabstein-KI-Bild-300x169.jpg 300w, https://hellas.blog/wp-content/uploads/2025/07/Goerlitz-Grabstein-KI-Bild-768x432.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grabstein für verstorbene griechische Soldaten (KI generiertes Bild)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In meiner Familie sprach man nie offen über ihn. „Er war im Krieg in Deutschland“, hieß es nur, „aber nicht als Feind.“ Ich fand zwei Briefe, vermutlich von ihm. Einer war an seine Mutter gerichtet:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mána mou, der Nebel hier riecht anders. Nicht nach Salz, nicht nach Bergluft. Nur nach Eisen und Geduld. Ich bin nicht traurig, nur fern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztes Jahr fuhr ich nach Görlitz. Es war ein grauer Sonntag im Herbst. Ich hatte einen kleinen Olivenzweig aus dem Garten meiner Tante vom Peloponnes dabei. Den legte ich auf ein unscheinbares Grab auf dem städtischen Friedhof ab, dort, wo einige Griechen begraben sind, die die Rückkehr nicht erlebten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stand lange dort, ohne Worte. Ich stellte mir vor, wie Andreas hier ging, wie er vielleicht Deutsch lernte, vielleicht eine Frau ansah, die ihm zulächelte. Vielleicht war das Lager kein Gefängnis – aber es war auch kein Zuhause. Er war kein Held, kein Deserteur, kein Verbrecher. Er war ein Mensch zwischen Fronten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Historischer Nachhall</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rückkehr der Griechen 1919 war politisch brisant. Viele wurden misstrauisch beäugt, da sie als Teil des königstreuen Militärs galten. Einige fanden nie wieder Anschluss. Andere emigrierten. Nur wenige wurden Teil der offiziellen Erinnerungskultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute erinnern in Görlitz:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ein Gedenkstein auf dem städtischen Friedhof,</li>



<li>einzelne Gräber griechischer Internierter,</li>



<li>sowie Forschungen von Historikern wie Evangelos Chrysos und lokalen Initiativen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist diese Geschichte bis heute kaum im kollektiven Bewusstsein Griechenlands oder Deutschlands verankert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Epilog: Warum ich erzähle</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erzähle diese Geschichte nicht als Historiker, sondern als Enkel einer zerrissenen Zeit. Ich erzähle sie, weil ich glaube, dass Vergessen das zweite Sterben ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und weil es wichtig ist, zu wissen, dass zwischen Kavala und Görlitz nicht nur Züge fuhren – sondern Schicksale reisten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtige Daten und Fakten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vasili fasst die Reihenfolge der wichtigsten Ereignisse für uns zusammen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>1914 Griechenland erklärt sich neutral im Ersten Weltkrieg</li>



<li>15.–27. Sept. 1916 Kapitulation des IV. griechischen Armeekorps in Ostmakedonien</li>



<li>Okt. 1916 Transport der 6.100 Soldaten nach Görlitz (über Bulgarien)</li>



<li>1916–1919 Internierung des griechischen Armeekorps in Görlitz</li>



<li>Feb. 1919 Rückkehr der griechischen Soldaten nach Griechenland</li>



<li>ab 2000 Forschung und Gedenkinitiativen in Görlitz und Griechenland beginnen</li>
</ul>
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		<title>Vasilis Rotas</title>
		<link>https://hellas.blog/vasilis-rotas/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Roland Richter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Sep 2024 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[1. Weltkrieg]]></category>
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		<category><![CDATA[Athen]]></category>
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		<category><![CDATA[Görlitz]]></category>
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		<category><![CDATA[Vasilis Rotas]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vasilis Rotas (Βασίλης Ρώτας) kam am 5. Mai 1889 in Chiliomodi zur Welt, einem kleinen Ort auf der Peloponnes südlich</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hellas.blog/vasilis-rotas/">Vasilis Rotas</a> erschien zuerst auf <a href="https://hellas.blog">Hellas Blog</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Vasilis Rotas (Βασίλης Ρώτας) kam am 5. Mai 1889 in Chiliomodi zur Welt, einem kleinen Ort auf der Peloponnes südlich von Korinth. Er starb am 30. Mai 1977 in Athen. Rotas war ein griechischer Dichter, Schriftsteller, Übersetzer, Offizier und Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg. In Deutschland ist er kaum bekannt, was ich schade finde. Daher berichte ich heute ein wenig von ihm.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized" id="Vasilis-Rotas"><img decoding="async" width="400" height="400" src="https://hellas.blog/wp-content/uploads/2024/08/Vasilis-Rotas.jpg" alt="Vasilis Rotas" class="wp-image-8914" style="width:400px" title="Vasilis Rotas" srcset="https://hellas.blog/wp-content/uploads/2024/08/Vasilis-Rotas.jpg 400w, https://hellas.blog/wp-content/uploads/2024/08/Vasilis-Rotas-300x300.jpg 300w, https://hellas.blog/wp-content/uploads/2024/08/Vasilis-Rotas-150x150.jpg 150w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vasilis Rotas</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Rotas ging erst in Korinth zur Schule, seinen Abschluss machte er am <a href="https://maps.app.goo.gl/zVceooTefN1xNZXEA" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Varvakeio-Gymnasium</a> in Athen. Es folgte dann der Militärdienst. 1910 wurde er auf Korfu zum Offizier ausgebildet und er kämpfte anschließend in den <a href="https://hellas.blog/tag/balkankriege/">Balkankriegen</a>. Während des 1. Weltkriegs diente er im IV. Armeekorps in Kavala, das von den Deutschen gefangen genommen wurde und sich bis nach Kriegsende in Görlitz aufhielt. Nach seiner Rückkehr nach Griechenland nahm er am Kleinasienfeldzug teil. Schließlich diente er seinem Land noch 1921 bis 1922 als Militärattache in der griechischen Botschaft in Berlin. 1926 ging er im Rang eines Oberst in den Ruhestand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1920 heiratete Vasilis Rotas seine Jugendfreundin Katerini Giannakopoulou. Mit ihr hatte er drei Kinder. Renos (1922-2012) wurde Arzt, Maroula (1925-1996) war Schauspielerin und Nikiforos (1925-1996) war Komponist. In späteren Jahren lebte er mit Voula Damianakou zusammen, die beiden heirateten jedoch nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vasilis Rotas der Autor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erste Gedichte veröffentlichte Rotas im Jahr 1908, da war er noch Schüler. Mit seinem Literarischen Schaffen leistete er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der griechischen Sprache. Er bevorzugte das Dimotiki (die Volkssprache) gegenüber dem offiziellen Katharevousa. Das Griechisch der Katharevousa war noch die offizielle Amtssprache des Staates Griechenland und galt als &#8222;die reine&#8220; Sprache der Griechen. Praktisch haben die Menschen sie jedoch in ihrem Alltag nicht gesprochen, und viele hatten auch ihre Schwierigkeiten damit. Dimotiki ist erst seit 1976 die offizielle Sprache der Griechischen Republik. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefangenschaft in Görlitz erlebte Rotas als angenehm. Hier hat er seinen ersten Gedichtband geschrieben und bereitete dessen Veröffentlichung vor. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vasilis Rotas hat sich auch große Verdienste als Übersetzer erworben. So hat er das Gesamtwerk von William Shakespeare vom Englischen ins Griechische übersetzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gründete Rotas 1930 das Volkstheater in Athen. Als sich 1937 die Diktatur unter Metaxas durchsetzte, wurde es geschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den ästhetischen Strömungen seiner  Zeit war Rotas nicht sehr beeinflusst. Ihm ging es um die Traditionen der griechischen Folklore, um Volksmärchen und Schattentheater. Die historischen Dramen Shakespeares waren prägend, aber auch die antiken griechischen Tragödien. Und in seiner Dichtung scheint auch immer wieder ein &#8211; ich möchte sagen &#8211; fröhliches, geradezu kindliches Element durch. Viele seiner Gedichte sind vertont worden, unter anderem von Mikis Theodorakis.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Widerstand gegen die Besatzung im 2. Weltkrieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im 2. Weltkrieg wurde Griechenland von Deutschland, Italien und Bulgarien besetzt. Rotas schloss sich der Nationalen Befreiungsfront Griechenlands an, die unter ihrem Kürzel EAM bekannt ist. Er ist der Schöpfer der Hymne dieser Bewegung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das kam so: Im Winter 1943 machte Rotas sich in Athen zusammen mit dem Bildhauer Memos Makris auf den Weg zu einer Untergrundversammlung, die eine Schriftsteller- und Künstlerorganisation heimlich im Zentrum der griechischen Hauptstadt abhielt. Rotas begann &#8211; für Makris völlig überraschend &#8211; auf dem Weg damit, Verse im Rhythmus eines schnellen Schrittes zu singen. Makris fragte seinen Begleiter, was für ein Lied das sei. Rotas entgegnete, dass er dies nicht wisse. Es werde gerade in seinem Kopf geboren. Schließlich kamen sie bei der Versammlung an, deren Eröffnung sich verzögerte. Makris informierte die Teilnehmer, dass Rotas ein neues Lied habe. Der musste es daraufhin vorsingen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Drei Buchstaben allein erhellen unsere griechische Generation<br>und zeigen uns den hellen Weg zur Freiheit.<br><br>Sie sind die Lichter unseres Kampfes und das Volk folgt ihnen treu,<br>jung, alt, alle zusammen rufen: es lebe, es lebe, es lebe die EAM.<br><br>Die EAM rettete uns vor dem Hunger wird uns wieder vor der Sklaverei retten<br>und hat ein Programm der Volksdemokratie; hurra, hurra, hurra für die EAM.<br><br>Sie hat unser ganzes Volk geeint, sie hat die EPON und die ELAS,<br>und sie hat ein Programm der Herrschaft des Volkes; lang lebe die EAM.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Hierbei handelt es um eine eigene Übersetzung. Fehler bitte ich zu entschuldigen. Den Text der Hymne der EAM habe ich <a href="https://lyricstranslate.com/de/%CF%8D%CE%BC%CE%BD%CE%BF%CF%82-%CF%84%CE%BF%CF%85-%CE%B5%CE%B1%CE%BC-hymn-eam.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier gefunden</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anwesenden nahmen den Text mit Begeisterung auf. Binnen kürzester Zeit verbreitete er sich unter den Anhängern der EAM. Rotas selbst organisierte in den Partisanengebieten Theateraufführungen. Nicht als aktiver Kämpfer, sondern als Kulturschaffender unterstützte er das Freie Griechenland.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Evrexe &#8211; ein Lied von Vasilis Rotas</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe nur einige Gedichte von Rotas gelesen. Leider ist mein Griechisch nicht gut, so dass ich mit den Übersetzungen sehr kämpfen muss. Mein Eindruck ist, dass die Dichtung von Vasilis Rotas etwas heimeliges, fast schon kindliches hat. Ein Beispiel dafür ist Evrexe (Έβρεξε), das Eirini Nikolaou vertont hat. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Anschauen des auf YouTube veröffentlichten Liedes.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" hcb-fetch-image-from="https://youtu.be/JGnI5H0rwnc?si=liIOcsVxqdhkOqSW" title="Έβρεξε. Ποίηση: Βασίλης Ρώτας. Μελοποίηση: Ειρήνη Νικολάου" width="800" height="450" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen consent-original-src-_="https://www.youtube.com/embed/JGnI5H0rwnc?feature=oembed" consent-required="4837" consent-by="services" consent-id="4838" consent-click-original-src-_="https://www.youtube.com/embed/JGnI5H0rwnc?feature=oembed&amp;autoplay=1"></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Evrexe (Έβρεξε) von Vasils Rotas &#8211; vertont von Eirini Nokolaou<br>(Quelle: YouTube)</figcaption></figure>
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