Epirus nimmt 2026 Müll aus Korfu an
Die Region Epirus nimmt 2026 von der Insel Korfu Müll an. Insgesamt handelt es um bis zu 22.500 Tonnen Müll, die von der Insel auf das Festland gebracht werden.
Weshalb wird 2026 Müll von Korfu nach Epirus gebracht?
Ich habe von der Angelegenheit aus einer Meldung der Epiruspost vom 24. Januar erfahren.

(Bild erstellt durch Software)
Das Thema ist nicht neu. Die Gemeinde Zentral-Korfu hat anhaltende Probleme mit der Abfallentsorgung. Sie kann den auf der Insel anfallenden Müll vor Ort nicht entsorgen. Deshalb hilft die Region Epirus aus, gegen Bezahlung natürlich.
Betroffen sind nur Abfälle mit dem EKA-Code 20 03 01. Auf Deutsch nennt man das Hausmüll, die Griechen sprechen von gemischten Siedlungsabfällen.
2026 kann die Region Epirus bis zu 22.500 Tonnen Hausmüll aufnehmen, der man von Korfu auf das Festland bringen wird. Teils bringt man ihn auf Deponien, teils in die Abfallverwertung.
Darüber haben die Gemeinde und die Region Epirus einen Vertrag geschlossen, der bis Jahresende läuft. Es besteht die Möglichkeit der Verlängerung, falls die vorgesehenen Mengen nicht aufgebraucht sind.
Wie bereits gesagt, beteiligt Epirus sich nicht kostenfrei an der Maßnahme. Pro Tonne muss Korfu 105 Euro bezahlen. Gemeinde und Region schätzen, dass die Gesamtkosten sich auf 2,3 Millionen Euro belaufen werden. Genau weiß man das erst zum Jahresende. Denn erst Ende 2026 steht fest, wie viel Müll tatsächlich von Korfu in die Region Epirus verbracht worden ist.
Das Müllproblem auf Korfu
Was wie eine pragmatische Lösung für ein überschaubares Problem klingt, hat eine lange Vorgeschichte.

(Bildquelle: Griechenland Zeitung)
In der Nähe von Temploni liegt die Mülldeponie, um die es geht. Schon 2016 haben Probleme zu Protesten geführt. Im April 2017 fällte der Europäische Gerichtshof ein Urteil, nach dem der Betrieb der Deponie bei Temploni eingestellt werden musste.
Konkret geht es um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 27. April 2017 in der Rechtssache C-202/16. Dort hieß es klipp und klar, dass Griechenland durch Duldung der Deponie Temploni gegen europäisches Recht verstößt.
Also musste eine neue Deponie her, die bei Lefkimmi entstehen sollte. Das gefiel den Bürgern vor Ort nicht. Es kam zu massenhaften Protesten, die Griechenland Zeitung hat 2018 darüber berichtet.
Das Lefkimmi Recycling Center ist auf Google Maps heute zu finden. Allerdings lese ich auch den Hinweis „dauerhaft geschlossen“. Der Bürgerprotest hatte wohl Erfolg.
Einige Gemeinden auf Korfu haben in eigener Initiative Trennsysteme eingerichtet und tun ihr möglichstes, um das Müllaufkommen zu reduzieren. In Liapades arbeitet seit 2018 ein von Freiwilligen betriebener Wertstoffhof. Das eigentliche Problem ist damit aber nicht gelöst. Denn die Hauptursache für das hohe Müllaufkommen auf der Insel ist der Tourismus.
Nur eine deutliche Reduzierung der Touristen-Zahl würde die Müllmenge auf Korfu nachhaltig verringern. Das würde aber einen Verzicht auf Einnahmen bedeuten und auch viele kleinere Betriebe in ihrer Existenz bedrohen. Diese Option wird also nicht umgesetzt.
Meine Einschätzung
Ich denke, dass Korfu auch in den nächsten Jahren das Müllaufkommen auf der Insel nicht bewältigen kann. Epirus liegt für den Müllexport nahe. Was in den griechischen Medien wie eine pragmatische Lösung klingt, ist in Wahrheit der Offenbarungseid eines unhaltbaren Zustands auf der Insel. Der wird noch auf Jahre erhalten bleiben.

Moin, die letzten Jahre wurde der Hausmüll von Korfu schon zum Festland gebracht, nach Kozani (Westmakedonien).
Die Deponie in Temploni ist seit Jahren chronisch überfüllt und eine zweite Deponie in Lefkimmi wurde eingerichtet, bislang aufgrund des Widerstandes örtlicher Initiativen jedoch nicht in Betrieb genommen. Zurecht fordern diese zuallererst ein Konzept für Müllvermeidung und Recycling. „Die Bürgerinitiative drängt auf ganzheitliche und langfristige Maßnahmen: Statt der Endlagerung von Müll und recyclebaren Wertstoffen muss ein tragfähiges Abfallwirtschaftskonzept her.“
Seit Jahren gibt es auf Korfu für die Müllentsorgung und Recycling keinerlei Konzepte durch Regierung und lokale Behörden. Der gesamte Müll wurde auf eine einzige Deponie in Temploni gekippt, die nun voll ist.
Der Gerichtshof der Europäischen Union hatte im Frühling 2017 Griechenland zu einer Geldstrafe in Höhe von 353.000 Euro wegen den schlechten Betriebs der Deponie bei Temploni verurteilt. Seit 2009 muss der griechische Staat wegen mangelhafter Abfallentsorgung auf Korfu Strafen in Millionenhöhe zahlen. Die Sanktionen blieben allerdings bis heute erfolglos und die chronisch überfüllte und unzureichend gesicherte Deponie in Temploni wurde weiter betrieben, weiter unter Verstoß gegen das EU-Abfallrecht. Die einzige Maßnahme, die bisher ergriffen worden ist, ist den Abfall maschinell zu Paketen zu komprimieren um sein Volumen zu verringern.
Es fehlt an ganzheitlichen und langfristigen Maßnahmen, nämlich ein tragfähiges Abfallwirtschaftskonzept. Einen Plan B scheint es aber nicht zu geben.
kaló savvatokyriako – καλό σαββατοκύριακο, kv