Geschichte

Die Antigoniden

Die Antigoniden waren eine Dynastie, die zwischen 294 v.Chr. und 168 v.Chr. über Makedonien und andere Teile Griechenlands herrschte. Sie stammen vom Diadochen Antigonos I. Monophthalmos ab.

Die Herrscher der Antigoniden

Die meisten Antigoniden herrschten über Makedonien. Zwei von ihnen übten ihre Macht woanders aus.

Könige von Makedonien

Zu nennen sind:

  • Demetrios I. Poliorketes (294–287 v.Chr.)
  • Antigonos II. Gonatas (276–239 v.Chr.)
  • Demetrios II. Aitolikos (239–229 v.Chr.)
  • Antigonos III. Doson (229–221 v.Chr.)
  • Philipp V. (221–179 v.Chr.)
  • Perseus (179–168 v.Chr.)

In Klammern sind die Jahre ihrer Herrschaft angegeben.

Andere Herrschaftsgebiete

Demetrios der Schöne war von 250–248 v.Chr. König von Kyrene. Antigonos I. Monophthalmos begründete die Dynastie 306–301 v.Chr. als König in Asien.

Die einzelnen Herrscher aus der Dynastie der Antigoniden

Ich möchte die einzelnen Antigoniden in alphabetischer Reihenfolge vorstellen.

Antigonos I. Monophthalmos

Antigonos I. Monophthalmos (Ἀντίγονος ὁ Μονόφθαλμος) lebte von 382 v.Chr. bis 301 v.Chr.

Tetradrachme mit Bild von Antigonos I.
Tetradrachme mit Bild von Antigonos I.
(Bildquelle: Wikipedia)

Als König in Asien war der der Begründer der Dynastie. Antigonos war ein Feldherr unter Alexander dem Großen und nach dessen Tod einer der wichtigsten Diadochen.

Sein Zusatzname Monophtalmos bedeutet „der Einäugige“. Wie er sein Auge verloren hat, ist nicht überliefert. Er duldete aber keine Beleidigungen oder Respektlosigkeiten. Wer ihn wegen des fehlenden Auges verächtlich behandelte, musste mit dem Tode rechnen.

Antigonos war bei Alexanders Asienfeldzug von Anfang an mit dabei. Er kommandierte eine 7.000 Mann starke Phalanx der griechischen Bundestruppen. Nach der Schlacht am Granikos (334 v.Chr.) wurde er Statthalter über die Provinz Phrygien. Er hatte die Aufgabe, den Rest von Kleinasien zu erobern. Er siegte dreimal über die Perser. Alexander belohnte ihn mit den Provinzen Pamphylien, Lyakonien und Lykien. Nur Kappadokien konnten die Perser gegen ihn behaupten.

Nach Alexanders Tod konnte er sich in den Diadochenkriegen behaupten. Er beanspruchte den Königstitel über Makedonien und begründete die letzte makedonische Königsdynastie.

Antigonos II. Gonatas

Antigonos II. Gonatas (Αντίγονος Γονατᾶς) lebte von 319 v.Chr. bis 239 v.Chr. Sein Vater war Demetrios I. Poliorketes. Die Bedeutung seines Beinamens Gonantas ist nicht bekannt. Oft wird ein Bezug zu Gonnoi in Thessalien vermutet. Dort kam Antigonos zur Welt. Nach einer anderen Ansicht könnte der Beiname ein Hinweis auf X-Beine sein.

Antigonos III. Doson

Antigonos III. Doson (Ἀντίγονος Δώσων) lebte von 263 v.Chr. bis 221 v.Chr.

Nach dem Tod von Demetrios II. übernahm er zunächst die Regentschaft für den jungen Thronfolger Philipp. Bald schon bewies er militärische Stärke. Die Dardaner standen an der Nordgrenze Makedoniens. Er besiegte sie.

Sein Beiname „Doson“ bedeutet „der, der geben wird“, was auf seine Rolle als Übergangsfigur hinweist. So war es vorgesehen, aber er wurde selbst König. Antigonos regierte ab etwa 227 v.Chr. bis zu seinem Tod 221 v.Chr.

Während der sogenannten Kleomenischen Kriege griff er in Griechenland ein und stellte die Hegemonie Makedoniens wieder her. Besonders wichtig war seine Wiederbelebung des Hellenischen Bundes, der viele griechische Stadtstaaten vereinte.

Antigonos setzte weniger auf brutale Eroberung, sondern auf geschickte Diplomatie und Bündnispolitik. Das machte seinen Erfolg aus. Als er im Jahr 221 v.Chr. starb, folgte Philipp V. ihm auf dem Thron nach.

Demetrios der Schöne

Demetrius von Kyrene hießt auch „der Schöne“ (Δημήτριος ὁ Καλός). Er lebte von 285 v.Chr. bis 249 v.Chr. Sein Reich war in Nordafrika, und zwar in Kyrene. Sein Vater war Demetrios Poliorketes. Die Mutter Ptolemais war eine Tochter von Ptolemaios I. Damit gehörte Demetrios sowohl zur antigonidischen als auch zur ptolemäischen Dynastie. Antigonos Gonatas war sein Halbbruder.

Sein Beiname „der Schöne“ (Δημήτριος ὁ Καλός) verweist auf seine außergewöhnliche äußere Erscheinung, die in der Antike viel Aufmerksamkeit erregte.

Nach dem Tod des Magas von Kyrene um 250 v.Chr. rief man Demetrios in die Stadt. Er übernahm die Herrschaft.

Politisch geriet er in die Wirren um die geplante Wiedervereinigung Kyrenes mit dem Ptolemäerreich. Die Witwe des Magas, Apame, bot ihm die Hand ihrer Tochter Berenike, um die Macht in Kyrene zu sichern. Doch die Ehe endete tragisch: Berenike ließ ihn töten, nachdem er eine Affäre mit ihrer Mutter begonnen hatte.

Demetrios regierte Kyrene nur von 250 bis 249 v.Chr. Sein Sohn war Antigonos III. Doson, der später König von Makedonien wurde und die antigonidische Macht erneuerte.

Demetrios I. Poliorketes

Demetrios I. Poliorketes (Δημήτριος Πολιορκητής) lebte von 336 v.Chr. bis 283 v.Chr. Demetrios war der Sohn von Antigonos I. Monophthalmos, einem Feldherrn Alexanders des Großen. Seinen Beinamen „Poliorketes“ erhielt er, weil er für bei der Belagerung von Städten große Erfolge erzielt hat. Besonders bekannt wurde er durch die lange Belagerung der Stadt Rhodos. Hier setzte er für die damalige Zeit sehr große Belagerungsmaschinen ein.

Nach dem Tod Alexanders kämpfte Demetrios um Macht und Einfluss im ehemaligen Weltreich. Nach der Niederlage seines Vaters in der Schlacht von Ipsos verlor er zunächst fast alle Gebiete. Später gelang es ihm jedoch, wieder an die Macht zu kommen. Im Jahr 294 v. Chr. wurde er König von Makedonien. Er sollte es aber nicht bleiben.

Weitere Schlachten verliefen nicht erfolgreich. Demetrios verlor sein Reich und geriet in Gefangenschaft. Er starb 283 v. Chr.

Demetrios II. Aitolikos

Demetrios II. Aitolikos (Δημήτριος Αιτωλικός) lebte von 278 v.Chr. bis 229 v.Chr. Den Beinamen „Aitolikos“ erhielt er wegen seiner langen Kriege gegen den Ätolischen Bund.

Sein Vater war Antigonos II. Gonatas. Demetrios II. folgte ihm 239 v.Chr. Nach auf den Thron. Seine Herrschaft fiel in eine Zeit, in der Makedonien an politischer Stärke verlor.

Die Kriege gegen den Ätolischen Bund schwächten Makedonien, und zwar sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Das Reich wurde auch vom Norden her bedroht.

Demetrios II. musste viele Verteidigungskriege führen. Den Einfluss Makedoniens in Griechenland konnte kaum ausbauen. Im Inneren verlor das Königtum an Ansehen und Stabilität. Als Demetrios II. im Jahr 229 v. Chr. starb, hinterließ er ein stark geschwächtes Reich.

Perseus

Perseus (Περσεύς) lebte von 213/212 v.Chr. bis 165 v.Chr. Er war der letzte König aus dem Geschlecht der Antigoniden.

Tetradrachme mit Kopf des Perseus
Tetradrachme mit Kopf des Perseus
(Bildquelle: Wikipedia)

Sein Vater war Philipp V. Nach dessen Tod bestieg Perseus den Thron. Eigentlich hätte sein Bruder Demetrios König werden. Der war Rom freundlich zugewandt und wurde von Philipp V. hingerichtet. Perseus soll daran einen Anteil haben, das ist aber nicht sicher belegt. Jedenfalls steht das Ergebnis fest: Perseus wurde König.

Als erstes erneuerte er den Vertrag mit Rom. Dann machte er sich daran, seine eigene Macht zu konsolidieren. Das führte zum Untergang der Antigoniden.

Zum einen hatte das Rom überhaupt kein Interesse daran, dass es in Makedonien auf Dauer eine eigene Herrschaft gab. Zum anderen befürchteten andere Hellenistische Staaten die Einmischung Perseus in deren innere Angelegenheiten.

Ein bewaffneter Auftritt in Delphi, die (angebliche) Nicht-Beachtung römischer Gesandter in Makedonien sowie dynastische Eheschließungen waren zu viel. In der Forschung ist umstritten, ob die Vorwürfe berechtigt oder erfunden waren. Jedenfalls beschloss der römische Senat im Jahr 172 v.Chr., Perseus auszuschalten.

Zum Schein führten die Parteien Verhandlungen. Aber die Entscheidung fiel – was Perseus wohl verhindern wollte – auf dem Schlachtfeld. Nach der Schlacht von Pydna musste er sich im Jahr 168 v.Chr. unterwerfen.

Perseus wurde in Rom auf dem Triumphzug vorgeführt. Danach blieb er bis zu seinem Tode inhaftiert. Sein Sohn war dort ebenfalls gefangen. Das Königreich der Antigoniden fand sein Ende.

Philipp V.

Philipp V. (Φίλιππος) lebte von 238 v.Chr. bis 179 v.Chr. Er bestieg den Thron im Jahr 221 v. Chr. und übernahm die Herrschaft in einer politisch schwierigen Zeit.

Kopf Philipps V. auf einer Münze
Kopf Philipps V. auf einer Münze
(Bildquelle: Wikipedia)

Zu Beginn seiner Regierung versuchte Philipp V., die Macht Makedoniens in Griechenland wieder zu stärken. Er führte mehrere Kriege gegen griechische Staaten und gewann zunächst an Einfluss und Ansehen.

Gleichzeitig begann Rom, sich immer stärker in die Angelegenheiten Griechenlands einzumischen. Dies führte zu schweren Konflikten. In den Makedonischen Kriegen wurde Philipp schließlich von Rom besiegt. Das bedeutete aber noch nicht das Ende der makedonischen Eigenständigkeit.

Philipp V. musste Gebiete abgeben und verlor einen großen Teil seiner politischen Macht. Dem Bedeutungsverlust versuchte er durch Reformen in Verwaltung und Heer gegenzusteuern. Aber er konnte den Niedergang Makedoniens nicht mehr aufhalten.

Philipp V. gilt als letzter bedeutender König Makedoniens vor der römischen Vorherrschaft in Griechenland.

Makedonien

Makedonien (Μακεδονία) war das Königreich am Rand der griechischen Welt. Das Königreich lag im Norden des heutigen Griechenlands. Vermutlich wurde es im 7. Jahrhundert v. Chr. von der Dynastie der Argeaden gegründet. Den Höhepunkt seiner Geschichte stellt die Ausdehnung des Reiches unter Alexander dem Großen dar. Die letzte Dynastie waren die Antigonieden. 146 v. Chr. wurde das Land zur römischen Provinz Macedonia, was das Ende Eigenständigkeit bedeutete.

Sowohl die drei griechischen Regionen mit dem (Teil-)Namen Makedonien als auch der nördlich davon gelegene Staat Nordmazedonien führen sich auf das antike Reich Makedonien zurück. Es gibt zwischen Griechen und Nordmazedonen erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wer von beiden sich zu Recht auf dieses kulturelle Erbe beruft. In diesen Streit möchte ich mich nicht einmischen. Als Gemeinsamkeit beider sehe ich allerdings den großen Respekt, den sie den antiken Mazedonen entgegenbringen.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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