Kasos
Die südlichste Insel des Dodekanes heißt Kasos (Κάσος, andere Schreibweise: Kassos). Sie liegt zwischen Karpathos und Kreta, gehört zum Dodekanes. Sie ist Teil der Region Südliche Ägäis und hat etwas mehr als 1200 Einwohner.
Ein anderer Name der Insel war früher übrigens Aphros (Αφρός), was Schaum bedeutet. Das bezieht sich möglicherweise auf die Nordküste der Insel, die von hohen – schäumenden – Wellen umsäumt ist. So lässt sich auch der schon seit der Antike gebräuchliche Name Kasos mit einer phönizischen Wurzel erklären. Kas bedeutet Schaum des Meeres. Dass die Insel zuerst von Phöniziern besiedelt wurde, wie manche vermuten, ist allerdings nicht nachgewiesen.
Die Geschichte der Insel
Die Insel war bereits in der Bronzezeit besiedelt. Es sind Handelskontakte des minoischen Kretas zur Insel nachgewiesen. Auch war sie den Phöniziern bekannt.

In der gut geschützten Chelatos-Bucht fanden Schiffe einen sicheren Hafen. Hier sind auch Siedlungsspuren aus der Bronzezeit nachgewiesen. Vermutlich nahmen Kämpfer der Insel sogar am Trojanischen Krieg teil. Das ist für Karpathos überliefert. Kasos war mit der großen Nachbarinsel Karpathos fest verbündet, deren Teilnahme in der Ilias erwähnt ist. Das ist zumindest ein starkes Indiz dafür, dass auch Kämpfer aus Kasos mit in den Krieg zogen.
Nach Ende der Kreuzzüge erlangten die Johanniter die Herrschaft über die Inseln des Dodekanes und auch über Kasos. 1306 ging die Herrschaft an eine Familie aus der Republik Venedig über, 1537 eroberten die Osmanen die Insel.
Während des Griechischen Freiheitskampfs kam es zu einer furchtbaren Tragödie. Im Juni 1824 kam eine ägyptische Flotte nach Kasos, etwa 4000 Kämpfer konnten landen. Die Verteidiger von Kasos waren schnell ausgeschaltet. Anschließend begann ein entsetzliches Massaker unter der Bevölkerung. Etwa 2000 Menschen wurden getötet. Etwa noch einmal so viele Frauen und Kinder sind gefangen genommen worden. Nur wenige Kassioten konnten sich retten. Einige der gefangenen Menschen konnten von Verwandten freigekauft werden. Die meisten von ihnen landeten auf Sklavenmärkten in Ägypten und auf Kreta. Man kann sagen, dass Kasos sich von diesem Schlag nie wieder richtig erholt hat. Seitdem trägt Kasos den Beinamen Heldeninsel.
Nach Ende des Italienisch-Osmanischen Kriegs kam die Herrschaft über die Insel im Jahr 1912 an Italien. Bis 1944 blieb sie italienisch besetzt. Am 7. März 1948 kam sie mit den anderen Inseln des Dodekanes endgültig zu Griechenland.
Die Orte auf Kasos
Die Bevölkerung verteilt sich auf einige Orte.
Fry
Fry (Φρυ) ist der Hafenort und auch die Chora der Insel Kasos. Hier wohnen um die 340 Menschen. Der Ort liegt an der Nordküste von Kasos.
Der Ort ist nicht alt. Er wurde 1840 von Menschen aus Agia Marina und anderen Flüchtlingen gegründet.
Hier gibt es einige Sehenswürdigkeiten, und Touristen finden alles, was sie für ihren Aufenthalt auf der Insel brauchen. Du findest hier Hotels, Märkte, Autovermietungen und Tavernen und Cafés. Es lohnt sich wirklich, durch Fry zu bummeln.
Es gibt zwei Museen, die Du besuchen solltest. Einmal gibt es ein kleines Archäologisches Museum. Aktuell (November 2025) kostet der Eintritt 5 Euro. Zu sehen sind einige Fundstücke von der Insel aus der Antike. Auch Stücke aus jüngerer Zeit sind zu sehen. Zum anderen gibt es ein kleines Museum der Schifffahrt. Kapitän Manolis Vidiadis hält es mit viel ehrenamtlichen Engagement geöffnet. Es lohnt sich, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Seine Leidenschaft ist das Meer, und er weiß wirklich viel über das, was im Museum gezeigt wird. Zu den Öffnungszeiten der beiden Museen erkundigt Euch bitte vor Ort.
Östlich von Fry liegt Emborio (Εμποριό). Manche sagen, es sei ein eigenes Ort. Für mich wirkt es so, als sei er ein Teil von Fry.
Agia Marina
Agia Marina (Αγία Μαρίνα) ist das an Einwohnern und Fläche größte Dorf auf Kasos. Heute leben hier um die 550 Menschen.
Vermutlich ist der Ort im Mittelalter entstanden. Die Menschen zogen in dieser Zeit weg von der Küste auf höher gelegene Teile der Insel. So entstand Agia Marina, das in etwa 150 m Höhe leicht zu verteidigen war. Das gelang auch über Jahrhunderte. Beim Massaker 1824 ist der Ort jedoch weitgehend zerstört worden.
Aber auch Agia Marina hat sich trotz dieses furchtbaren Schlags wieder erholt. Dass heute mehr Menschen in Agia Marina leben als in irgendeinem anderen Ort auf Kasos, spricht für sich.
Arvanitochorio
Südwestlich von Fry liegt Arvanitochorio (Αρβανιτοχώριο). Der Ort liegt leicht erhöht, vielleicht 100 m über dem Meer.
Der Ortsname deutet auf Arvaniten hin. Sie sollen sich hier im 16. Jahrhundert niedergelassen haben. Das sind Angehörige einer zweisprachigen Minderheit, die sowohl albanisch als auch griechisch spricht. Andere sagen, dass ein Kapitän mit einem Faible für die arvanitische Volkstracht den Ort gegründet habe. Das ist eine nette Story, ich halte Version 1 der Gründungsgeschichte für plausibel.
Die Einwohner gelten als sehr fleißige Menschen. Ihre Einnahmequellen sind meist Tierhaltung, landwirtschaftliche Arbeiten, Imkerei sowie die Schifffahrt.
1864 haben die Einwohner ihre große Kirche gebaut, die Agios Dimitrios geweiht ist. Eine weitere Kapelle ist der Gottesmutter Maria geweiht.
Im Ort gibt es eine Amateurfußballmannschaft, AO Doxa Arvanitochori, die 1966 gegründet wurde und deren Farben Blau und Rot sind. Er hat die lokale Kasos-Meisterschaft sieben Mal gewonnen (1967, 1970, 1976, 1977, 1978, 1979 und 1983).
Poli
Poli (Πόλι) ist ein sehr kleiner Ort, der etwas östlich von Arvanitochorio liegt. Es lohnt sich, am Friedhof und der dazu gehörenden Kirche Agia Triada eine kurze Pause zu machen. Die Menschen von Poli haben für ihre Verstorbenen einen wirklich schönen Platz gewählt, an dem sie zur letzten Ruhe gelangen. Du kannst auch schauen, ob die Dorfkirche Agia Barbara offen ist. Bitte bedenke an beiden Orten, dass sie sehr wichtig für die Menschen sind und nicht einfach nur eine Touristenattraktion. Verhalte Dich unbedingt respektvoll.
Panagia
Der Ort Panagia (Παναγία) liegt zwischen Poli und Fry. Die Panagia Kirche ist wirklich sehr schön. Wirklich interessant finde ich aber die 6 Kapellen, die dicht an dicht gebaut worden sind. So etwas habe ich sonst nirgends gesehen. Die Kapellen sind verschlossen, aber ein wunderschönes Fotomotiv.
Chadies
Etwas abgelegen auf der Insel liegt der kleine Ort Chadies (Χαδιες). Dort findest Du das Kloster des Heiligen Georg. Wenn Du die Möglichkeit hast, es zu besuchen, dann tu es. Von außen ist es schlicht im weiß-blau der Kykladen. In Inneren der Kirche sind wunderschöne Ikonen zu sehen.
Von hier aus kommst Du übrigens weiter zum Helatros Beach.
So kommst Du nach Kasos
Es gibt zwei Möglichkeiten, um nach Kasos zu kommen: Das Schiff oder das Flugzeug.
Der Fährhafen der Insel befindet sich in Fry. Auf der Seite Ferryhopper kannst Du die Verbindungen von und nach Kasos recherchieren. Ich finde, dass Kasos eine wirklich gute Station beim Inselhüpfen durch die südliche Ägäis ist.
Zum anderen gibt es einen kleinen Flughafen auf der Insel. Er liegt nordwestlich von Fry. Vom Kasos Airport aus gibt es Verbindungen zu den Inseln Rhodos und Karpathos. Das ist schön, wenn Du die Region beim Anflug von oben sehen möchtest.
Schiffswracks bei Kasos
Im Meer um die Insel Kasos liegen sehr viele Wracks aus allen Zeiten der Geschichte. Erst im Frühjahr 2024 wurde bekannt, dass Unterwasserarchäologen 10 bisher nicht bekannte Schiffswracks entdeckt haben. Diese Wracks stammen aus allen Zeiten und sein teils uralt.
Einer originelle Filmproduktion von AORI FILMS hat die Unterwasserarchäologie vor Kasos thematisiert. Der Titel lautet „Tauchen in der Geschichte der Ägäis“. In englischer und griechischer Sprache erfährst Du darüber mehr unter https://kasosproject.com. Was für archäologische Produktionen nicht selbstverständlich ist: Der Film hat internationale Aufmerksamkeit geweckt.
Ein Schlager: Liebe auf Kasos
Man mag es kaum glauben, aber es gibt sogar ein deutschsprachiges Lied über Kasos. Viel Spaß beim Anhören.
