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Tenea

Tenea (Τενέα) war eine antike Stadt auf der Peloponnes in der Nähe von Korinth. In der Nähe liegt heute das Dorf Chiliomodi. Eine Zeit lang hieß dieser Gemeindebezirk auch Tenea. Der aber ist aufgelöst.

Das musst du über Tenea wissen

Der Legende nach waren die ersten Bewohner von Tenea trojanische Gefangene. Agamemnon erlaubte ihnen, sich auf der Peloponnes anzusiedeln. Hier durften sie eine neue Stadt errichten. Das klingt sehr nach Rom, das ja der Sage nach auch von Flüchtlingen aus Troja gegründet worden sein soll.

Ausgrabungen in Tenea
Ausgrabungen in Tenea
(Bildquelle: griechisches Kulturministerium)

Auch wenn es im 19. Jahrhundert hier Ausgrabungen gab, setzte die systematische Erforschung doch erst 2013 ein. Unter der Leitung von Dr. Elena Korka wurde das Tenea-Projekt ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein Forschungsprogramm, das von der Ephorie für prähistorische Altertümer des Kultur- und Sportministeriums umgesetzt wird.

Anlass war ein Fund, den man 1984 gemacht hat. Damals ist ein Ganzsteinsarkophag ans Licht gekommen. Der war künstlerisch sehr wertvoll. Die Überdeckplatte trug eine Komposition als zwei facettierten Löwen und einer Palmette in der Mitte. Heute ist sie im Archäologischen Museum von Korinth zu sehen. Es dauerte etwas, aber dieser Fund führte dazu, dass Wissenschaftler sich diese Stadt dann doch etwas näher ansahen.

In der Neuen Züricher Zeitung ist 2018 ein lesenswerter Artikel über die Funde erschienen, die man in Tenea gemacht hat. Das war aber nicht das Ende der Ausgrabungsarbeiten.

Insgesamt sind inzwischen vier Ausgrabungssektoren untersucht worden. In einem großen Gebäude aus römischer Zeit ist ein Versteck mit 18 Silber- und Kupfermünzen gefunden worden. In Tenea hat man auch eine Sammlung von Votivfiguren gefunden. Auch kam ein weiteres Versteck zutage. Dort fand man ca. 2100 Münzen, die aus dem 5. und 6. Jahrhundert nach Christus stammen.

Mehr Informationen kannst Du einer Pressemeldung des griechischen Kulturministeriums entnehmen. In ihm sind die Ergebnisse der systematischen archäologischen Forschung in Tenea dargestellt.

Der Kouros von Tenea

Das wohl berühmteste archäologische Fundstück ist eine 1,53 m hohe archaische Skulptur. Man nennt sie den Kouros von Tenea oder auch den Apoll von Tenea.

Kouros von Tenea
Der Kouros von Tenea
(Bildquelle: Wikipedia)

Sie ist in der Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus entstanden. Der Marmor stammt von der Insel Paros. Wer der Künstler ist, habe ich nicht herausfinden können.

Gefunden hat man die Skulptur im Jahr 1846 bei Ausgrabungen in Tenea. Sie war zerstückelt. Ein Teil des rechten Arms fehlte und wurde ersetzt. Der Kopf ist in einem Tontopf gefunden worden, der ihn über die Jahrhunderte geschützt hatte.

Die Statue zeigt einen jungen, sehr athletisch gebauten Mann. Sein Körper ist nackt und sehr kräftig. Die Staue ruht auf den Beinen, wobei das linke Bein einen kleinen Schritt nach vorne macht. Die Arme hängen in perfekter Symmetrie an den Seiten, die Hände sind zu Fäusten geballt.

Das lange Haar ist gut frisiert und fällt in Locken nach hinten ab. Das habe ich auch an anderen Statuen in diesem Stil gesehen.

Die Statue zeigt einen gewissen künstlerischen Einfluss aus Ägypten. Dort gab es recht ähnliche Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten. Aber die Nacktheit des Körpers, die lebendige Haltung der Figur und der starke Ausdruck des Gesichts empfinde ich als genuin griechisch. Die Proportionen des Körpers sind genauer als das, was ich bei ägyptischen Statuen gesehen habe.

Wer aber ist das? Den Fund haben die Ausgräber in der Nekropole von Tenea gemacht. Es kann also sein, dass ein verstorbener Jüngling dargestellt ist. Daher passt die Bezeichnung als Kouros sehr gut.

Strabon erwähnt in seiner Geographika, dass es in Tenea ein Heiligtum gab, das Apollon geweiht war. Vom Typ her könnte es sich bei der Statue auch um eine archaische Darstellung dieses Gottes handeln.

Heute ist der Kouros in der Glyptothek in München zu sehen. Die hat sie 1853 erworben. Dort hat sie die Inventarnummer 168. Eine Kopie ist übrigens im Archäologischen Museum in Basel zu sehen.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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