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Archäologen haben den Eingang zum Leuchtturm von Alexandria vom Meeresgrund geborgen

Skai.gr berichtet, dass Archäologen Bauteile vom Eingang zu Leuchtturm von Alexandria vom Meeresgrund gebogen haben. Die Bergung von Elementen des Pharos läuft schon länger. Nunmehr ist auch geklärt, was genau da an Land geholt worden ist.

Der Eingang zum Leuchtturm von Alexandria

In Alexandria stand der erste Leuchtturm der Welt. Der Bau wurde 279 v.Chr. vollendet. Und im 14. Jahrhundert hat ein (oder haben mehrere) Erdbeben ihm den Garaus gemacht.

Die Bergung der Bauelemente des Eingangs
Die Bergung der Bauelemente des Eingangs
(BIldquelle: skai.gr)

Über sein Ende plane ich später im Jahr einen eigenen Blogbeitrag. Es ist faszinierend, dass ein in der Antike gebauter Turm wohl mehr als 1600 Jahre stand und seine Funktion erfüllt hat.

Dass man den Leuchtturm durch einen Eingang betreten musste, liegt auf der Hand. Das ist bei derartigen Bauwerken zu allen Zeiten so gewesen, auch heute.

Als ein Erdbeben den Turm zerstört hat, stürzten viele seiner Bauelemente ins Wasser. Das verhinderte ihre „Wiederverwertung“ für andere Bauten, was mit einem Teil des Baumaterials passiert ist. Im Meer lagen die großen Steine dann über die nächsten Jahrhunderte.

Seit Juni 2015 bergen Forscher Bauelemente des Leuchtturms aus dem östlichen Hafenbereich von Alexandria.

Bis jetzt haben sie 22 Granit- und Kalksteinblöcke mit einem Gewicht von bis zu 80 Tonnen aus dem Meer geholt. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten sind diese Bauelemente wieder an der Luft. 

Die geborgenen Bausteine sind für wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich. Deren Leitung hat die Archäologin und Architektin Isabelle Hairy vom französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS).

Ihre Analyse hat ergeben, dass die geborgenen Teile zum Haupteingang des Leuchtturms gehört haben.

Sowohl griechische als auch ägyptische Arten der Steinbearbeitung konnten nachgewiesen werden. Das zeigt, dass die Ptolemäer die Fähigkeiten beider Kulturen zu vereinen wussten.

Die Kampagne 2024

Isabelle Hairy und Thomas Faucher haben die Ergebnisse der Unterwassergrabungen wissenschaftlich aufbereitet, die sie 2024 an der Stätte des Leuchtturms von Alexandria durchgeführt haben.

Der Hafenbereich von Alexandria, in dem einst der Pharos stand
Der Hafenbereich von Alexandria
(Bildquelle: openedition.org)

Den Bericht über die Kampagne in Alexandria ist im Internet veröffentlicht.

Die Unterwasserkampagne 2024 fand vom 3. September bis zum 17. Oktober statt. Sedimentablagerungen, zu denen es infolge des Baus von Wellenbrechern gekommen ist, stellen dabei eine gewisse Herausforderung dar. Zwar sind einige Bausteine geborgen worden. Die meisten noch vorhandenen Bauelemente des Leuchtturms liegen jedoch noch im Meer.

Was ich sehr faszinierend finde: Anscheinend sind Granitmonolithen der Fassade einer Pyramide aus der 4. Dynastie  für die Fundamente des Leuchtturms von Alexandria wiederverwendet worden. Abschließend geklärt ist das nicht. Aber erste Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin.

Auch haben die Forscher herausgefunden, dass die Steine wohl nicht mit Mörtel verbunden waren. Es scheint, dass Metall benutzt wurde. Einige Steine ​​von annähernd gleicher Abmessung weisen kreisrunde Zapfenlöcher auf. Von denen sind einige noch mit Metall gefüllt. Andere Steine haben horizontale Zapflöcher, in denen kein Metall gefunden wurde. Wie es scheint, konnte der Pharos mit dieser Bautechnik erdbebensicher errichtet werden. So ist auch das Alter von 1600 Jahren zu erklären, dass dieses Gebäude erreicht hat.

Im Meer vor Alexandria liegen noch sehr viele Steine, die vermutlich vom Pharos stammen. Es werden in den Medien Zahlen zwischen 4000 und 5000 Stück genannt. Ob Ideen über den Wiederaufbau dieses Weltwunders realistisch sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber auf jeden Fall haben künftige Forschergenerationen hier noch sehr viel zu tun.

Von einer Insel zum Pharos zum Leuchtturm

Der Leuchtturm von Alexandria war das erste Gebäude seiner Art, und natürlich hatte er einen Eingang. Man musste ihn betreten, um ihn seinem Zweck entsprechend nutzen zu können. Seine Vorgeschichte finde ich aber auch sehr spannend

digitale Rekonstruktion des Leuchtturms von Alexandria zur Zeit der Antike
digitale Rekonstruktion des Leuchtturms von Alexandria
zur Zeit der Antike

Der Leuchtturm stand auf einer (früheren) Insel, die den Namen Faros trug. Zu diesem Namen kam sie durch einen Zufall. Menelaos soll hier einst gelandet sein. Da er nicht wusste, wo er war, fragte er einen Mann nach dem Namen der Insel und ihrem Besitzer. Hier muss es dann Sprachschwierigkeiten gegeben haben. Der Mann antwortete ihm Per aa, damit gab er den Pharao als Eigentümer der Insel an. Menelaos dachte, der Ägypter habe ihm den Namen der Insel genannt.

Bis dahin bedeutete das Wort Pharos im Altgriechischen so viel wie Tuch oder Segel. Jetzt meinten die Griechen, dass auch diese Insel so heißt und segelten ab. Was blieb, war der neue griechische Inselname.

Als nach dem Tod Alexanders des Großen der Diadoche Ptolemaios I. die Herrschaft in Ägypten errang, gab er den Bau des Leuchtturms in Auftrag.

Selbst hat er seine Fertigstellung nicht mehr erlebt. Das Bauwerk ist erst unter der Regentschaft seines Nachfolgers Ptolemaios II. vollendet worden.

Ein eigenes Wort für Leuchtturm hatten die Griechen und Ägypter nicht. Also benannte man ihm nach dem (griechischen) Namen der Insel, auf der er stand. So kam es, dass die Zeitgenossen über den Pharos sprachen, wenn sie den Leuchtturm meinten. Und das Wort Pharos zog auf diese Weise in die Griechische Sprache ein. Dort bedeutet es bis heute Leuchtturm. Für Segel oder Tuch sagen die Griechen heute pani (πανί).

Für mehr Informationen über den ersten Leuchtturm der Welt lies meinen Blogbeitrag über den Pharos von Alexandria.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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