Anfang 2026 fehlen in Griechenland 212000 Wohnungen
Im Januar 2026 wird eine Studie der Piräus Bank bekannt, die feststellt, dass in Griechenland 212000 Wohnungen fehlen. Darüber berichten deutsche Medie, unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Warum fehlen in Griechenland 2026 so viele Wohnungen?
Das Elend mit der Wohnungsnot hat eine Vorgeschichte. Die reicht 15 Jahre zurück zum Beginn der Finanzkrise.

Im Dezember hat Griechenland vorzeitig 5,3 Milliarden Euro an Schulden getilgt. In meinem Blogbeitrag habe ich darauf hingewiesen, dass das Land sich finanziell von der Euro- und Schuldenkrise gut erholen. Das gilt aber nur im großen, im Land. In meinem Beitrag habe ich darauf hingewiesen, dass bei vielen Menschen von dieser Erholung nichts ankommt.
Das in Griechenland im Jahr 2026 für die Bevölkerung viele Wohnungen fehlen, ist ein Aspekt. Den möchte ich heute vertiefen. Er ist wichtig, um zu verstehen wie es den Menschen im Land geht.
Die Finanzkrise der 2010er Jahre hat der griechischen Wirtschaft massiv geschadet. Das kann man an zwei Zahlen nachvollziehen, die den Wohnungsbau im Großraum Athen betreffen.
In Athen sind 2001 und 2010 noch 304000 neue Wohnungen gebaut worden. Das war genug, um den Bedarf an neuem Wohnraum in der Stadt zu stillen. In den nächsten 10 Jahren zwischen 2011 und 2020 sind nur 48600 neue Wohnungen gebaut worden. Das ist weniger als ein Sechstel von dem, was an neuem Wohnraum im Jahrzehnt davor entstanden ist. Viel zu wenig!
Zeitgleich setzte eine Entwicklung ein, welche die Lage auf dem Wohnungsmarkt drastisch verschärft hat. Immer mehr Wohnungen werden nicht mehr regulär an Einheimische vermietet. Die Eigentümer haben sie in Ferienwohnungen umgewandelt und vermieten sie für kurze Zeit an Reisende. Im letzten Jahr hat der Bürgermeister von Athen – Haris Doukas – wegen des Übertourismus öffentlich Alarm geschlagen.
Ich habe diesen Abschnitt meines Blogbeitrags mit einer Frage überschrieben. Warum fehlen so viele Wohnungen? Die wichtigste Antwort ist, dass zu wenig neue Wohnungen gebaut wurden.
Die Krisenjahre wirken nach
Die griechische Politik jubelt, dass die Krisenjahre überwunden seien. Das stimmt vielleicht für die Steuereinnahmen. Hier hat der Staat sehr viel getan, um das bisher sehr beliebte Nicht-Zahlen von Steuern zu beenden.

Und der Tourismus boomt inzwischen. Das bringt viel Geld nach Griechenland. Aber von diesen Einnahmen können sehr viele Einwohner des Landes nicht profitieren. Das zeigt sich an den verfügbaren Einkommen.
Die Jahre der Finanzkrise haben den privaten Haushalten schwer zu schaffen gemacht. In dieser Zeit verloren sie 40 Prozent des verfügbaren Einkommens. Das hat auch die gute Entwicklung der griechischen Wirtschaft bis heute nicht ausgleichen können.
In den letzten 20 Jahren sind die Realeinkommen in der Europäischen Union im Durchschnitt um 22 Prozent gestiegen. Das gleicht nicht einmal die Inflation in dieser Zeit aus.
In Griechenland sind die Zahlen aber anders. Dort sanken die durchschnittlichen verfügbaren Einkommen in den letzten 20 Jahren um 5 Prozent. Die Einschnitte in den 2010er Jahren waren drastisch. Ich weiß von Rentnern, denen man 30 Prozent ihrer Bezüge gekürzt hat. Auch für viele Angestellte und Selbständige war die Situation mehr als schwierig. In den letzten Jahren setzte aber eine Verbesserung ein.
Was aber nicht wegdiskutiert werden kann: Während die Durchschnittseinkommen in anderen EU-Ländern in den letzten 20 Jahren um 22 Prozent stiegen, sind sie in Griechenland um 5 Prozent gesunken.
Die Inflation wirkt natürlich auch im Land der Hellenen. Eine Veröffentlichung der OECD zeigt, dass es sich dabei um ein globales Problem handelt. Weder Griechenland, noch Deutschland noch ein anderes Land sind davor geschützt.
Diese Entwicklung hat auch etwas mit der Wohnungssituation zu tun, mit der die Griechen zurecht kommen müssen. Die Mieten wollen schließlich bezahlt sein.
Das Einkommen der Menschen und die Mieten
In 2024 lag das durchschnittliche Jahreseinkommen vor Steuern und Sozialabgaben in Griechenland bei 23030 Euro. Das entnehme ich Zahlen des statistischen Bundesamts. Das macht circa 1.900 Euro brutto im Monat. Nach Steuern und Sozialabgaben bleiben davon vielleicht 1000 bis 1200 Euro übrig.
Die Seite Immigrantinvest hat im Oktober 2025 interessante Zahlen über Mietkosten in Athen außerhalb des Zentrums veröffentlicht. Für eine Einzimmerwohnung sind im Schnitt 674 Euro (514 Euro Miete, 160 Euro Nebenkosten ) zu bezahlen. Eine vierköpfige Familie muss eine Miete in Höhe von 1245 Euro (920 Euro Miete, 325 Euro Nebenkosten) bezahlen. Das muss man angesichts der verfügbaren Einkommen erst einmal stemmen können.
Ferienwohnungen alleine sind nicht das Problem
Die Umwandlung von Wohnungen für Dauermieter in Ferienwohnungen zur Kurzzeit-Vermietung verschärft diese Situation. Die alleine sind aber nicht das Problem.

In einem gut recherchierten Bericht des Handelsblatts vom 27.12.2024 ging es um Leerstände in Lissabon, Paris und Athen. Überall in den großen Metropolen stehen Wohnungen leer.
Laut diesem Bericht gab es Ende 2024 in Athen 150000 leerstehende Wohnungen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Athen 22432 Ferienwohnungen, die Urlaubern zur Kurzzeitmiete angeboten wurden.
Nach dem oben verlinkten Bericht des RND sollen in der Region Attika über 500000 Wohnungen leer stehen. Für Athen werden 14000 Ferienwohnungen angegeben. Ich denke, die letzte Zahl ist zu niedrig. Aktuell bietet AirBNB für Athen 18.200 Ferienunterkünfte an. Da nicht alle Wohnungen über AirBNB angeboten werden, muss die Zahl der Ferienwohnungen höher sein als von RND recherchiert.
Noch eine Zahl: Aktuell werden in Griechenland etwa 148.000 Wohnungen und Häuser zum Verkauf angeboten. Nur 10 Prozent davon sind in den Jahren gebaut worden. Und die Immobilienpreise explodieren, insbesondere in den südlichen Vororten von Athen. Kostas Normalgrieche kann das aus seinem Einkommen niemals bezahlen.
Der fehlende Wohnraum ist ein Politikum
Aber auch wenn die Ferienwohnungen nicht das eigentliche Problem sind, sind sie das, was die Menschen sehen. Sie erzeugen Unmut und Protest.
Dass in Griechenland 2026 einfach sehr viele Wohnungen für die Einheimischen fehlen, weiß auch die Politik. Die Regierung geht dagegen vor. Seit 2025 werden in Athen keine neuen Ferienwohnungen mehr genehmigt. Aber reicht das?
Spätestens im Frühjahr 2027 stehen Neuwahlen an. Ich denke, die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist dann ein zentrales Thema.
