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Ein Spartaner hat seinen Schild an Athen verloren

Im Museum auf der Griechischen Agora in Athen kannst Du einen Schild sehen, den ein Spartaner im Kampf gegen Athen verloren hat. Aus mehreren Gründen empfinde ich das als ein ganz besonderes Artefakt.

Deshalb möchte ich es als Auftakt zum Jahresthema 2026 heute im Hellas Blog vorstellen. In diesem Jahr geht es um besondere Artefakte, die Du in Athen in einem Museum oder anderswo sehen kannst.

Ein Spartaner und sein Schild, der als Kriegsbeute nach Athen kam

Eines vorab: Wir kennen den Namen des unglückseligen Spartaners nicht, der diesen Schild einst im Kampf geführt hat.

Spartaner Schild im Museum auf der griechischen Agora Athen
Spartaner Schild, Beute für Athen aus der Schlacht bei Pylos (425 v.Chr.)

Als Träger wird immer wieder der spartanische Held Brasidas genannt. Ich glaube das aus mehreren Gründen nicht. Dazu mehr unten.

Spartanische Mütter machten ihren Söhnen eine klare Ansage, wenn sie in den Krieg zogen. Und die bezog sich auf ihren Schild: ἤ τάν ἤ ἐπί τᾶς. Komm mit ihm wieder, oder auf ihm.

Dass ein Mann in der Schlacht fiel, war für die Menschen im antiken Sparta kein Problem. Das nahm man hin. Der Tod im Kampf war Teil des Soldatenlebens. Dass ein Spartiat im Kampf seinen Schild verlor, galt als unglaubliche Schande. Etwas schlimmeres gab es kaum.

Das hatte auch einen Grund. Die Spartiaten waren die Elite-Kämpfer einer durch und durch soldatischen Gesellschaft. Als solche waren Drill und das Zusammenwirken auf dem Schlachtfeld ein fester Bestandteil ihres Lebens.

Eine Schlacht kann nur bestehen, wer eine gute Taktik hat. Das zentrale Element der militärischen Taktik Spartas war die geschlossene Phalanx-Formation. Die Kämpfer trugen den Schild am linken Arm und schützten damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Mann zur Linken. So wurde der Schild zum Hauptinstrument für eine regelrechte Wand, die der Feind nicht durchdringen konnte. Hinter ihr wehrten Hopliten den Feind mit Lanzen ab. Die Spartiaten konnten auch mit dem Schwert kämpfen, das sie mit der freien rechten Hand führten.

Der Verlust des Schildes war die ultimative Schande

Verlor ein Spartiat im Kampf sein Schwert oder seinen Helm, war das Pech. So lange die Schilderwand hielt, führte Sparta die Schlacht erfolgreich weiter. Bei passender Gelegenheit konnte der Kämpfer ein neues Schwert vom Boden aufheben und sich wieder aktiv beteiligen.

Verlor er aber seinen Schild, riss das eine Lücke in die Verteidigung. Der Mann zu seiner Linken war nicht mehr geschützt und der Feind bekam eine Gelegenheit, in die spartanischen Reihen einzudringen. Ein Soldat, der seinen Schild im Kampf verlor, galt als der ultimative Feigling.

Der Schild gehörte nicht Brasidas

Aus zwei Gründen glaube ich nicht, dass der Schild einst Brasidas gehört hat. Brasidas war ein spartanischer Held und Feldherr.

Mein Hauptargument ist, dass es dafür keinen Beweis gibt. Auf dem Schild gibt es keine Inschrift, die seinen einstigen Träger nennt.

In den Schild graviert ist der Text ΑΘΗΝΑΙΟΙ ΑΠΟ ΛΑΚΕΔΑΙΜ[ΟΝ]ΙΩΝ ΕΚ [ΠΥ]ΛΟ. Die in eckige Klammern gesetzten Buchstaben sind kaum zu lesen, was ich durch die Klammern kenntlich machen möchte. Übersetzen möchte ich den Text mit Die Athener von den Lakedaimoniern aus Pylos. Die Lakedaimonier sind niemand anderes als die Spartaner. Das sagt aber nichts darüber aus, welcher spartanischer Kämpfer der Pechvogel war, der seinen Schild ausgerechnet an Athen verlor.

Mein zweites Argument ist, dass Brasidas auch nach der Schlacht bei Pylos noch als Feldherr für Sparta wirkte. Der Verlust eines Schildes galt als Zeichen unehrenhafter Feigheit und wurde bestraft. Wir wissen jedoch, dass Brasidas auch nach der Niederlage bei Pylos für Sparta im Einsatz war. Das kann ich mir nicht vorstellen, wenn er wirklich seinen Schild verloren haben sollte.

Aus beiden Gründen halte ich es für ungeklärt, wem dieser Schild einst gehörte.

Der Schild der spartanischen Soldaten

Der Schild war der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Spartaners. Er stellte mit ihm das physische Überleben seiner Einheit in der Schlacht sicher. Darüber hinaus verkörperte der Schild die höchsten Ideale der spartanischen Gesellschaft: Loyalität und die Bereitschaft, die kollektive Identität über das eigene Leben zu stellen.

Einen solchen Schild nennt man übrigens Hoplon. Der zeichnet sich durch seine runde Form aus. Die historische korrekte Bezeichnung ist Aspis, wobei darunter auch anders geformte Schilde fielen.

Ein Holpon war etwa 80 bis 100 Zentimeter breit und kreisrund. Nach außen war der Schild gewölbt, er hatte einen verstärkten Rand. Rand und Korpus bestanden aus Holz. Er war mit einer dünnen Schicht aus Bronze bekleidet. Je nach Epoche konnte er auch durch Bronzearbeiten dekoriert sein.

Die Schilde konnten am Rand geschärft sein. So konnten die Kämpfer sie nicht nur als (passive) Schutzwaffe einsetzen, sondern auch aktiv mit ihnen kämpfen. Der Schnitt mit dem Schildrand setzte dem Feind genauso fatal zu wie der Schnitt mit einem Schwert.

Der Kult der Spartaner um ihre Schilde wirkt bis in die Neuzeit. Im griechischen Unabhängigkeitskampf haben sich einige ganz bewusst dem spartanischen Motto verschrieben. Auf der Fahne der Insel Hydra können wir das bis heute nachlesen.

Die Schlacht bei Pylos

Dass ein Spartaner den Schild, den wir noch heute in Athen sehen können, in der Schlacht bei Pylos verloren hat, wissen wir aus einer Inschrift.

Diese Schlacht war Teil des Peloponnesischen Kriegs, der zwischen den Mächten Sparta und Athen ausgetragen wurde. Sie fand im Jahr 425 v.Chr. statt und endete mit einer Niederlage Spartas. Hier ist nicht der Raum, um Vorgeschichte und Ablauf dieser Schlacht zu schildern. Ich finde die Informationen auf Wikipedia über die Schlacht bei Pylos hilfreich. Auf die möchte ich zum Abschluss dieses Beitrags hinweisen.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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