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Hasenkopf Kugelfisch: Gefahr im Mittelmeer?

In diesem Jahr gab es viele Meldungen über den Hasenkopf Kugelfisch, weil er Leute beim Baden gebissen hat. Ist er eine Gefahr? Bedroht er Touristen? Was bedeutet er für einheimische Meeresbewohner und die griechischen Fischer? In diesem Beitrag gehe ich auf die wichtigsten Fragen zu diesem Tier ein.

Der Hasenkopf im Mittelmeer

Mit dem Namen konnte ich zunächst nichts anfangen, als ich ihn erstmals in den Medien gelesen habe. Ein Fisch, der Hasenkopf heißt? Wie blöd ist das denn?

Aber auf Deutsch heißt er ganz offiziell so. Sein wissenschaftlicher Name ist Lagocephalus sceleratus. Auf griechisch heißt er einfach nur Lagokefalos (Λαγοκέφαλος).

Das Tier gehört zur Gattung der Kugelfische. Beheimatet ist er im tropischen Indo-Westpazifik. Allerdings ist er inzwischen durch den Kanal von Suez ins Mittelmeer gelangt und fühlt sich dort pudelwohl.

invasiv im Mittelmeer: Der Hasenkopf Kugelfisch
invasiv im Mittelmeer: Der Hasenkopf Kugelfisch

Erstmals wurde ein Exemplar dieses Fisches im Jahr 2003 an der türkischen Ägäisküste registriert. Sicherlich hatte die Art sich zu diesem Zeitpunkt schon länger im östlichen Mittelmeer angesiedelt. Nur was das niemandem aufgefallen.

Seine Verbreitung wird durch die globale Erderwärmung begünstigt. Das Mittelmeer erwärmt sich, was dem Hasenkopf angenehme Lebensumstände bereitet. Was den einheimischen Arten zu schaffen macht, kommt ihm gerade recht. Inzwischen ist der Hasenkopf auch an der Straße von Gibraltar angekommen. Es ist wohl eine Frage der Zeit, dass er sich im Atlantik ansiedelt.

Diesen Fisch kannst Du nicht essen

Diesen Fisch kann man nicht essen. Der Körper des Hasenkopfs enthält das Nervengift Tetrodotoxin (TTX). Dieses Gift blockiert die Reizweiterleitung in den Nerven blockiert. Hitze macht dem Gift nichts aus, so dass der Fisch auch giftig ist, wenn er gekocht oder gegrillt wurde.

Weihnachten 2013 hatten ukrainische Seeleute versehentlich Hasenkopf gefangen und zubereitet. Sie dachten, es handele sich um Heilbutt. Das Portal neakreti.gr berichtete von dem Fall. Die Matrosen konnten gerettet werden.

Hysterie in den Medien

Im letzten Sommer hatte ich den Eindruck, dass die Medien gezielt Angst vor diesem Tier schürten.

Die Augsburger Allgemeine warnte Reisende nach Kreta. Sie können sogar tödlich sein, verbreitete das ZDF. Und NTV wusste zu berichten, dass der Fisch sogar Getränkedosen durchbeißen kann. Das sind nur Beispiele aus den deutschen Medien.

Der Hasenkopf Kugelfisch kann badenden Menschen nahe kommen
Der Hasenkopf Kugelfisch kann badenden Menschen nahe kommen

Auf Englisch heißt das Tier silver-cheeked toadfish oder pufferfish. Der britische Independent nennt ihn einen giftigen Fisch mit menschenähnlichen Zähnen. Das Portal argophilia berichtete vom Angriff auf ein Kind und den Tod eines Haustiers. Und die renommierte Times informierte ihre Leser, dass der Hasenkopf auch Knochen durchbeißen könne.

Für Badende habe ich eine Empfehlung, wenn sie Fische im Meer bemerken: lasst sie in Ruhe. Das gilt ganz besonders für den Hasenkopf Kugelfisch. Von sich aus greift er Menschen nicht ab. Aber wenn er sich bedroht fühlt, setzt er sich zur Wehr. Haltet einfach Abstand, dann sollte nichts passieren.

Zuletzt war ich im Norden Kretas im Mai 2026 im Meer. Diesen Fisch habe ich dort nicht bemerkt. Das will aber nichts heißen. Denn er kommt inzwischen überall im östlichen Mittelmeer vor. Deswegen Sorgen gemacht habe ich mir nicht.

Der Hasenkopf hat kaum Feinde

Wir Menschen können mit dem Hasenkopf Kugelfisch nichts anfangen. Er ist giftig, man kann aus ihm keine für uns genießbare Speise bereiten.

Sein Gift hat der Fisch als passive Waffe im Körper. Andere Räuber sterben, wenn sie ihn als Mahlzeit verspeisen. Und weil sich das in der Unterwasserwelt „herumgesprochen“ hat, hat der Hasenkopf fast keine Feine.

Bis auf eine Ausnahme. Einen tödlichen Feind gibt es: die unechte Karettschildkröte (Caretta Caretta).

Durch einen Artikel in Naftemporiki habe ich davon erfahren. Dieser Meeresschildkröte macht das Gift nichts aus. Gelingt es, den Bestand von Meeresschildkröten im östlichen Mittelmeer signifikant zu erhöhen, gibt es eine Chance, den Hasenkopf auf natürliche Weise einzudämmen.

Die Jagd ist eröffnet

Der Hasenkopf Kugelfisch ist giftig und für Menschen deshalb ungenießbar. Deshalb fischt man nicht nach ihm. Die Folge ist, dass die Bestände sich vermehrten. Deshalb sind mehr und mehr Anrainerstaaten auf die Idee gekommen, den gezielten Fang des Hasenkopfes durch finanziell zu fördern.

Den Anfang hat die türkische Regierung gemacht. Im Jahr 2021 setzte sie ein Kopfgeld auf dieses Tier gemacht. Der Spiegel berichtete im Juli 2021, dass Fischer umgerechnet etwa 50 Eurocent für ein gefangenes Exemplar bekommen.

Zypern zog nach. Und seit Juni 2026 fördert auch die griechische Regierung den Fang des Hasenkopf Kugelfisches. Die Tagesschau berichtet, dass pro Kilo Fisch von diesem Tier eine Prämie in Höhe von 5,33 Euro gezahlt wird. Das ist genug, um den Fang für kommerzielle Fischer interessant zu machen.

Auf Kreta sind Wissenschaftler am Thema dran.

Sie untersuchen, ob diese natürliche Wechselwirkung, wenn auch nur in begrenztem Umfang, zur Eindämmung der Ausbreitung der Art beitragen kann, ohne dies natürlich als endgültige Lösung des Problems zu betrachten.

Der Hasenkopf Kugelfisch hat gebissen – was tun?

Eines Vorweg: Keine Panik. Der Hasenkopf hat kein Interesse an Menschen und ist nicht angriffslustig. Wenn er sich aber bedroht fühlt, dann kann er zubeißen. Und sein Gebiss ist sehr kräftig.

Das ist zu tun, wenn Du vom Hasenkopf gebissen wurdest:

  • Wunde sofort mit sauberem Süßwasser aus der Leitung oder einer Trinkflasche ausspülen. Nutze Seife, um sie zu reinigen.
  • Wenn es stark blutet: Übe Druck auf die Wunde aus und verbinde sie nach Möglichkeit.
  • Suche einen Arzt auf: Das Gebiss des Hasenkopfs ist schnabelartig und sehr kräftig. Er kann tief beißen. Es kann zu schlimmen Verletzungen kommen.

Dass der Fisch bei seinem Biss Gift auf Dich überträgt, ist nicht zu erwarten. Der Fisch hat sein Gift im Körper. Das ist eine von der Natur entwickelte Abwehrstrategie, um ihn als Beute für andere Räuber im Meer uninteressant zu machen. Er setzt sein Gift aber nicht aktiv als Waffe ein. Dafür reichen ihm seine Zähne.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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