Navarino rettete die griechische Revolution
Die Seeschlacht bei Navarino war es, welche die griechische Revolution vor dem Scheitern gerettet hat. Am 20. Oktober 1827 entschied sich hier das Schicksal Griechenlands. Navarino ist der italienische Name der griechischen Stadt Pylos. Sie liegt im Südwesten der Peloponnes und gilt als Heimat der mythischen Figur Nestor.
Der Freiheitskampf der Griechen führt nach Navarino
Am 25. März 1821 begann der griechische Freiheitskampf. An diesem Tag segnete Germanos von Patras die griechische Fahne und die griechischen Kämpfer.

Tatsächlich gab es davor schon Aktionen. Aber der 25. März ist bis heute ein wichtiger nationaler Feiertag aller Griechen.
Seit diesem Tag kämpften die Griechen um ihre Unabhängigkeit von den osmanischen Besatzern. Sie hatten aus ganz Europa Sympathien auf ihrer Seite. Freiwillige Philhellenen kämpften aktiv mit den Griechen für ihre Freiheit. Die Osmanen hielten fest dagegen. Die „orientalische Frage“ war ein großes Thema.
Die maßgeblichen europäischen Großmächte dieser Zeit waren Großbritannien, Russland und Frankreich. Ihr Ziel war, dass die Konflikte in Griechenland ein Ende finden. Am 6. Juli 1827 einigten die Mächte sich darauf, einen Waffenstillstand zu verlangen und Griechen und Osmanen zu einem Frieden zu bringen.
Edward Codrington war der Oberbefehlshaber der britischen Marine im Mittelmeer. Er wurde damit beauftragt, den Waffenstillstand durchzusetzen. Zunächst begab er sich nach Nafplio, der ersten Hauptstadt des neuen Griechenland. Die griechische Regierung stimmte dem Waffenstillstand zu.
Die Lösung der griechischen Frage
Die europäischen Großmächte hatten freilich ihre eigenen Interessen. Russland wollte das Osmanische Reich schwächen, um selbst einen Zugang zum Mittelmeer zu erhalten. Großbritannien dagegen wollte die Integrität des Osmanischen Reichs bewahrt sehen. Dabei ging es nicht nur um Handelsinteressen, von denen beiden Seiten profitiert haben. Nur die Osmanen konnten den Anstieg der russischen Macht im Mittelmeer verhindern.
Zwischen Russland und Großbritannien entstand eine Art Wettlauf. Wer von beiden könnte mehr Druck auf die Osmanen ausüben, um zu einer Lösung zu kommen, welche die Griechen zufriedenstellte?
Russland und Britannien wurden sich schließlich einig. Am 4. April 1826 unterzeichneten sie das Petersburger Protokoll, das erstmals die politische Existenz der Griechen anerkannte. Das Londoner Protokoll vom 6. Juli 1827 enthielt inhaltlich kaum etwas neues. Nur war jetzt mit Frankreich eine weitere europäische Großmacht mit dabei. Es ging auch um einen Waffenstillstand zwischen Griechen und Osmanen.
Die drei Mächte behielten sich vor, den im Vertrag vorgesehenen Waffenstillstand durchzusetzen, falls Griechen und/oder Osmanen sich daran nicht hielten. Und genau das taten sie bei Navarino. Denn die griechische Revolution drohte zu scheitern, der gerade erst entstandene griechische Staat drohte unterzugehen.
Ägypter und Türken unterliegen vor Navarino
Damals gehörte Ägypten zum osmanischen Reich, Kämpfer von dort waren in Griechenland auf Seiten der Osmanen aktiv.

(Kopie des Gemäldes von Louis Ambroise Garneray)
Kommen wir zurück zum bereits erwähnten Codrington. Der hatte die Anweisung, auf die Anweisungen des britischen Botschafters zu achten. Zugleich musste er Nachschub für die osmanischen Streitkräfte unterbinden und dafür Sorge tragen, dass die Ausschreitungen gegen die griechische Bevölkerung endeten.
Codrington erhielt die Nachricht, dass eine Flotte aus Ägypten nach Griechenland unterwegs sei. Am 3. September erreichte er die Insel Hydra, wo er auf die Ägypter wartete. Sie waren nach Navarino gesegelt, wo sie sich mit einem türkischen Geschwader vereinigt hatten.
So kam es zu der Seeschlacht. Am 20. Oktober 1827 stehen sich auf dem Meer bei Navarino die Flotten gegenüber.
Auf der einen Seite treten Großbritannien, Frankreich und Russland mit 27 Schiffen an, die über 1324 Kanonen verfügen. Auf der anderen Seite steht die türkisch-ägyptische Flotte mit 8 Schiffen, die 2240 Kanonen aufbieten können. Ohne selbst ein einziges Schiff zu verlieren, fügten Großbritannien, Frankreich und Russland der türkisch-ägyptischen Flotte eine fatale Niederlage zu. 50 Schiffe gab es am Abend nach der Schlacht nicht mehr.
Der griechische Freiheitskampf fand damit ein für die Griechen glückliches Ende. Die Osmanen stellten ihre Bemühungen ein, weiter über Griechenland zu herrschen.
Navarino rettete und beendete also die griechische Revolution.
