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Ukrainische Drohnen haben griechische Tanker angegriffen

Gestern hat die Griechenland Zeitung darüber berichtet, dass ukrainische Drohnen im Schwarzen Meer drei griechische Tanker angegriffen haben. Den Sachverhalt habe ich mir näher angesehen

Warum hat die Ukraine griechische Tanker angegriffen?

Der Vorfall hat sich am 13. Januar 2026 ereignet. Passiert ist das ganze in einem Industriehafen nahe dem Örtchen Yuzhnaya Ozereevka.

Yuzhnaya Ozereevka
Yuzhnaya Ozereevka

Die Griechenland-Zeitung bezieht sich auf eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. Drei Schiffe sollen vom Angriff betroffen sein: Die Delta Harmony, die Delta Supreme und die Mathilda. Die Drohnen haben die Schiffe nach der Meldung nur leicht beschädigt. Sie sind weiterhin seetüchtig. Menschen sind durch den Angriff nicht verletzt worden. Die Griechenland Zeitung schreibt, dass die Tanker nicht in den Transport von russischem Erdgas involviert waren.

Die Delta Harmony und die Delta Supreme sind Schiffe der griechischen Reederei Delta Tankers. Die Rederei hat ihren Sitz in Paleo Faliro, einer Gemeinde im Regionalbezirk Athen-Süd. Die Mathilda gehört der Reederei Thenamaris. Die sitzt in Vouliagmeni, einem Küstenort im Großraum Athen südlich von Glyfada.

Angegriffen haben ukrainische Drohnen. Es besteht also ein Zusammenhang mit dem aktuellen Kriegsgeschehen in der Ukraine.

Hier endet eine Öl-Pipeline aus Kasachstan

Wie kann es sein, dass griechische Tanker in das Visier der Ukraine geraten? In Yuzhnaya Ozereevka gibt es ein Terminal des Caspian Pipeline Consortiums. Dort wird in Kasachstan gefördertes Erdöl auf Tanker verladen und exportiert. Die Schiffe sollten nach einer Meldung der Agentur Bloomberg Ölfässer laden.

Der ukrainische Angriff galt nicht den griechischen Schiffen. Das eigentliche Ziel war die Infrastruktur Russlands, zu der dieser Hafen nun einmal gehört.

Die Ukraine beschießt Schiffe mit einer Verbindung zu Russland. Solche Angriffe haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Dabei verfolgt die Ukraine das Ziel, die Erdölexporte Russlands zu stören. Dadurch sollen die Einnahmen verringert werden, aus denen Russland den gegen die Ukraine geführten Krieg finanziert.

Für Reedereien ist es hochgradig lukrativ, Erdöl aus russischem Staatsgebiet zu exportieren. Da es sich nicht um russisches, sondern um kasachisches Öl gehandelt hat, könnte der Transport auch von den internationalen Sanktionen gegen Russland nicht betroffen gewesen sein. Der Angriff dokumentiert aber, dass der Aufenthalt in russischen Schwarzmeer-Häfen gefährlich ist.

Ein Erfolg der Ukraine

Die Ukraine hat einen Effekt erzielt, den sie wohl als Erfolg verbuchen darf. Die Versicherungskosten für Schiffe, die in einem russischen Terminal im Schwarzen Meer liegen, steigen drastisch. Ende letzten Jahres lagen die noch zwischen 0,6 und 0,8 Prozent des Schiffswerts. Nunmehr kostet die Versicherung bis zu 5 Prozent.

Für die Reedereien wird sich deshalb die Frage stellen, ob sich die russische Schwarzmeerküste noch lohnt. Man muss allerdings sehen, dass die höheren Versicherungskosten eventuell über die Frachtkosten wieder eingenommen werden können. Ich persönlich vermute, dass – nicht nur griechische – Frachtschiffe deshalb in der Region weiterhin fahren werden.

In der Ukraine tobt ein Krieg. Dass ukrainische Soldaten Anfang 2025 antike griechische Keramiken bei Schanzarbeiten an der Front gefunden haben, war eine schöne Episode. Dass die Ukraine jetzt griechische Tanker angegriffen hat, wirft ein Licht auf die furchtbaren Seiten dieses Krieges.

Wirklich ein Erfolg für die Ukraine?

Ich möchte zum Abschluss noch auf einen Punkt eingehen: Ist dieser Angriff wirklich ein Erfolg für die Ukraine?

Russland ist ja nicht der einzige Anrainer-Staat am Schwarzen Meer, der auf Tanker und andere Frachtschiffe angewiesen ist. Die Ukraine ist es ebenfalls. Und dass die Versicherungen für diese Schiffe teurer werden, ist ja nicht nur bei Ziel Russland der Fall. Auch für jede Fracht von und in die Ukraine steigen die Kosten.

Das einzige, was an dieser Entwicklung etwas ändern kann, ist Frieden. Ich hoffe, dass er kommt.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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