Auf einem Dolch jagen Katzen Wasservögel zwischen Papyrusblüten
Im Archäologischen Nationalmuseum ist ein Dolch zu sehen, auf dem Katzen zwischen Papyrusblüten Jagd auf Wasservögel machen. Im Rahmen des heurigen Jahresthemas geht es um besondere Artefakte in Museen. Für mich gehört dieser Dolch dazu.
Was machen Wasservögel und Katzen auf einem Dolch?
Den Dolch habe ich am Anfang des Rundgangs gesehen, im Bereich mit prähistorischen Altertümern. Dort gibt es viele Funde aus dem bronzezeitlichen Mykene.

Nicht wenige dieser Funde hat seinerzeit Heinrich Schliemann gemacht. Heute sind sie im Raum 4 des Museums zu sehen. Die Inventarnummer im Archäologischen Nationalmuseum ist 765.
Die Klinge dieses Dolchs besteht aus Bronze. Sie ist reich mit Einlegearbeiten aus Gold und Silber verziert. Die Verzierungen sind mit einer Technik namens Niello ausgeführt, was auf die hohe Kunstfertigkeit der mykenischen Metallhandwerker hinweist.
Gefertigt wurde der Dolch im 16. oder 15. vorchristlichen Jahrhundert. Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Luxusobjekten aus dieser Zeit, in denen von der Natur inspirierte Motive zu sehen sind. Mich erinnert das an Wandmalereien aus dieser Zeit, die man auf Santorin oder Kreta gefunden hat. Das ist ein Indiz für den kulturellen Austausch zwischen diesen Räumen.
Das Schild zu diesem Objekt beschreibt es als Bronzedolch mit eingelegten Verzierungen. Auf der Klinge sei eine nilotische Landschaft mit Katzen dargestellt, die Wasservögel zwischen Papyrusblüten zeigen.
Nicht nur die Papyrusblüten sind ein Hinweis auf Ägypten. Niello war auch ägyptischen Schmieden bekannt. Sowohl Motive auf der Klinge als auch die handwerkliche Technik sind ein Indiz für den kulturellen Austausch mit Ägypten.
Die Vorderseite
Auf der gesamten Breite der Klinge sehen wir stilisierte Papyrusblüten. Rechts neben der großen Blüte am linken Rand sehen wir eine große Katze, die sich in einer dynamischen Bewegung befindet. Möglicherweise sehen wir einen Löwen. Mich erinnert das ein wenig an den Löwendolch.

Die Katze wird von einer großen Vogelgestalt begleitet, deren Flügel und Körper durch Gold- und Silbereinlagen hervorgehoben sind. Möglicherweise handelt es sich um eine symbolische Darstellung des Kampfes zwischen Raubtier und Beute. Vielleicht sollen aber auch nur Kraft und Dynamik zu sehen sein.
Rechts neben der Katze sind weitere Vögel zu sehen, die in verschiedenen Flugpositionen dargestellt sind. Das zeigt nicht nur die gute Beobachtungsgabe des Künstlers, die ich aus der sehr realistischen Darstellung der Tiere ableite. Das Motiv ist auch ein Hinweis darauf, dass die Natur in der mykenischen Vorstellungswelt eine große Bedeutung gehabt haben muss.
Unterhalb der zentralen Szene schwimmen Fische und andere Wassertiere. Das deutet auf einen Lebensraum an einem Fluss oder See hin. Der Bezug zu Ägypten legt den Nil nahe, was auch im Begleittext des Museums zum Ausdruck kommt. Das ist aber meiner Meinung nach nur Spekulation.
Die Rückseite
Die andere Seite ist Dank Spiegeln auch gut zu sehen. Links sehen wir einen Löwen, daneben Vögel und Blüten.

Dass es sich um Papyrus handelt, kann ich nicht mit 100%iger Sicherheit sagen. Die Pflanzen sind stilisiert dargestellt. Aber mit ihren langen Stängeln und typischen Spitzen sehen sie so aus.
Besuche das Archäologische Nationalmuseum
Die Adresse des Museums in Athen ist 28is Oktovriou 44. Die nächstgelegene Metro-Station ist am Omonia-Platz. Direkt vor dem Museum befindet sich die Bushaltestelle Polytechneio. Der Eintritt kostet 20 Euro, bestimmte Personen erhalten eine Ermäßigung.
Derzeit laufen umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten. Deswegen soll es in näherer Zukunft auch vorübergehend für Besucher geschlossen werden. Bitte informiere Dich vor einem Besuch auf der Homepage des Museums, ob es geöffnet ist.
