Geschichte

Ambrakia

Ambrakia (Ἀμβρακία;) ist eine antike Stadt in Epirus. Heute liegt hier Arta. Ihre Geschichte ist im Archäologischen Museum Arta dokumentiert.

Eine Polis mit spannender Geschichte

Korinth gründete am Platz des heutigen Arta um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. eine Kolonie. Diese hieß Ambrakia. Der Name leitet sich vom Kastell Ambrakos ab, das in der Lagune liegt. Dieses Kastell ist heute als Fidokastro bekannt.

Die gepflasterte Hauptstraße von Ambrakia
Die gepflasterte Hauptstraße (Foto: Kostas Nikolaou)

Die Neugründung war mit Sparta verbündet. Die Polis nahm an den Perserkriegen und später am Peloponnesischen Krieg teil. Athen hat Ambrakia 426 v.Chr. besiegt.

Später war die Stadt Mitglied des Korinthischen Bundes. Zur Zeit von Philipp II. war Ambrakia mit Athen verbündet. Demosthenes erreichte zunächst, das die Stadt von den Makedonen zunächst nicht besetzt wurde. Das war jedoch nicht von Dauer. Später eroberten die Makedonier die Stadt und stationierten hier eine Garnison.

Nach dem Tod Philipps und der Thronbesteigung Alexanders versuchten die Ambraken, sich von der makedonischen Herrschaft zu lösen. Das währte jedoch nicht lang.

Das antike Theater
Das antike Theater (Foto: Kostas Nikolaou)

Der Makedonenkönig Pyrrhos I. richtete hier die Hauptstadt seines Reichs ein. Er und baute einen prächtigen Königspalast. Die Stadt erlebte eine Blütezeit, aus der heutzutage immer wieder Ruinen gefunden werden.

Die Römer belagerten die Stadt im Jahr 189 v.Chr. und nahmen sie kampflos ein. Im Jahr 146 v.Chr. wurde sie nach der endgültigen Unterwerfung Griechenlands dann Teil des Römischen Reichs.

Als Kaiser Augustus im Jahr 31 v.Chr. die Stadt Nikopolis gründete, musste Ambrakia zahlreiche Einwohner dorthin abgeben. Dadurch setzte ein Verfall der Stadt ein. Sie hielt sich noch bis ins 2. nachchristliche Jahrhundert, wurde dann aber aufgegeben.

Der Mythos um einen Hirten und drei Götter

Wie so viele griechische Städte gibt es auch zu Ambrakia eine mythische Sage. Die dreht sich um einen Streit zwischen Göttern. Die Stadt gab es schon. Und Apollon, Artemis und Herakles stritten sich um deren Besitz beziehungsweise darum, welcher Gott für diese Stadt zuständig sein sollte.

Also wandten sie Götter sich an den Hirten Kragaleos. Der sollte den Streit entscheiden. Kragaleos entschied sich für Herakles. Während Artemis das Urteil hinnahm, wurde Apollon sehr wütend. Er verwandelte den Kragaleos in einen Felsen.

Reste des Apollon-Tempels von Ambrakia
Reste des Apollon-Tempels von Ambrakia (Foto: Kostas Nikolaou)

Ob dieser Geschichte ein historischer Kern zugrunde liegt, kann heute niemand mehr sagen. Aber im antiken Griechenland waren solche Mythen und die Lebenswirklichkeit der Menschen eng miteinander verwoben.

Möglicherweise ist das der Grund, aus dem die Menschen in Ambrakia dem Apollon einen Tempel geweiht haben. Man kann nie wissen, ob man ihn braucht. Und das Schicksal des armen Hirten wollten die Einwohner der Stadt sicherlich nicht teilen.

Solche Mythen dienten damals nicht als historische Berichte. Sie erklärten Landschaften, Ortsnamen oder besondere Naturerscheinungen und verliehen ihnen eine religiöse Bedeutung.

Die Verbindung von Korinth und Ambrakia

Übrigens haben neue Untersuchungen eine genetische Verbindung von Menschen aus Korinth und Ambrakia nachweisen können. Darüber berichtet CNN Greece am 19. Februar.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass die stärksten genetischen Verbindungen zum antiken Korinth genau in der Gründungszeit der Kolonie zu finden sind. Das ist die Periode, in der die Zuwanderung aus der Metropole eine entscheidende Rolle spielte.

Die Untersuchung jüngerer Befunde zeigte, dass dieser direkte genetische Einfluss aus Korinth allmählich schwand. Aber in den Genen blieb Korinth bis in die hellenistische Zeit erkennbar.

Arta und Ambrakia

Das heutige Arta hat Ambrakia nicht vergessen. Auch wenn es keine historische Kontinuität beider Städte gibt, sind sich die heutigen Einwohner von Arta der Bedeutung der Vorgängerin sehr bewusst.

Arta: antike Stadtmauer und Uhrturm
Arta: antike Stadtmauer und Uhrturm (Foto: Kostas Nikolaou)

Es ist nicht zuletzt das Archäologische Museum von Arta, das das Erbe der antiken Polis für die Zukunft bewahrt. Ich habe die Absicht, im nächsten Jahr einzelne Aspekte der Geschichte von Ambrakia näher im Hellas Blog vorzustellen.

Gerade das macht Ambrakia so außergewöhnlich: Anders als in Olympia oder Delphi liegen die antiken Überreste nicht auf einem abgegrenzten Ausgrabungsgelände, sondern unter einer bis heute lebendigen Stadt.

Ambrakia im Hellas Blog

Ich finde, dass dies eine Stadt mit einer sehr interessanten Geschichte ist. Aus ihr kann man viel über griechisches Selbstverständnis, antike Zusammenhänge und das Wirken Roms in Griechenland lernen. Deshalb schreibe ich ab und an über diese antike Stadt.

Meine Beiträge Im Hellas Blog zu Ambrakia kennzeichne ich mit dem entsprechenden Tag. Klicke auf den Link, um Dir alle Beiträge anzeigen zu lassen.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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