Reisetipps und Tourismus

Die Kapelle Agios Nikolaos bei Potami

Oberhalb des Strandes von Potami steht eine wunderschöne Kapelle, die Agios Nikolaos geweiht ist. Bist Du auf der Insel, lohnt sich ein Besuch.

Agios Nikolaos thront über dem Potami Beach

Potami liegt im Nordwesten der Insel Samos, direkt am Meer. Es handelt sich um eine sehr kleine Siedlung. Ganzjährig leben hier 12 Menschen. Im Sommer kommen viele Touristen hierher. Dann ist hier mehr los. Die Hauptattraktion für die Touristen ist der schöne Strand.

Potami Beach mit Blick auf Agios Nikolaos
Potami Beach mit Blick auf Agios Nikolaos (Foto: Birgit Bauer)

Der Strand liegt in einer kleinen Bucht, die von Abhängen umsäumt ist. Oberhalb des östlichen Endes des Strandes steht die Kapelle Agios Nikolaos Potami (Ιερό Παρεκκλήσιο Αγίου Νικολάου).

Die Kapelle über dem Strand

Agios Nikolaos ist eine der bekanntesten und fotogensten Kapellen auf Samos. Der Grund dafür ist nicht nur die schöne Lage über dem Meer, sondern auch ihre wunderschöne moderne Architektur.

Kapelle Agios Nikolaos bei Potami
Kapelle Agios Nikolaos bei Potami
(Foto: Birgit Bauer)

An der Architektur merkt man sofort, dass diese Kapelle noch nicht sehr alt ist. Und das führt mich zu einem anderen Punkt, den ich viel interessanter finde als ihre Architektur. Denn sie hat eine bemerkenswerte Geschichte, die uns in das Karlovasi der 1960er Jahre bringt.

In dieser Zeit wirkte dort der Pfarrer Giannis Chrysoulis (griechisch: Ιωάννης Χρυσούλης). Die Seefahrt spielte damals eine noch größere Rolle. Agios Nikolaos ist auch der Schutzpatron der Seefahrer. Und Pfarrer Chrysoulis hatte den Wunsch, im Hafen eine diesem Heiligen geweihte Kapelle zu errichten. Das wäre ein heiliger Ort, um für die Rückkehr der Seeleute in ihre Heimat beten zu können.

Pfarrer Chrysoulis muss ein sehr entschlossener Geistlicher gewesen sein. Er überzeugte den Hafengouverneur Manolis Sgourakis sowie den jungen Architekten Giorgos Korfiatis, sich dem Projekt anzuschließen. Schließlich gewann er auch die örtliche Bevölkerung für sein Anliegen.

Die Gemeinde musste das Bauvorhaben selbst finanzieren. Doch die finanziellen Verhältnisse waren eher bescheiden.

Giannis Chrysoulis hatte sein Ziel vor Augen. Er wusste auch, wie er es erreichen konnte. Er gewann nicht nur die Zustimmung zum Bau einer neuen Kapelle. Viele Gemeindemitglieder haben für ihre Errichtung gespendet.

Mit dem Bau konnte im Herbst 1969 begonnen werden. Am 30. Mai 1970 ist die Kapelle fertiggestellt und eingeweiht worden.

Bei ihrer Errichtung spielte freiwillige Arbeit eine große Rolle. Wer handwerklich etwas beisteuern konnte, hat mit angepackt. Nur so ist es gelungen, bei Potami die neue Kapelle Agios Nikolaos zu errichten.

Dem Bau merkt man an, dass er sich zwar der traditionellen byzantinischen Formsprache bediente. Aber das Design erfolgt auch modernen Konzepten. Das Gebäude ist schlicht und elegant. Die blaue Kuppel ist etwas vom Rand des Gebäudes abgesetzt, was für das Auge sehr interessant ist.

Diese Kapelle sieht so aus, wie ich sie mir auf einer Postkarte vorstellen würde. Sie ist einfach wunderschön.

Kein Platz im Hafen

Die ursprüngliche Idee war, die neue Kapelle im Hafen von Karlovasi zu errichten. Ein Bauplatz war schnell gefunden. Jetzt tauchte aber ein Hindernis auf, mit dem man erstmal nicht gerechnet hatte: Das Militär.

Der Generalstab der griechischen Marine legte fest, dass im Umkreis von 300 m um den Leuchtturm nichts gebaut werden durfte. Also musste ein neuer Standort gefunden werden.

In dieser Zeit ist die Straße zwischen Karlovasi und Potami gebaut worden. Und so ist man dann schnell auf den heutigen Standort gekommen.

Manolis Sgourakis führte persönlich die Bauaufsicht. Als die Kapelle am 30. Mai 1970 eingeweiht wurde, übergab er sie gerne an Pfarrer Giannis Chrysoulis.

Architekt und Hafengouverneur

Ich möchte noch etwas zum Architekten und zum Hafengouverneur sagen. Ohne die beiden wäre aus dem Projekt nichts geworden.

Giorgos Korfiatis (der zweite Vorname ist Iraklis, griechisch: Γεώργιος-Ηρακλής Κορφιάτης) gehörte zur ersten Nachkriegsgeneration, welche die Deutsche Schule in Athen besuchte. Das war von 1955 bis 1961.

Von 1962 bis 1967 studierte er an der Technischen Universität Athen Architektur. Anschließend leistete er bis 1969 seinen Wehrdienst ab. Er diente im Pionierkorps und ging im Rang eines Leutnants ab.

Seine erste berufliche Station war auf der Insel Samos. Hier kam er in Kontakt mit Pfarrer Chrysoulis, der ihn für den Bau der Kapelle als Architekten gewinnen konnte. Korfiatis war von dem Projekt begeistert. Er sah es als gutes Zeichen, dass das erste Bauwerk seiner Laufbahn das Haus eines Heiligen sein sollte. 

Manolis Sgourakis war in den 1960er Jahren Hafengouverneur in Karlovasi. Er hatte den Einfluss und die Kontakte, um so einen Bau zu ermöglichen. Die Kapelle war auch ihm eine Herzensangelegenheit. Deshalb hat er mitgemacht.

Sehenswürdigkeit und Fotospot

Allen, die hier mitgemacht haben, hat Samos etwas zu verdanken: eine echte Sehenswürdigkeit.

Man sagt, dass die Kapelle Agios Nikolaos einer der schönsten Fotospots auf Samos ist. Ich finde, da ist was dran. Sowohl ihr elegantes und zugleich klassisches Design passt wunderbar auf Bilder. Und Fotos durch die Rundbögen des Baus haben auch eine tolle Tiefenwirkung.

tolles Fotomotiv: Blick durch die Rundbögen
tolles Fotomotiv: Blick durch die Rundbögen (Foto: Birgit Bauer)

Wenn Du auf Samos bist, dann komm unbedingt mal hier vorbei. Du kannst mit jeder mittelmäßigen Kamera Bilder machen, welche Dir eine ewige Urlaubserinnerung bleiben werden.

Übrigens sollen die Sonnenuntergänge hier wunderschön sein. Leider habe ich sie selbst von dieser Stelle aus noch nicht gesehen.

Der Gedenktag

Agios Nikolaos ist der Schutzheilige der Seefahrer und des Meeres, und auch in der Kapelle bei Potami wird er traditionell am 6. Dezember geehrt. Solltest Du an diesem Gedenktag in der Nähe sein, schau vorbei. Die Gläubigen sind offen für neugierige Reisende, die sich ehrlich und mit dem gebotenen Respekt für die Kapelle interessieren.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Strand und Kapelle sind hier nicht die einzigen Sehenswürdigkeiten.

Am Ortsrand von Potami gibt einen Wasserfall mit einem kleinen See. Hier ist es recht schön. Und in der heißen Jahreszeit ist das Gewässer auch sehr beliebt, um sich mit einem Bad etwas abzukühlen.

Etwas östlich ist die Höhlenkirche des Heiligen Anton (Σπηλαιοεκκλησία Αγίου Αντωνίου) zu finden. Wenn Du hierher möchtest, verlasse Dich bitte nicht auf Google Maps. Frage vor Ort nach dem Weg. Bist Du in Karlovasi, geht von der kleinen Platia in Paleo Karlovasi der Wanderweg 4 los. Dort ist der Weg nach Agios Antonios ausgeschildert und gut zu finden. Auf jeden Fall brauchst Du festes Schuhwerk für den Weg.

In der Nähe liegt auch ein altes Kastell der Genueser, das Kastraki Panagia Potamiou (Καστράκι Παναγίας Ποταμιού). In der Nähe der Kapelle Agios Nikolaos geht ein kleiner Weg landeinwärts. Du solltest ihn nur mit einem wirklich geländegängigen Fahrzeug befahren. Du kannst den Weg auch zu Fuß gehen. Die Burg stammt aus dem Mittelalter, hier gibt es auch die Ruinen einer Kirche aus dem 11. Jahrhundert.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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