Der Rundturm von Vathychori
Am Nordhang des Megalo Vathychori steht ein alter Rundturm. Der zählt zu den besterhaltenen Bauwerken aus der Antike. Und er ist ein schönes Ausflugsziel in Westattika.
Ein Turm aus der Antike
Früher dachte man, dass dieses Bauwerk aus dem Mittelalter stammt. Da mag es zwar noch in Funktion gewesen sein. Aber inzwischen wissen wir, dass er Rundturm von Vathychori in der Antike gebaut wurde.

Der Turm ist 12,5 m hoch. Sein Durchmesser beträgt 6,2 m. Die Wände sind gut erhalten. Am Turm gibt es ein Erklärschild, auf dem ich lese, dass die Wände in trapezförmiger, isodomischer Bauweise errichtet sind. Auf den ersten Blick sehen sie quaderförmig aus. Sie sind es aber nicht. Die Steine haben die Form eines Trapezes. Zwei Seiten verlaufen (leicht) schräg. Und isodomisch bedeutet, dass die Mauerschichten in waagerechten Lagen angeordnet sind. Die Fugen verlaufen horizontal, die Steine sind pro Lage ungefähr gleich hoch.
Diese Bautechnik wurde vor allem in der antiken Architektur verwendet. Sie hatte mehrere Funktionen. Einmal verzahnen die Steine sich gut, was zu einer guten Stabilität und Standfestigkeit des Mauerwerks führte. Dadurch wurden Mauern auch erdbebensicher. Dadurch sind die Mauersteine auch dicht gefügt. Witterung richtet keinen Schaden an, das Bauwerk hat eine lange Lebensdauer. Und schließlich wirkt die Mauer auch harmonisch und schön.
Ein Bauwerk zu militärischen Zwecken

Im südlichen Bereich befindet sich der Eingang zum Turm. Das Mauerwerk weist hier Einschnitte auf. Hier war eine Holzkonstruktion eingebaut, die vor allem eine stabile und sichere Tür ermöglichte.
Man darf nicht vergessen: Der Turm hatte eine militärische Funktion. Das bedeutete, dass durchaus auch für die Besatzung unangenehmer „Besuch“ kommen konnte. Dann musste der Turm sicher verschlossen werden können.
Im Innenraum des Turms sehen wir drei Reihen von Löchern. Darin waren Balken angebracht, auf denen die Böden für die einzelnen Stockwerke auflagen. Deshalb wissen wir, dass der Turm einst vier Stockwerke hatte.
Fenster gibt es nur oben. In den Stockwerken darunter ging das aus Sicherheitsgründen nicht.
Auf dem obersten Stockwerk lag vermutlich ein Satteldach auf. Dort konnte Regenwasser durch eine Rinne abfließen. An der Ostseite auf der Höhe des vierten Stockwerks sind noch Reste davon zu sehen.
Schießscharten im Gemäuer sind von innen aus gut zu sehen. Aus denen konnten Bogenschützen oder kleine Katapulte ihre Waffen abfeuern. Das dokumentiert die militärische Funktion des Turms. Er war wohl auch von einer Ringmauer umgeben. An der Südseite des Turms sieht man noch Reste davon.
Man geht davon aus, dass dieser Turm zur Bewachung des landwirtschaftlichen Anbaugebiets in der Gegend genutzt wurde. Zudem konnte so die Sicherheit Reisender von der Peloponnes nach Böotien gewährt werden. Nicht mit Athen verbündete Militäreinheiten mussten im 4. Jahrhundert vor Christus ebenfalls hier entlang ziehen.
Ein Turm von vielen
Wir wissen von mindestens sechs Türmen in der Gegend, der Rundturm ist einer davon. Sie kontrollierten die Straße kontrollierten, die durch die Vathychoria nach Böotien führte.
Etwa 500 m südöstlich des Rundturms steht ein weiterer Turm, der quadratisch ist. Mit einer Seitenlänge von 5,5 m und einer Höhe von 10 m ist auch der gut erhalten. Auch hier siehst Du noch Schießscharten, Fenster und einen Wasserspeier. Der Eingang befindet sich ebenfalls an der Südseite. Hier hat man nicht nur Reste einer Umfassungsmauer, sondern auch Spuren einer kleinen Siedlung gefunden.
An den Hängen und Gipfeln der Gegend findet man zahlreichen Spuren menschlicher Siedlungsaktivitäten. Das Gebiet war in klassischer und hellenistischer Zeit rau und schwer zugänglich, bot aber auch Chancen. Hier konnte man leben, ohne in die Konflikte um Athen einbezogen zu werden. Die Türme dokumentieren, dass die Menschen ihre Sicherheit zu bewachen vermochten.
So kommst Du zum Rundturm von Vathychori
Zum Rundturm führt eine Schotterpiste. Du fährst mit Deinem Fahrzeug zu diesem Punkt, lässt es dort stehen und läufst den Rest der Strecke zu Fuß.
Die solltest Du nur mit einem geländegängigen Fahrzeug befahren. Zwar ist die Strecke mit einem auf normale Straßen ausgelegten Kleinfahrzeug machbar.
Ein Zugang zur Schotterpiste geht von Veniza (Βενίζα) aus. Einen anderen kannst Du Dir von Loumpa (Λούμπα) aus suchen. Ich denke, die Strecke über Veniza wird einfacher zu finden sein. Schau Dir die Karte auf jeden Fall auf Google Maps an, ehe Du losfährst. Ist Dein Handyempfang unterwegs nicht sicher, nimm Dir am besten einen Ausdruck der Karte mit. Die Anreise zum Rundturm ist ein kleines Abenteuer. Aber es lohnt sich.
Drohnenvideo des Turms
Im YouTube Kanal von G. Traveller habe ich ein Drohnenvideo gefunden, das den Turm und seine Umgegend gut zeigt.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Anschauen. Hinweis: Das Video ist auf der Plattform YouTube gehostet.
Türme und der Hellas Blog
Ich finde, dass Türme sehr faszinierende Bauwerke sind. Deshalb schreibe ich über sie. Das sind die drei jüngsten Beiträge mit Bezug zu einem Turm.
Der Rundturm von Vathychori
Leuchttürme sind die hellen Wächter der Küste
Der Pharos von Alexandria – der erste Leuchtturm der Welt
Alle Beiträge Im Hellas Blog mit Bezug zu einem Turm kennzeichne ich mit dem entsprechenden Tag. Klicke auf den Link, um sie Dir anzeigen zu lassen.
