GeschichteGriechenland

Das Denkmal für Iro Konstantopoulou in Piräus

In Piräus steht auf dem Terpsitheas Platz ein Denkmal, welches die Widerständlerin Iro Konstantopoulou (Ηρώ Κωνσταντοπούλου) zeigt. Sie zahlte den höchsten Preis für ihren Widerstand gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg. Ihren heutigen Geburtstag nehme ich zum Anlass, sie den überwiegend deutschen Lesern des Blogs bekannt zu machen.

Hellas kompakt: Iro Konstantopoulou in Piräus

Auf dem Terpsitheas Platz in Piräus steht ein Denkmal für die 1944 hingerichtete Widerstandskämpferin Iro Konstantopoulou.

Die dynamische Statue auf dem Terpsitheas Platz

Ich war im November letzten Jahres dort. Ich sah auf dem Podest eine junge Frau, die dynamisch und stolz vorangeht.

Denkmal für Iro Konstantopoulou
Denkmal für Iro Konstantopoulou

Schnell sah ich das auf dem Sockel eingetragene Datum. Mir war damit klar, dass ihr Leben ein schlimmes Ende nahm.

Wer war Iro Konstantopoulou? Sie kam am 16. Juli 1927 in Athen zur Welt. Ihre Familie war sehr wohlhabend.

Als sie 13 war, kam der 2. Weltkrieg nach Griechenland. Iro schloss sich später der EPON an, der Vereinigten Panhellenischen Organisation der Jugendlichen (Ενιαία Πανελλαδική Οργάνωση Νέων) an. Das war die Jugendorganisation der EAM. EAM steht für Εθνικό Απελευθερωτικό Μέτωπο und bedeutet Nationale Befreiungsfront Griechenlands. Sie ist eine wichtige Widerstandsbewegung im 2. Weltkrieg.

Auch wenn sie noch zur Schule ging, blieb sie nach Einmarsch der Deutschen nicht untätig. Sie stahl Nachrichten vom Militär und beobachtete die Truppenbewegungen. Die gesammelten Informationen gab sie an den Widerstand weiter.

Dabei wurde sie gefasst und arretiert. Ihrem Vater gelang es, sie durch Bestechung freizubekommen.

Anfang des Jahres 1944 nahm sie an einem Anschlag auf einen Zug Teil, der mit Sprengstoff ausgeführt wurde. Das war keine Kleinigkeit. Die Besatzer schlugen hart zu. Sie verhafteten Beteiligte, die sie folterten und verhörten.

Am 31. Juli 1944 war es soweit. Iro war vormittags in der Schule, wo sie ihre Abiturprüfungen ablegte. Auf dem Weg zurück nach Hause haben die Häscher sie verhaftet.

Iro wurde gefoltert und verhört. Sie sprach mehrere Sprachen, unter anderem Deutsch. Es gibt Berichte, dass Iro ihre Peiniger in deren Muttersprache beschimpfte. Gebrochen hat man sie nicht.

Ihre nächste Leidensstation war das Konzentrationslager Chaidari. Dort blieb sie nicht lange.

Am 5. September 1944 brachten die Deutschen Iro und weitere 49 Gefangene zum Schießplatz in Kesariani. Dort wurden sie von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Iro Konstantopoulou bewahrte die ganze Zeit ihre Haltung. Eine Mitgefangene sagte zu ihr: Μπράβο, Ηρώ μου. Έτσι πεθαίνουν οι ΕλληνίδεςBravo, meine Iro. Das ist, wie Griechinnen sterben.

Man sagt, dass Iro von 17 Kugeln getroffen wurde. Eine für jedes Lebensjahr.

37 Tage später befreiten britische und griechische Truppen Athen. Der Spuk der Besatzung war beendet.

Die Inschrift am Denkmal

Ich möchte noch kurz auf die eingangs erwähnte Inschrift zu sprechen kommen.

Inschrift am Denkmal
Inschrift am Denkmal

Den griechischen Text lese ich wie folgt:

πεθαίνω τώρα που χαράζει
η λευτεριά, όμως κάνω χαλάλι
τα νιάτα μου για την Ελλάδα

ΗΡΩ Π. ΚΩΝΣΤΑΝΤΟΠΟΥΛΟΥ
ΕΤΩΝ 17
ΕΠΟΝΙΤΙΣΑ

ΕΚΤΕΛΕΣΤΗΚΕ ΑΠΟ ΤΟΥΣ ΓΕΡΜΑΝΟΥΣ
ΚΑΤΑΚΤΗΤΕΣ ΣΤΙΣ 5-9-1944 ΣΤΗΝ
ΚΑΙΣΑΡΙΑΝΗ

Die obere Inschrift möchte ich so übersetzen: „Ich sterbe jetzt, da die Freiheit anbricht, doch ich opfere bereitwillig meine Jugend für Griechenland.“

Darunter lesen wir ihren Namen, Iro P. Konstantopoulou. Das P. ist wahrscheinlich kein Mittelname, sondern um das Patronymikon, den Vornamen ihres Vaters. Leider habe ich den nicht herausgefunden.

Ihr Alter zum Todeszeitpunkt ist mit 17 angegeben. Und das in Großbuchstaben geschriebene Wort ΕΠΟΝΙΤΙΣΑ weist auf ihre Mitgliedschaft in der EPON hin.

Dann erklären die drei untersten Zeilen, was ihr widerfahren ist. Die möchte ich so übersetzen:

Sie wurde hingerichtet von den deutschen
Besatzern am 5. September 1944 in
Kesariani

Deutsche Touristen können das meist nicht lesen… fremde Schrift… fremde Sprache. Aber was mit Iro Konstantopoulou passiert ist, ist Teil auch unserer Geschichte.

17 Kugeln für einen Engel

Im Jahr 1981 hat man ihr Leben verfilmt. Der Titel des Films lautet 17 σφαίρες για έναν άγγελο, η αληθινή ιστορία της Ηρώς Κωνσταντοπούλου, was ich mit 17 Kugeln für einen Engel, die wahre Geschichte der Iro Konstantinopoulou übersetzen möchte.

Ich habe den Film zwar im Netz gefunden. Aber ich bin mir nicht sicher, ob seine Veröffentlichung dort legal war. Deshalb binde ich ihn hier nicht ein. Probleme wegen des Urheber- und Veröffentlichungsrechts möchte ich nicht bekommen.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner