Napoleon Bonaparte von Albert Stähli
Ende letzten Jahres ist eine von Albert Stähli verfasste Biographie von Napoleon Bonaparte erschienen. Sie ist sehr interessant zu lesen, und deshalb stelle ich sie heute im Blog vor.
Stähli über den Kaiser der Franzosen
Schon die Zeitgenossen hat Napoleon fasziniert. Und nach seinem (politischen) Ende gab seine Vita immer wieder reichlich Stoff für die literarische und auch die biografische Bearbeitung.

Albert Stähli hat ein Buch über Napoleon Bonaparte verfasst, das zugleich Biographie und Managementliteratur ist. Aber Stählis Blick geht weiter. Er stellt uns im Prolog Napoleon als den Macher Europas vor. Es lohnt sich, Stählis Blick auf den kleinen Korsen und großen Kriegsherrn zu folgen.
Im ersten Kapitel zeichnet der Autor die Entwicklung eines jungen Mannes vom korsischen Patrioten zum Anhänger der republikanischen Idee nach. In Kapitel 2 geht es dann um Napoleons Aufstieg in den Wirren der französischen Revolution. Seine militärische Karriere hatte Napoleon durchaus noch während der Monarchie begonnen. Am Tag des Sturms auf die Bastille tur er als Jungoffizier in Ajaccio auf Korsika Dienst.
Das soll sich später ändern. Am 10. August 1792 ist Napoleon Augenzeuge des Sturms auf die Tuilerien. Die Schweizer Garde wird von einem wütenden Mob hingemetzelt. Der König landet als Gefangener in der Bastille. Napoleon erschrickt über die Mordlust der Volksmassen. Er wird nie vergessen, wozu die Masse fähig sein kann.
Für ihn geht es weiter. Napoleon gelangt in höchste Ämter der französischen Republik. Der Kriegsheld schafft es schließlich, Kaiser der Franzosen zu werden. Damit hat er mit Karl dem Großen gleichgezogen. Nur übersehen die Zeitgenossen die dunklen Wolken, die sich am Horizont zusammenziehen.
Das vierte Kapitel ist mit „Der Erneuerer Europas“ überschrieben. Der Hinweis auf die Befreiungskriege zeigt aber die Richtung.
Seit 1803 bereitet Napoleon die Invasion Englands vor. Anfang 1805 schließen Großbritannien und Russland ein Bündnis, dem Österreich, Schweden und Neapel sich anschließen. Der ausbrechende dritte Koalitionskrieg vereitelt Napoleons Invasion. Napoleon behält auf dem Kontinent zunächst die Oberhand und gewinnt mit Bayern, Württemberg und Baden Verbündete.
Preußen hält sich aber zurück. Und auf See zeiht sich das Unheil zusammen. Die Schlacht von Trafalgar kostet Napoleon seine Flotte. Die Invasion ist nicht mehr möglich, aber auf dem Kontinent behält Napoleon die Oberhand.
Erfolge, ein Ende, die Rückkehr und das endgültige Ende Napoleons
Auf die Schlachten bei Ulm, Austerlitz oder Jena und Auerstedt geht Stähli ein und macht dem Leser deren strategischen Wert verständlich. Der Kaiser muss sich mit Aufständen und anderen Widerstandaktionen befassen. Napoleon greift schließlich Russland an, das sich an der Kontinentalsperre nicht mehr beteiligen will. Das Ergebnis ist bekannt: Ein Desaster, bereitet durch den russischen Winter. Schließlich kommt es bei Leipzig durch die Völkerschlacht noch schlimmer für ihn.
Im April 1815 ist es für Napoleon vorbei, er dankt ab und geht nach Elba ins Exil. Doch ein Napoleon gibt nicht auf. Er kehrt zurück und übernimmt in Frankreich wieder das Kommando. Der Erfolg währt nur bis zum Juni 1815. In Waterloo erleidet Napoleon seine endgültige Niederlage. Die Macht ist er los und wird ans Ende der Welt verbannt.
Wo eine Biographie enden könnte, kommt Albert Stähli mit seiner Sicht auf den großen Korsen. Er sieht ihn als Reformer und Stilikone einer Epoche. Napoleon hat Europa in die Moderne geführt. Das verdeutlicht Stähli an einigen Beispielen, so der Rolle der Wissenschaft. Und in Kapitel 6 zeigt er, was wir heute von Napoleon lernen können.
Napoleon in Griechenland
Seine Feldzüge haben den Kaiser der Franzosen nicht nach Griechenland geführt. Aber auf seiner Reise nach Ägypten übernachtete er auf Kreta. Napoleon sah sich auf einer Stufe mit Alexander dem Großen.
Das Geheimnis von Ierapetra: Übernachtete Napoleon Bonaparte auf Kreta?
Im Sommer 1798 begab Napoleon sich auf seinen Ägyptenfeldzug gegen die Mamelucken. Sein strategisches Ziel war es, den französischen Handel in der Region zu sichern. Gleichzeitig wollte er den Briten den Zugang nach Indien verwehren. Auf seiner Reise gen Osten soll der berühmte Feldherr der Legende nach einen geheimen Zwischenstopp im Süden Kretas eingelegt und inkognito eine Nacht in Ierapetra verbracht haben. Leider kommt diese Episode im Buch nicht vor. Ich möchte sie aber doch kurz erwähnen.
Die ahnungslose Gastfamilie ahnte nichts von der wahren Identität ihres Besuchers. Erst nach seiner Abreise entdeckten sie eine mysteriöse, handgeschriebene Notiz auf Französisch:
„Wenn Sie wissen wollen, wer Ihr Fremder war, dann wissen Sie, dass ich Napoleon Bonaparte bin.“
Ein lebendiger Mythos im Herzen der Altstadt
Auch wenn diese faszinierende Geschichte bis heute nicht abschließend historisch belegt ist, lebt der Mythos um Napoleons Haus in Ierapetra weiter. Der Name des französischen Kaisers prägt die lokale Kultur und begegnet Besuchern immer wieder auf den Schildern gemütlicher Tavernen und traditioneller Cafés.
Das besagte historische Gebäude wurde mittlerweile von der Gemeinde Ierapetra erworben und liebevoll erhalten. Es befindet sich im charmanten Altstadtviertel Kato Mera, nur einen kurzen Spaziergang vom malerischen Hafen entfernt. Es ist ein spannender Anlaufpunkt für geschichtsinteressierte Kreta-Urlauber.
Über Albert Stähli
1966 kam Albert Stähli zur Welt. Heute lebt er in der Schweiz nahe Zürich. Albert ist Experte auf dem Gebiet der modernen Management-Andragogik. Zu diesem Thema hat er mehrere Bücher und Schriften verfasst.
Er gründete und leitete er die Graduate School of Business Administration (GSBA) in Zürich und Horgen am Zürichsee.
Als passionierter Weltentdecker beschäftigt Albert Stähli sich seit vielen Jahren mit historischen Kulturen. Er interessiert sich ganz besonders für die Bildungskulturen in den untergegangenen Reichen. Von ihm stammen viele andere Bücher, die ebenfalls im Verlag der Frankfurter Allgemeinen erschienen sind. Im Hellas Blog habe ich schon seine Caesar Biographie vorgestellt. Geschichts-Fans finden auch weitere interessante Themen aus seiner Feder.
Die Napoleon Biographie von Albert Stähli kannst Du kaufen
Jede Buchhandlung und auch der Online-Handel bietet Napoleon Bonaparte an. Hat die Buchhandlung Deiner Wahl Napoleon nicht vorrätig, ist das kein Problem. Sie kann den Krimi problemlos bestellen. Beim Verlag kannst Du das Buch auch online kaufen.
Mit diesen Informationen bekommst Du die Biographie in jeder Buchhandlung:
- Titel: Napoleon Bonaparte
- Autor: Albert Stähli
- Hardcover:
- Preis: 22 Euro
- ISBN: 978-3962512163
- 176 Seiten
- Erscheinungsdatum: 4. November 2025
- Frankfurter Allgemeine Buch
Die Biographien von Albert Stähli verdichten die Geschichte eines Menschen ohne jede Langatmigkeit in gut zu lesende Literatur. Das ist ihm auch bei Napoleon gut gelungen.
Weshalb dieses Buch im Hellas Blog?
Napoleon hat keinen wirklichen Bezug zu Griechenland. Auf dem Weg nach Ägypten machte er auf Kreta Rast. Man könnte noch die Herrschaft Frankreichs über die Ionischen Inseln erwähnen, nachdem die Republik Venedig beendet wurde. Aber das war es auch schon.
Im März hatte ich die Napoleon-Biographie schon im History Blog vorgestellt, aber nur kurz. Heute schreibe ich etwas ausführlicher darüber. Und das hat einen Grund.
Napoleon mag mit seiner Hybris und seinen sehr ambitionierten Plänen gescheitert sein. Aber er hat eine Wirkung hinterlassen, die weit über Frankreich hinausging. Er zeigte, dass man der Idee der Freiheit auch mit militärischen Mitteln zur Durchsetzung verhelfen kann. Napoleon war einer der Funken, die es für den griechischen Freiheitskampf brauchte. Deshalb habe ich heute über ihn geschrieben.
