Inseln

Imia

Imia (Ίμια) sind zwei kleine, unbewohnte Inseln in der Ägäis. Sie gehören aus griechischer Sicht zum Dodekanes. Die Inseln haben auch einen türkischen Namen, der lautet Kardak. Andere Bezeichnungen sind Limnia (griechisch), İkizce (türkisch) sowie Heipethes (auf alten Karten).

Imia sind zwei Felsen im Meer

Imia ist recht einfach zu beschreiben. Es sind nur zwei größere Felsen mit etwas Pflanzenbewuchs drauf. Aber diese beiden Inseln sind auch ein Politikum zwischen Griechenland und der Türkei.

Imia liegt 4,5 km westlich von Kalymnos und 7 km östlich vom türkischen Festland.

Imia
Imia

Ob die Inseln zu Griechenland oder zur Türkei gehören, ist nicht abschließend geklärt. Beide Staaten reklamieren sie für sich. Die internationale Gemeinschaft hält sich raus.

1911/12 führten Italien und das Osmanische Reich einen Krieg miteinander. Das Osmanische Reich verlor ihn, Italien bekam den Dodekanes. Davon betroffen waren im Prinzip auch diese beiden Inseln. Nur hat sich wohl niemand ernstlich für sie interessiert. In den zwischen Italien und der Türkei geschlossenen Verträgen zur Regelung von Grenzstreitigkeiten sind sie nicht ausdrücklich genannt.

Zwischen Italien und der Türkei gab es immer wieder Konflikte, die aber nicht Imia betrafen. Beide Staaten schlossen 1932 eine Vereinbarung, um die Streitigkeiten zu bereinigen. Imia ist darin zwar nicht ausdrücklich genannt. Aber dazu gibt es eine Karte, die Imia auf italienischer Seite verzeichnet.

Der Dodekanes kam als Folge des 2. Weltkriegs dann zu Griechenland. Aus griechischer Sicht traf das auch für die beiden Inseln von Imia zu.

Die Inseln sind unbewohnt. Zwischen 1984 und 2004 kam ein Hirte regelmäßig von Kalymnos rüber auf die Insel. Andere „Siedlungsaktivitäten“ gab es nicht.

Der türkisch-griechische Konflikt um die beiden Inseln

Bis 1995 gab es zwischen der Türkei und Griechenland keine wirklichen Probleme wegen dieser beiden Felsen im Meer. Das änderte sich am 25. Dezember 1995. An diesem Tag lief das türkische Frachtschiff Figen Akat hier auf Grund. Es musste geborgen werden.

In die Nähe des türkischen Frachters begaben sich drei Schiffe der griechischen Marine. Ein Angehöriger der Marine ging an Bord der Figen Akat und wies den Kapitän an, die Bergung zu unterlassen. Am nächsten Tag setzte dann ein diplomatisches Hin und Her zwischen Athen und Ankara ein.

Die Figen Akat konnte schließlich geborgen werden. Ein Stahlseil verhedderte sich am Bug. Die Besatzung des havarierten Schiffs hatte die Nase voll. Mit einem Schweißbrenner wurde sie das Stahlseil los und verließ Griechenland. Aus eigener Kraft konnte das Schiff zurück in die Türkei gelangen.

Damit kehrte aber keine Ruhe ein. Am 28. Dezember beorderte die griechische Regierung Kampfschiffe nach Imia. Ein Team ging an Land.

Das wiederum war der Türkei nicht recht. Sie stellte der Regierung in Athen am 29. Dezember eine Verbalnote zu. Darin trug sie vor, die Inseln gehörten zur Türkei und seien Teil der Provinz Bodrum. Griechenland wies dies zurück.

Anfang 1996 spitzt sich die Lage zu

Am 19. Januar wurde in Athen der neue griechische Premier Konstantinos Simitis vereidigt. Ab dem nächsten Tag wurde Imia in den Medien diskutiert. Am 26. Januar begaben sich der Bürgermeister von Kalymnos und ein Priester dorthin und setzten die griechische Flagge. Einen Tag später flogen Journalisten der Hürriyet ein, entfernten die griechische und hissten die türkische Flagge. Am 28. Januar entfernte ein eigens dorthin beordertes Schiff der griechischen Marine die türkische Flagge und setzte wieder die Fahne Griechenlands. Marinetaucher bewachten sie.

Mittlerweile waren die Inseln zum Politikum auf höchster Ebene geworden. Auf der einen Seite agierte der griechische Premier Konstantinos Simitis, auf der anderen Seite die türkische Regierungschefin Tansu Çiller. Ciller forderte Verhandlungen über die Inseln, Simitis wies dieses Ansinnen von sich.

Inzwischen waren 15 griechische und 18 türkische Kriegsschiffe in der Region eingetroffen.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1996 führten türkische Spezialkommandos eine Operation auf Imia durch. Ein pikantes Detail: Die türkische Armee scheint dafür keine Mittel bewilligt zu haben. Inzwischen wurde bekannt, dass zwei türkische Offiziere den Treibstoff aus eigener Tasche bezahlt haben.

Bis dahin war alles noch ein Kräftemessen. Dann passierte etwas Schlimmes: Ein Hubschrauber der griechischen Marine stürzte ab. Drei Insassen starben.

Jetzt schalteten sich internationale Spitzenpolitiker an, allen voran der US-Präsident Bill Clinton. Im Ergebnis zogen die Kriegsschiffe beider Länder sich von Imia zurück. Der Gebietsstreit wurde nicht beigelegt. Jede Seite sah sich im Recht.

Der Konflikt ist nicht vorbei

In späteren Jahren flammte die Sache immer wieder mal auf. Zuletzt gab es im Januar und Februar 2018 zwei Zwischenfälle. Erst kollidierte ein Boot der türkischen Küstenwache und ein Kanonenboot der griechischen Marine. Und einen Monat später rammte ein Schiff der türkischen Küstenwache ein Patrouillenboot der griechischen Küstenwache.

Dass es seit dem zu keinen weiteren offenen Konflikten gekommen ist, hat meiner Meinung nach zwei Gründe. Einmal haben die politisch Verantwortlichen in Griechenland und der Türkei daran kein Interesse. Und zum anderen gibt es hier auch nichts, was für eines der Länder gegenüber dem anderen von Vorteil sein könnte. Imia liegt im Meer und sonst ist hier nichts los.

Die Sicht der Türkei auf die Inseln

Ich möchte kurz noch die Sicht der Türkei auf diese Inseln erwähnen. Vor dem Krieg zwischen Italien und dem Osmanischen Reich gehörten sie unzweifelhaft zum Osmanischen Reich, dessen Nachfolger die Türkei ist. Später sind die Inseln in völkerrechtlichen Verträgen nicht ausdrücklich erwähnt worden. Das ist ein Indiz dafür, dass diese Inseln immer noch türkisch sind. Laut einer Veröffentlichung des türkischen Außenministeriums ist die Türkei bereit, mit Griechenland zu verhandeln um die Zughörigkeit der Inseln ein für allemal zu klären.

Blogartikel mit Bezug auf den Dodekanes

Beiträge Im Hellas Blog mit Bezug auf eine Insel des Dodekanes kennzeichne ich mit dem entsprechenden Tag. Dies sind die drei jüngsten Beiträge mit Bezug auf den Dodekanes.

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Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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