Geschichte

Until the End – Bis zum Ende

Nachdem der 2. Weltkrieg nach Griechenland kam, erlebte Alexandros Alexandrakis etwas, das später zu seinem Bild mit dem englischen Titel until the end geführt hat.

Until the End zeigt den 2. Weltkrieg aus der Sicht einfacher Soldaten

Im griechischen Original heißt das Gemälde Μέχρις εσχάτων (Mechris eschaton), was ich auf Deutsch mit Bis zum Ende übersetzen möchte. Oder eben auf Englisch until the end.

Der Maler des Bildes ist Alexandros Alexandrakis. Er lebte von 1913 bis 1968. Er war selbst als Soldat für Griechenland an den Kämpfen beteiligt und hat alles gesehen, was der Krieg für die griechischen Kämpfer bereithielt.

Seine Erfahrungen im 2. Weltkrieg hat er künstlerisch verarbeitet. Until the end ist um 1951 entstanden. Es gilt als eines der eindringlichsten bildlichen Zeugnisses des griechischen Widerstands gegen die Angreifer.

Gemalt ist das Bild in Öl. Seine Farbpalette ist bewusst reduziert. Erdige Töne wie Braun, Grau, Schlammgrün und gedämpftes Blau dominieren. Die Farbwahl unterstreicht die Härte des Kriegs und die Trostlosigkeit der Situation. Der Pinselstrich ist dynamisch und rau. Das gibt der Szene eine spürbare Unruhe und Unmittelbarkeit.

Was wir auf dem Ölbild sehen

Das Bild zeigt dem Betrachter eine dramatische, hochemotionale Szene im Krieg. Auf einer kargen, felsigen Berglandschaft sehen wir drei Soldaten unter einen wolkenverhangenem, düsteren Himmel. Ihre Uniformen sind zerrissen, die Spuren des Kampfes sind nicht zu übersehen.

Auf dem Felsvorsprung harren sie in einer aussichtslosen, aber entschlossenen Verteidigungsposition aus. Ein Soldat lebt augenscheinlich nicht mehr. Die anderen beiden gleichen die damit verlorene Widerstandskraft durch ihre Anstrengungen aus.

Drei Soldaten symbolisieren den griechischen Kampf

Auf dem Bild sehen wir drei Soldaten. Gerne möchte ich darüber schreiben, was ich in ihnen sehe: Symbolfiguren für alle griechischen Kämpfer.

Alexandros Alexandrakis: until the end (μέχρις εσχάτων)
Alexandros Alexandrakis: until the end (μέχρις εσχάτων)

Vorne rechts kniet ein Soldat. Er ist erschöpft, blickt aber grimmig und (auf den Feind) fokussiert drein. Seine Hände umklammern einen massiven Felsbrocken. Offenbar will er ihn anheben, um ihn auf den herannahenden Feind zu schleudern. Ich sehe ihn symbolisch für alle griechischen Kämpfer, denen es an jeglicher Ausrüstung gefehlt hat, und die dennoch alles taten um Griechenland zu verteidigen.

Oben in der Mitte befindet sich ein weiterer Soldat. Er schaut hinter einer Felskuppe hervor. Eine Waffe hat er noch, es ist aber nur eine Handfeuerwaffe. Damit kommt man gegen einen herannahenden Feind nicht weit. Ihn stört das nicht. Vielmehr zielt er direkt nach vorne auf einen Gegner, der für den Betrachter unsichtbar ist. Dieser Soldat trägt einen Helm, der zumindest seinem Kopf Schutz gibt. Für mich symbolisiert er alle Kämpfer, die noch eine – wenn auch unzureichende – Ausrüstung hatten. Sie haben nicht aufgegeben. Sie haben gekämpft.

Links liegt der dritte Soldat. Wir sehen ihn leblos auf dem nackten Stein. Das Gesicht ist blass, der Kopf liegt leicht nach hinten geneigt. Neben ihn sehen wir ein Gewehr, das (von ihm) verlassen wirkt. Dieser Soldat symbolisiert alle Kämpfer, die führ die Freiheit Griechenlands ihr Leben lassen mussten.

Alle drei Kämpfer zeigen, dass man bis zum Ende an einer Sache festhalten und sie verteidigen kann, wenn die Lage es erfordert. Ihre Sache ist die Freiheit Griechenlands. Dafür nehmen sie alles in Kauf.

Der geschichtliche Hintergrund

Am 28. Oktober 1940 forderte Italien Griechenland zur Kapitulation auf. Die Antwort des griechischen Machthabers lässt sich im Wort Nein verdichten oder auf griechisch im Wort Ochi. Deshalb gilt der 28. Oktober als Ochi-Tag.

28. Oktober: Ochi-Tag
28. Oktober: Ochi-Tag

Italien griff an, und 1940/41 wurde der griechisch-italienische Krieg ausgetragen. Die Italiener griffen von Albanien her an, die Griechen wehrten sich. Und sie hatten Erfolg. Sie konnten die Angreifer bis über die albanische Grenze hinaus zurückwerfen. Diese Gegend nennt man Nord-Epirus, da sie früher einmal zur griechischen Region Epirus gehört hat. Die Soldaten mussten unter extremen Bedingungen in unwegsamen Gelände kämpfen.

Alexandros Alexandrakis war als Korporal der Artillerie an der albanischen Front selbst mit dabei. Seine Eindrücke hielt er in Skizzen und Zeichnungen direkt am Ort des Geschehens fest. Das bildete den Grundstock für seine spätere künstlerische Verarbeitung des Kriegsgeschehens.

Until the end ist kein heroisierendes Bild im klassischen Sinn. Alexandrakis zeigt, wie es war. Die Griechen haben einfach nicht aufgegeben, egal was für Opfer es ihnen abverlangt hat.

Mit diesem Bild hat er den einfachen griechischen Soldaten in den Bergen von Nordepirus ein Denkmal gesetzt, das mich persönlich sehr berührt.

Zu sehen im Kriegsmuseum in Athen

Du kannst das Bild im Kriegsmuseum Athen anschauen. Du kommst dort gut mit der Metro hin, die nächstgelegene Station ist Evangelismos. Über Öffnungszeiten und aktuelle Eintrittspreise kannst Du Dich auf seiner Website erkundigen: http://warmuseum.gr

Das heurige Jahresthema

Im Jahresthema 2026 geht es um besondere Artefakte in Museen. Dieses Bild gehört definitiv dazu.

Jahresthema des Hellas Blog
Jahresthema des Hellas Blog

Ich bin mir bewusst, dass die meisten Leser des Hellas Blog sich im schönen Monat August ein sonnigeres Thema gewünscht hätten. Auch bin ich mir bewusst, dass viele von Euch das furchtbar finden, was auf dem Bild zu sehen ist.

Und was soll ich sagen? Es ist furchtbar. Aber das, was wir hier sehen, gehört zu Griechenland. Jeder Grieche kann stolz auf die Leistung seiner Soldaten im 2. Weltkrieg sein. Jeder Grieche ist stolz.

Ich selbst gehöre dem Volk eines der Angreiferländer an. Für uns Deutsche ist der 2. Weltkrieg ein diffiziles Thema. Für mich habe ich die Entscheidung getroffen, es nicht zu umgehen. Deshalb gehört es auch in den Hellas Blog.

Und wer im schönen August lieber historische oder touristische Beiträge lesen möchte, der oder die wird an anderen Tagen im Hellas Blog fündig. Aber nicht heute.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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