Geschichte

Eine 3600 Jahre alte Toilette in Akrotiri

Die Ausgrabungen in Akrotiri auf Santorin haben gezeigt, dass die Menschen vor 3600 Jahren schon eine Toilette kannten. Wahrscheinlich funktioniere das Abwasser dort mindestens genauso gut wie heutzutage.

Eine Toilette in Akrotiri lehrt uns etwas über Hygiene in der Bronzezeit

Als Akrotiri bei der großen Eruption vor 3600 Jahren unterging, begrub der Auswurf des Vulkans auch eine Toilette.

Reste der Toilette im Westhaus
Reste der Toilette im Westhaus

Wir sehen sie im so genannten Westhouse, dort in Raum 4a im Obergeschoss. Hier gab es einen Sitzplatz neben einem Fenster. So war die Belüftung des Raums sichergestellt. Über eine eingebaute Röhre aus Ton war die Toilette mit dem Abwassernetz der bronzezeitlichen Stadt verbunden.

Das Erstaunliche: Vor 3600 Jahren gab es in den Siedlungen schon Abwassersysteme, die mehr als nur Regenwasser ableiten konnten. Diese Wassermanagementsysteme zeigen, wie innovativ die Menschen damals waren.

Ohne solche Entwässerungssysteme wäre ein Städtebau meiner Meinung nach kaum möglich gewesen. Denn Menschen, die auf engem Raum wie einer Stadt leben, haben nun einmal ihre natürlichen Bedürfnisse. Um denen nachzukommen, verlassen sie die Stadt nicht.

Ähnliches hat man auch auf Kreta gefunden, und zwar im Palast von Knossos.  Dort gibt es unterirdische Netze von Tonrohren, die einen Durchmesser von 20 cm bis 30 cm haben. Sie sind leicht geneigt verlegt, so dass ihr Zweck zur Ableitung von Wasser gut zu identifizieren war.

Die Städte der Bronzezeit verfügten über öffentliche und private Toiletten. In Akrotiri ist das gut zu sehen. Die Rohe konnten aus Stein oder Ton gefertigt sein, auch gab es Sammelsysteme für das Abwasser.

Im antiken Ägypten nutzte man offene Systeme, um Abwasser abführen zu können. Die Griechen der Bronzezeit bevorzugten geschlossene Systeme. Das verhinderte nicht nur die die Verdunstung. Auch Krankheitserreger konnten sich nicht ausbreiten.

Die Ausgrabungsstätte von Akrotiri

Zu Ende des 19. Jahrhunderts hat man bei Erdarbeiten auf Santorin Spuren der bronzezeitlichen Siedlung gefunden.

Systematische Ausgrabungen begannen 1967 unter der Anleitung von Spyridon Marinatos. Zu Tage kamen Ruinen, die faszinieren. Nicht ohne Grund spricht man gelegentlich vom Pompeji der Ägäis, auch wenn beide Fundstätten kaum miteinander zu vergleichen sind.

Die Archäologen fanden heraus, dass Akrotiri seit der späten Jungsteinzeit von Menschen besiedelt ist. Vulkanische Aktivitäten gab es immer wieder, die aber die Siedlungsaktivitäten nicht beendet haben. Dazu kam es erst durch die große Eruption.

War Akrotiri die einzige Siedlung des bronzezeitlichen Santorin oder dessen Hauptstadt? Beides ist wohl nicht der Fall. Aber eine andere, vergleichbar gut erhaltene Stadt aus der Bronzezeit hat man bislang nicht gefunden. Von dieser Stadt aus der Bronzezeit konnte bisher nur ein kleiner Teil ausgegraben werden. Künftige Generationen von Archäologen haben noch viel zu tun.

Funde aus Akrotiri könnt Ihr vor allem im Museum des Prähistorischen Thera sehen. Vor allem die Fresken faszinieren mich. Sie zeigen, wie das Leben damals auf Santorin gewesen ist. Bist Du in Athen, dann gehe in das Archäologische Nationalmuseum. Dort gibt es einen eigenen Saal nur mit Funden von Santorin.

Dein Besuch der Ausgrabungsstätte von Akrotiri

Etwa 700 m südlich der modernen Siedlung Akrotiri liegt die Ausgrabungsstätte der bronzezeitlichen Siedlung. Beachte die nachfolgenden Informationen für Deinen Besuch.

  • Öffnungszeiten:
    • Sommer (1. April bis 31. Oktober):
      • Montag und Mittwoch: 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr
      • Dienstag, Donnerstag bis Sonntag: 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr
    • Winter (1. November – 31. März):
      • Donnerstag bis Dienstag 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr
      • Mittwoch geschlossen
  • Eintritt:
    • Regulärer Preis: 20 Euro
    • Ermäßigter Eintritt: 10 Euro
    • Bestimmte Personengruppen haben freien Eintritt
    • Freier Eintritt für alle an bestimmten Tagen

Nach meiner Erfahrung ist es nicht erforderlich, dass Du vorab ein Ticket buchst. Ich habe bei meinen beiden letzten Besuchen (2022 und 2024) nur ein oder zwei Leute vor mir an der Kasse gehabt.

Mehr über die Archäologische Stätte von Akrotiri erfährst Du in den Informationen auf Hellenic Heritage zu Akrotiri. Hier findest Du auch aktuelle Hinweise zum Einlass und besonderen Aktionen.

Die Ausgrabungsstätte von Akrotiri im Hellas Blog

Zum ersten Mal war ich 1990 in Akrotiri. Bei späteren Besuchen war die Stätte wegen der Renovierung geschlossen, aber inzwischen konnte ich sie mehrfach besuchen. Dies sind die jüngsten Beiträge zu ihr.

Meine Beiträge Im Hellas Blog zur Ausgrabungsstätte von Akrotiri kennzeichne ich mit dem entsprechenden Tag. Klicke auf den Link, um Dir alle Beiträge anzeigen zu lassen.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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