Das Getty Museum in Los Angeles zeigt das Porträt der Isidora
Das Getty Museum in Los Angeles zeigt das Porträt einer Frau aus Ägypten, deren Name Isidora war. Über dieses besondere Stück berichtete vor Kurzem lifo.gr. Das Mumienportrait ist für ihre Beisetzung gefertigt worden. Was verrät es über diese Frau?
Das Porträt der Isidora im Getty Museum in Los Angeles
Mumienbilder aus der hellenistischen Zeit Ägyptens gibt es einige. In Deutschland kann man sie zum Beispiel im Liebieghaus Frankfurt oder der Antikensammlung Berlin sehen.

(Bildquelle: J. Paul Getty Museum)
Bei den meisten derartigen Bildern, die ich gesehen habe, war der Name der abgebildeten Person nicht bekannt. Das ist hier anders.
Der Name der Frau ist auf der rechten Schulter der Mumienbinden geschrieben worden. Sie heißt Isidora (ΙΣΙΔΟΡΑ).
Wo Isidora ursprünglich bestattet war, ist nicht bekannt.
Ich finde das Bild faszinierend. Auf mich wirkt es, als wenn mich Isidora direkt ansieht.
So ein Bild musste man sich erst einmal leisten können. Die Maltechnik nennt sich Enkaustik. Das Gold, das wir sehen, dürfte echt sein. Isidora dürfte einer Familie mit beträchtlichem Reichtum und hohem sozialen Status angehört haben. Zur Malechnik Enkaustik schreibe ich unten etwas.
Isidora trägt einen traditionell lavendelfarbenen Mantel. Schwarze Clavi (gewebte Streifen) mit vergoldetem Rand verlaufen vertikal vom Stofffeld auf das Leinen des Leichentuchs. So erweitern sie das Porträt über die Leinenbinden hinaus.
Isidoras Frisur
Isidora trägt eine zu ihrer Zeit populäre Damenfrisur. Die Haare sind eng geflochten und zu einem geflochtenen Knoten hoch gesteckt. Mit einer Haarnadel ist der Knoten am Kopf befestigt.
Auf ihrem Kopf trägt Isidora einen großen goldenen Kranz. In der Mitte sehen wir ein Element. Ob es einfach nur dekorativ sein soll oder möglicherweise eine religiöse Bedeutung hat, habe ich nicht herausfinden können.
Ihr Gesicht ist vom Haar regelrecht umrahmt. An den Seiten fallen ihr spiralförmige Strähnen vor die Ohren. Das passt zur Radiokarbondatierung. Diese Haarmode war im ersten nachchristlichen Jahrhundert sehr beliebt.
Der Schmuck
Mir fiel auch das wundervolle Geschmeide auf, mit dem Isidora geschmückt ist.
Die Ohrringe sind ein echter Hingucker. An einem goldenen Stab ist eine große Perle befestigt. Davon gehen nach unter vier goldene Stäbchen ab, an deren Enden wieder große Perlen sind.
Auch die drei Halsketten fallen auf. Sie sind vorne durch ein goldenes Element verbunden, das unten von einem edlen Stein abgeschlossen wird. Den sehen wir in einer Goldfassung, vielleicht handelt es sich um einen Amethyten.
Die Ketten sind sehr unterschiedlich. Die obere Kette könnte aus Smaragden, Perlen und Goldperlen bestehen.
Die mittlere Halskette besteht aus miteinander verbundenen Goldplättchen. Recht große Edelsteine – vielleicht Smaragde – sehen wir in der untersten Kette. Dazwischen sehen wir quadratische Goldelemente.
Einen solchen Schmuck konnten sich nur Familien der Oberschicht leisten. Das wäre heute vermutlich genauso. Denn der Schmuck hat nicht nur einen hohen Materialwert, da stecken auch viel Arbeit und Können drin.
Wann lebte Isidora?
Wir wissen auch, wann Isidora ungefähr bestattet wurde. Durch die Radiokarbonmethode konnte man eine Zeit zwischen 43 v. Chr. bis 122 n. Chr. ermitteln. Aber wann lebte sie?
Betrachtet man auch Frisur und Schmuck, spricht einiges dafür, dass Isidora im ersten Jahrhundert nach Christus gelebt hat.
Enkaustik
Die Technik, in der das Porträt gemalt wurde, heißt Enkaustik. Das ist die Kunst, eingebrannte Gemälde zu fertigen.
Das Wort leitet sich vom altgriechischen Wort énkaustikē (ἐγκαυστική) ab. Der Künstler trägt in heißem Wachs gebundene Farbpigmente auf den Maluntergrund auf. Ihre Blütezeit erlebte diese Technik in der griechisch-römischen Antike. Die allermeisten Werke sind aber im Laufe der Jahrtausende verloren gegangen.
Es gab eine „ökologische Nische“, in der sie überlebt haben: Das trockene Klima Ägyptens.
Im trockenen Klima von Ägypten haben einige Enkaustiken überlebt. Sie sind fantastisch und lassen ahnen, welche Kunstfertigkeit die Maler der Antike hatten.
