Geschichte

So verlief der Trojanische Krieg nach Homer

Der Trojanische Krieg ist uns vor allem aus der Ilias von Homer bekannt. Im letzten Jahr haben Forschungen neue Ergebnisse erbracht, die ihn mehr und mehr fassbar als ein tatsächlich stattgefundenes, historisches Ereignis machen. Er mag im 13. Jahrhundert vor Christus oder im 12. Jahrhundert vor Christus stattgefunden haben. Genau lässt er sich bisher nicht datieren.

So verlief der Trojanische Krieg nach Homer

In seiner Ilias beschreibt Homer den Trojanischen Krieg. Er dauerte insgesamt 10 Jahre. Die Ilias besteht aus 24 Gesängen, die teils auch als eigene Bücher bezeichnet werden.

Phase 1: Der Kriegsbeginn

Das Drama um Troja begann auf einer Hochzeit. Die Eheleute hießen Peleus und Thetis, und als Gast auf ihrem Fest waren auf diverse Gottheiten. Die Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene zofften sich und wollten von Zeus wissen, wer von ihnen die Schönste sei. Die schönste sollte einen goldenen Apfel bekommen. Und die Göttinnen baten Zeus um eine Entscheidung.

Zeus war nicht blöd, verzichtete auf eine Antwort und holte Hermes herbei. Der drückte sich ebenfalls vor einer Antwort und holte Paris herbei, einen Königssohn aus Troja. Dem machten die Göttinnen große Versprechen. Und Paris war so dumm, sich auf die Sache einzulassen.

Paris trifft sein Urteil
Paris trifft sein Urteil
(Bildquelle: Wikipedia)

Aphrodite hatte ihm versprochen, dass Paris die schönste Frau der Welt bekommen sollte. Also fiel Paris „unparteiische“ Wahl auf Aphrodite. Ihr gab er den goldenen Apfel, den alle drei Göttinnen für sich erhofft hatten.

Später traf Paris in Griechenland auf die schöne Helena. Er verliebte sich in sie, sah das Versprechen der Aphrodite als erfüllt an und nahm Helena mit nach Troja.

Blöderweise war Helena schon verheiratet. Ihr Mann war Menelaos, der Prinz von Mykene und späterem König von Sparta. Und Menelaos war sauer war sauer.

Menelaos hatte eine große Zahl von Verbündeten, die unter der Führung von Agamemnon mit einer gewaltigen Flotte gegen Troja zogen.

Warum war Agamemnon der Anführer? Bei Homer wird er als Anax (ἄναξ) bezeichnet. Das kennzeichnet ihn als Oberkönig und Heerführer. Damit war er vom Rang her derjenige, der die Truppen der Griechen anführen musste. Niemand stand über ihm, auch kein anderer der in der Ilias genannten Könige und Helden. Agamemnon führte die Griechen mit Stärke, aber nicht unbedingt mit Weitsicht. Das aber ist ein anderes Thema.

Die Griechen setzen sich fest

So kommt das griechische Heer also vor Troja an. Nach ihrer Ankunft errichteten die griechischen Kämpfer ein Lager. Damit war der Krieg vor den Mauern von Troja angekommen. Mit ersten Kämpfen versuchten die Griechen, die Stadtmauern zu durchbrechen.

Ach ja: Die Sympathie der olympischen Gottheiten war keineswegs einheitlich verteilt. Insbesondere Hera war sehr nachtragend. Dass Paris sich nicht für sie entschieden hatte

Phase 2: Die anfänglichen Kämpfe führen zu einer Pattsituation

Nachdem die griechischen Fürsten ihr Heer gesammelt haben, segeln sie nach Kleinasien. Ihr Ziel ist Troja, doch sie nehmen die Stadt nicht sofort ins Visier. Stattdessen landen sie an der Küste und beginnen, die umliegenden Städte zu erobern. Diese Angriffe dienen mehreren Zwecken. Die Griechen sichern sich Nahrung, Beute und Sklaven. Gleichzeitig schwächen sie das Machtgebiet Trojas, denn viele dieser Städte stehen in enger Verbindung zur trojanischen Königsfamilie oder sind Verbündete Trojas.

Das Lager der Griechen vor Troja
Das Lager der Griechen vor Troja
(Bild von KI erzeugt)

In der Ilias wird mehrfach darauf hingewiesen, dass Achilles und andere Helden schon viele Städte zerstört haben, bevor die eigentliche Handlung einsetzt. Achilles selbst rühmt sich, zwölf Städte vom Meer aus und elf zu Land erobert zu haben. Diese Feldzüge machen ihn berühmt und reich. Aus einer dieser Eroberungen stammt Briseis, die später zum Auslöser des großen Streits zwischen Achilles und Agamemnon wird. Das zeigt, wie eng diese frühe Kriegsphase mit den späteren Ereignissen verbunden ist.

Während dieser Zeit errichten die Griechen auch ihr festes Lager vor Troja. Sie ziehen es nicht direkt vor die Mauern, sondern in Küstennähe, wo ihre Schiffe liegen. Dieses Lager wird zu einer Art provisorischer Stadt. Dort wohnen die Krieger über Jahre hinweg, dort finden Versammlungen statt, Opfer für die Götter werden dargebracht, Streitigkeiten ausgetragen und Bündnisse geschlossen. Die Schiffe sind dabei von großer Bedeutung, denn sie sichern den Nachschub und sind zugleich der einzige Weg zurück in die Heimat.

Troja selbst bleibt in dieser Phase unangetastet. Die Stadt ist stark befestigt, und ihre Mauern gelten als nahezu uneinnehmbar. Statt eines direkten Angriffs setzen die Griechen auf Zermürbung. Indem sie die Umgebung kontrollieren, schneiden sie Troja von Ressourcen und Verbündeten ab. Der Krieg ist daher zunächst kein ständiger offener Kampf, sondern eine Mischung aus Raubzügen, Belagerung und Warten.

Diese Phase erklärt auch, warum der Krieg sich über fast zehn Jahre hinzieht. Es handelt sich nicht um eine durchgehende Schlacht, sondern um einen langwierigen Konflikt mit wechselnder Intensität. Für die Krieger bedeutet das ein Leben zwischen Kampf und Stillstand. Lange Zeit geschieht scheinbar wenig, doch im Hintergrund werden Machtverhältnisse verschoben und Spannungen aufgebaut.

Kämpfe vor Troja

In den ersten Jahren kam es zu Schlachten und Scharmützeln vor Troja. Den Griechen gelang es nicht, die Mauern zu durchbrechen. Den Trojanern gelang es nicht, die Griechen zu vertreiben.

Den Griechen gelang es zumindest, einige Städte in der Umgebung zu erobern. So konnten sie sich Ressourcen für die Belagerung sichern.

Auf beiden Seiten kämpften große Helden wie Hektor und und Achilleus. Faktisch saßen beide Seiten zum Ende dieser Phase in ihren Stellungen fest.

Die Mitte des Krieges war von einer Pattsituation geprägt. Beide Seiten erlitten schwere Verluste. Achilles zog sich zeitweise aus dem Kampf zurück, nachdem er sich mit Agamemnon zerstritten hatte. Diese Zeit war gekennzeichnet von Heldenkämpfen und persönlichen Konflikten.

Die Ilias schildert nicht die gesamte zehnjährige Belagerung. Aus ihr erfahren wir über einige Wochen im letzten Jahr des Krieges.  

Phase 3: Die Rückkehr des Achilles

Der Trojanische Krieg erreicht seinen dramatischen Höhepunkt mit der Rückkehr des Achilles in den Kampf. Bis zu diesem Moment hatte sich Achilles aus Zorn über Agamemnon vom Krieg ferngehalten. Diese Weigerung hatte schwere Folgen für die Griechen. Erst der Tod seines engsten Freundes Patroklos bringt die Wende. Patroklos war in der Rüstung des Achilles in den Kampf gezogen und von Hektor getötet worden. Als Achilles davon erfährt, endet sein Zorn gegen Agamemnon, und ein neuer, alles verzehrender Zorn entsteht: der Zorn auf Hektor und auf Troja.

Statue von Achilleus im Achilleion auf Korfu
Statue von Achilleus im Achilleion auf Korfu
(Foto: Wassos Andrikopulos)

Achilles kehrt nun offen und entschlossen ins Heer zurück. Seine Rückkehr ist nicht nur eine militärische, sondern auch eine innere Entscheidung. Er weiß, dass sein eigener Tod nun näher rückt. Die Göttin Thetis, seine Mutter, lässt ihm von Hephaistos eine neue Rüstung schmieden. Diese Szene zeigt Achilles als fast übermenschliche Gestalt. Besonders der Schild, auf dem das ganze menschliche Leben dargestellt ist, macht deutlich, dass Achilles nun für mehr kämpft als nur für persönlichen Ruhm.

Sobald Achilles wieder auf dem Schlachtfeld erscheint, verändert sich der Krieg sofort. Die Trojaner geraten in Panik. Achilles kämpft ohne Gnade. Die Ilias schildert diese Phase als eine Zeit extremer Gewalt. Achilles tötet zahlreiche Gegner und treibt die Trojaner bis vor die Mauern der Stadt zurück. Seine Wut kennt keine Grenzen. Der Fluss Skamandros selbst erhebt sich gegen ihn, weil Achilles so viele Leichen in sein Bett wirft. Hier zeigt das Epos, dass Achilles’ Zorn nun selbst die Ordnung der Welt bedroht.

Der Höhepunkt dieser Phase ist der Zweikampf zwischen Achilles und Hektor. Hektor ist der wichtigste Verteidiger Trojas und zugleich Familienvater und Sohn. Als Achilles vor den Mauern erscheint, flieht Hektor zunächst aus Angst. Erst nach einem langen Lauf um die Stadt stellt er sich dem Kampf. Achilles tötet Hektor und durchbohrt ihn mit dem Speer. Damit ist das Schicksal Trojas im Grunde besiegelt, auch wenn die Stadt noch nicht fällt.

Doch Achilles’ Zorn endet nicht mit Hektors Tod. Er schändet den Leichnam, indem er ihn an seinen Wagen bindet und um das Grab des Patroklos schleift. Diese Handlung zeigt, wie sehr Achilles seine Menschlichkeit verloren hat. Erst später, als Priamos, der alte König von Troja, persönlich ins griechische Lager kommt und um den Leichnam seines Sohnes bittet, verändert sich Achilles erneut. Er erkennt im Leid des Priamos das eigene Leid wieder. Zum ersten Mal seit Patroklos’ Tod weint Achilles nicht aus Wut, sondern aus Mitgefühl.

Diese Begegnung markiert den stillen Abschluss der Ilias. Achilles gibt Hektors Leichnam zurück, und ein Waffenstillstand erlaubt den Trojanern die Bestattung. Der Krieg ist damit nicht beendet, doch die Ilias endet bewusst an diesem Punkt. Sie zeigt nicht den Fall Trojas, sondern den Moment, in dem selbst der größte Krieger wieder Mensch wird.

Die Phase ab der Rückkehr des Achilles ist damit die dunkelste und zugleich tiefste Phase des Trojanischen Krieges. Sie handelt von Zorn, Tod und Gewalt, aber auch von Einsicht, Mitleid und Vergänglichkeit. Achilles siegt als Kämpfer, doch erst am Ende gewinnt er seine Menschlichkeit zurück.

Dass Achilles im Zweikampf Hektor getötet hat, schwächte das die Moral der Trojaner ganz erheblich. Trotzdem hielt die Stadt weiterhin stand.

Nicht in der Ilias: Das Trojanische Pferd und das Kriegsende

Nach zehn Jahren ohne entscheidenden Sieg ersannen die Griechen eine List: das Trojanische Pferd.

Das Trojanische Pferd vor den Mauern von Troja
Das Trojanische Pferd vor den Mauern von Troja
(generiert von ChatGPT)

Diese Geschichte steht nicht in der Ilias. Homer erwähnt sie kurz in seiner Odyssee.1

Von Trojas Fall mit Hilfe des Hölzernen Pferdes haben wir unsere Kenntnis aus der Iliu persis (Ἰλίου πέρσις = Zerstörung Trojas). Verfasst hat sie ein gewisser Arktinos von Milet, über den aber nicht viel bekannt ist.

Die Geschichte vom Trojanischen Pferd ist im Grunde genommen eine fiese List.

Die Griechen sind nach gut 10 Jahren des Kampfes zur Erkenntnis gekommen, dass aus der Eroberung von Troja möglicherweise nichts wird. Die Kunde von der Kriegsmüdigkeit mag sich bis in die belagerte Stadt herumgesprochen haben.

So kommt der listige Odysseus auf die Idee, einen Abzug der Belagerer zu fingieren, um die Belagerten endgültig besiegen zu können.

So täuschten die Griechen ihren Rückzug vor. Von Troja aus waren sie nicht mehr zu sehen. Allerdings ließen sie das riesige hölzerne Pferd als vermeintliches Friedensangebot zurück.

Die Trojaner holten das Pferd in die Stadt, ahnten jedoch nicht, dass griechische Soldaten darin versteckt waren. In der Nacht öffneten die Griechen die Tore, und Troja wurde erobert und zerstört.

  1. Odyssee, 8. Gesang, Zeilen 493 und 512 ↩︎

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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