Die Mathematik des Parthenon
Der Parthenon gilt bis heute als eine der bedeutendsten Meisterwerke der antiken griechischen Architektur, und dabei ist er auch ein Meisterwerk der Mathematik.
Die Architektursprache des Parthenon ist die Mathematik
Der Parthenon ist DER weltberühmte Tempel auf der Akropolis in Athen. Die Architekten Iktinos und Kallikrates bauten das Gebäude ab 447 v. Chr. Der Bildhauer Phidias führte die Bauaufsicht und erledigte einige der Arbeiten selbst. Und die treibende politische Kraft hinter dem Tempelbau war Perikles.

An der Stelle sollte zuvor schon ein Tempel errichtet werden. Von ihm spricht man als dem Vorparthenon. Dann kamen 480 v.Chr. die Perser, eroberten Athen und zerstörten den noch nicht vollständig fertiggestellten Tempel. Also musste ein neuer Tempel errichtet werden. Dessen Reste schmücken noch heute die Akropolis.
Der Parthenon vereint Architektur, Mathematik und Ästhetik mit einer außergewöhnlichen Präzision. Die Schöpfer nutzten komplexe Systeme aus Geometrie und Proportionen. Dadurch besitzt das Monument eine einzigartige Harmonie und wirkt sehr lebendig. Die Abmessungen des Tempels folgten strengen Regeln.
Hier gab es einen Zusammenhang mit dem Durchmesser der Säulen. Jede Säule besitzt eine leicht unterschiedliche Form. Sie verbreitert sich dezent in der Mitte und verjüngt sich nach oben. Gleichzeitig weisen die Säulen eine leichte Neigung nach innen auf. Sie stehen also nicht absolut senkrecht. Bei einer gedanklichen Verlängerung nach oben würden sich die Säulen in einem Punkt treffen. Sie bilden auf diese Weise eine unsichtbare Pyramide.
Damit verfolgten die Architekten ein bestimmtes Ziel. Der neue Tempel war groß und von überall her zu sehen. Aus der Ferne musste alles perfekt und harmonisch aussehen. Und genau das war das Problem.
Perfekt gerade Linien wirken aus der Ferne auf den Menschen oft gekrümmt. Diese optische Täuschung kann aber korrigiert werden.
Der goldene Schnitt und Erdbebensicherheit
Deshalb ist fast kein Teil des Parthenon wirklich gerade. Überall finden sich leichte Rundungen für ein vollkommenes Gleichgewicht.

Die Ecksäulen sind zudem etwas dicker als die inneren Säulen. Das sorgt im hellen Licht für ein harmonisches Gesamtbild. Selbst die Metopen und die Oberflächen aus Marmor weisen feine Anpassungen auf.
Für die Architektur des Tempels nutzten die Baumeister Proportionen, welche genau dem Goldenen Schnitt entsprechen. Der Goldene Schnitt gilt bis heute als Symbol für ästhetische Ausgewogenheit. Diese mathematische Regel verleiht dem Parthenon sein imposantes Erscheinungsbild. Deshalb wirkt der Tempel niemals schwerfällig oder unproportional. Diese präzise mathematische Planung durch den Architekten Iktinos ist wirklich beeindruckend.
Sehr beeindruckend ist auch die extreme Erdbebensicherheit des antiken Monuments. Die Erbauer verbanden die einzelnen Marmorblöcke mit speziellen Metallelementen aus Eisen. Diese Verbindungen haben sie zusätzlich mit flüssigem Blei ausgegossen.
Das weiche Blei dämpft die Erschütterungen bei einem Erdbeben optimal. Diese Bauweise schützt das Gebäude seit Jahrtausenden vor der Zerstörung. 2021 ist ein wissenschaftlicher Bericht zur über das System der Marmorblöcke mit Stahlklammern veröffentlicht worden. Er beschreibt dieses hochentwickelte System aus Eisenklammern und Bleimänteln sehr detailliert.
Bezüge zu anderen Gebäuden in Athen
Es gibt noch einen weiteren Aspekt der Mathematik am Parthenon: Seine Lage im Verhältnis zu anderen Bauwerken in Athen.

2023 erschien eine Studie, die eine präzise Symmetrie zum Tempel des Hephaistos nachwies. Sowas ist kein Zufall.
Dem Bau des Parthenon lagen sehr fortschrittliche Kenntnisse der Architektur, der Baumaterialien und auch der Mathematik zugrunde.
Ich finde, das kann man heute noch sehr gut an dem nachvollziehen, was vom Parthenon erhalten geblieben ist.
Der Tempel des Hephaistos wird auch Thesion genannt. Er gilt als einer der besterhaltenen antiken Tempel überhaupt. Mehr darüber erfährst Du im Blogbeitrag zum Thesion.
Die Zerstörung
Im Jahr 1687 belagerten venezianische Truppen die Akropolis. Sie wollten die Osmanen aus Athen vertreiben und selbst das Kommando übernehmen.
Die Osmanen hatten sich auf der Akropolis verschanzt. Den Parthenon nutzten sie als Pulverlager. Gegenüber, auf dem Lykavettos, hatten die Venezianer ihre Kanonen aufgebaut.
In der Nacht des 26. September 1687 begann der Beschuss. Eine venezianische Kugel traf das osmanische Pulverlager. Der bis dahin fast vollständig erhaltene Parthenon erlitt die Schäden, die wir heute noch sehen.
Für mehr Informationen dazu lies meinen Blogbeitrag über die Zerstörung des Parthenon.
