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Grundstein für das Holocaust Museum in Thessaloniki gelegt

In Thessaloniki hat man den Grundstein für das neue Nationale Holocaust Museum gelegt. Darüber berichtete vor Kurzem das griechische Portal Protagon. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.

Über den Grundstein zum Holocaust Museum von Thessaloniki

Am alten Bahnhof von Thessaloniki begann für die meisten von ihnen die Reise in den Tod. Am Morgen des 15. März 1943 fuhr der erste Deportationszug nach Auschwitz ab.

So wird das neue Holocaust-Museum aussehen
So wird das neue Holocaust-Museum aussehen
(Bildquelle: Baunetz.de)

Die Opfer der Nazis mussten das Ticket selbst bezahlen. Schlimmer eingepfercht als Schlachtvieh brachte man gut 50.000 Menschen nach Auschwitz-Birkenau. Keine 2.000 davon haben überlebt.

Das neue Holocaust Museum (Μουσείο Ολοκαυτώματος Ελλάδος) wird an ihre Geschichte erinnern. Offiziell heißt es Holocaust-Museum und Bildungsstätte für Menschenrechte Griechenlands. Damit ist klar, das sein Anliegen weit über die Darstellung des grauenvollen Vergangenheit hinausgeht. Es geht auch um Gegenwart und Zukunft.

Der Vorschlag zum Bau kam 2016. Es brauchte etwas, dann fand sich große Zustimmung. Teilweise – mit 10 Millionen Euro – finanziert Deutschland das Museum. Auch die Stadt Thessaloniki investiert in den Neubau. Die treibende Kraft ist Thessalonikis früherer Bürgermeister Giannis Boutaris. Insgesamt schätzt man die Baukosten auf stolze 25 Millionen Euro.

Eine kurze Geschichte der Juden in Thessaloniki

Vor der Besetzung Griechenlands durch die Wehrmacht galt Thessaloniki als das Jerusalem des Balkan. Ungefähr 50.000 Juden lebten in der Stadt.

Schon seit der Antike leben Juden in der Stadt. Die ersten von ihnen sollen um 140 v. Chr. hergekommen sein.

Holocaust Memorial Thessaloniki
Holocaust Memorial Thessaloniki
(Foto: Maria Laftsidis-Krüger)

Der Apostel Paulus kam auf seinen Missionsreisen auch in die Stadt. Um 50 n.Chr. predigte er in der Synagoge Etz Achaim, die immerhin bis zum großen Brand der Stadt im Jahr 1917 bestand.

Über die Geschichte der Juden in Thessaloniki in der Antike wissen wir nur wenig. Im 12. Jahrhundert war ihre Gemeinde um die 500 Köpfe stark. Noch vor der Eroberung der Stadt durch die Osmanen setzte allerdings ein starker Zuzug aus anderen Ländern Europas ein. In Ungarn, der Provence und auf der iberischen Halbinsel wurden sie verfolgt bzw. standen unter Druck, zum Christentum zu konvertieren. Deshalb suchten viele eine neue Heimat.

Das änderte sich um 1430. Die Osmanen hatten die Stadt erobert. Danach gab es in Thessaloniki zunächst keine Juden mehr. Vermutlich mussten sie nach Konstantinopel umziehen.

Diese Phase dauerte bis 1492. In Spanien setzte eine Judenvertreibung ein. Sultan Bayezid II. erlaubte ihnen, sich in Thessaloniki anzusiedeln. Das hatte einen gewaltigen Zuzug von Menschen zur Folge. Schon 1520 bestand die Hälfte der Bevölkerung von Thessaloniki aus Juden.

1912 kam die Stadt zu Griechenland. Damals lebten hier etwa 80.000 Juden. Der Brand von 1917 war auch für diese Menschen eine Katastrophe. Viele hatten alles verloren, waren obdachlos und verarmt. Das erzeugte einen hohen Auswanderungsdruck.

Die Nazis vernichteten die meisten Juden von Thessaloniki

Der finale Schlag gegen diese Menschen kam im Mai 1941. Die deutsche Besetzung von Thessaloniki begann. Die 50.000 Juden der Stadt haben die Nazis nach Auschwitz deportiert. Keine 2.000 von ihnen haben den Holocaust überlebt. Einer von ihnen war Jaques Stroumsa, dessen Lebensgeschichte Leonhard Cohen zu seinem Lied Dance Me to the End of Love inspiriert hat.

Auf die überlebenden Juden wartete in Thessaloniki der nächste Schock. In ihren Häusern lebten andere Menschen, die auf einmal als rechtmäßige Eigentümer galten. Die Straßen mit jüdischem Bezug im Namen hießen auf einmal ganz anders. Und ihre christlichen Nachbarn und vermeintlichen Freunde hatten sich manchmal alles unter den Nagel gerissen, was noch an Habe da war. Diese Situation ist am Ende des Romans Onkel Avraam bleibt für immer hier beschrieben.

Was von ihnen bleibt

Eine so lange Geschichte einer Bevölkerungsgruppe hinterlässt viele Spuren in der Stadt. Viele muss man jedoch kennen und zu lesen verstehen. So ist es zum Beispiel beim Modiano Markt, in dem früher jüdische Händler tätig waren. Immer mehr geht man in Thessaloniki jedoch dazu über, an diese Menschen öffentlich zu erinnern.

Öffentlich und zentral erinnert vor allem das Holocaust-Memorial an die Juden von Thessaloniki. Es gibt das Jüdische Museum, das der Geschichte dieser Menschen gewidmet ist. All das erfährt mit dem neuen Museum eine würdige und gute Ergänzung.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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