Jagd in Mykene: Szene auf einem Siegelring aus Gold
Die Jagd spielte in Mykene eine gewichtige Rolle. Es ging nicht nur um Nahrung, die aus erlegten Tieren gewonnen werden konnte. Die Jagd war wichtig. Im Rahmen des heurigen Jahresthemas geht es um besondere Artefakte, die ich in Museen gesehen habe. Im Archäologischen Nationalmuseum Athen zeigt man einen Siegelring aus Gold.
Der Siegelring zeigt die Jagd im Mykene der Bronzezeit
Mykene war eine bedeutende Stadt im Griechenland der Bronzezeit. Auf der Peloponnes war die Stadt eines der wichtigsten kulturellen Zentren. Wer in den Ruinen von Mykene steht, kann spüren, was für bedeutsames Zentrum von Macht und Kultur das einst gewesen sein muss. Und das lässt sich auch aus prachtvollen Grabbeigaben nachvollziehen.
Schliemanns Aktivitäten in Mykene
Heinrich Schliemann war zwischen 1874 und 1876 in Mykene aktiv. Er suchte nach Spuren von Orten und Personen, die in Homers Ilias genannt wurden.

Eine dieser Personen war Agamemnon, der König in Mykene war. Schliemann machte viele Goldfunde, unter anderem einige Totenmasken. Die schönste davon ordnete er Agamemnon zu. Heute wissen wir, dass die Maske nichts mit dem in der Ilias erwähnten König zu tun hatte. Aber ihre Bezeichnung blieb bis heute.
Griechenland war schlau. Vor Mykene war Schliemann in Troja aktiv, als dessen Entdecker er galt. Dort fand er viele Schätze, die er außer Landes brachte. Das war ihm zwar nicht erlaubt. Aber Schliemann schuf Fakten und einigte sich hinterher mit dem Osmanischen Reich auf eine Geldentschädigung. Die Schätze waren aber weg.
Das wollte Griechenland in Mykene unbedingt vermeiden. Deshalb war ein Aufpasser vor Ort. Der stellte sicher, dass die Goldschätze nach Athen und nicht außer Landes gebracht wurden.
Die griechischen Behörden haben die Schätze in der Staatsbank eingelagert. Heute sind sie im Archäologischen Nationalmuseum in Athen zu sehen. Darunter war auch der Siegelring, um den es heute geht.
Die Jagd auf dem in Mykene gefundenen Siegelring
Im Gräberrund A war das Grab IV das größte seiner Art. Es hatte die reichsten Grabbeigaben. Darunter befand sich auch der Siegelring, um den es heute geht. Im Archäologischen Nationalmuseum hat er die Inventarnummer 240.

Der Ring lag zwischen einem männlichen und einem weiblichen Skelett. Wem von beiden er gehörte, ist unklar.
Die Jagdszene ist sehr detailreich. Ein Wagen wird von zwei Pferden gezogen. Es gibt einen Wagenlenker und einen Schützen, der mit Pfeil und Bogen einen Hirschen erlegt.
Ich persönlich finde die Darstellung der Waffe interessant. Pfeil und Bogen gehörten als Fernwaffen zur Standardausrüstung mykenischer Krieger. Das ist in bildlichen Darstellungen auf Gefäßen nachgewiesen.
Aus Funden weiß man, dass die Technik des Baus von Kompositbögen bereits bekannt war: Holz, Horn und Sehen wurden verleimt. Es liegt nahe, dass solche leistungsfähigen Bögen nicht nur militärisch, sondern auch bei der Jagd eingesetzt wurden. Typisch für einen Kompositbogen wäre allerdings eine Gegenkrümmung an den Enden, die der Abbildung auf dem Siegenring fehlt. Da der abgebildete Bogen aber relativ klein ist, kann angenommen werden, dass es sich um einen Kompositbogen handelt.
Alter und Herstellung des Rings
Hergestellt wurde der Ring möglicherweise zwischen 1600 v.Chr. und 1500 v.Chr. In den mir zugänglichen Quellen habe ich dazu leider keine belastbare Aussage gefunden. Vielleicht weiß jemand aus dem Leserkreis etwas genaueres. Ich würde mich über eine Ergänzung in den Kommentaren sehr freuen.
Ebenso ist nicht klar, wo der Ring gefertigt wurde. Nach einer jüngeren Ansicht soll er in Mykene hergestellt worden sein. Die meisten mir bekannten Stimmen sagen, dass er aus Kreta stammt. Er könnte als Raub, Handelsware oder ein Geschenk nach Mykene gekommen sein.
Übrigens sind die meisten goldenen Siegel aus der mykenischen / minoischen Zeit nicht massiv. Sie bestehen aus dickem Blech. Der Goldschmied hat das Bild durch Gravieren, Ziselieren oder Treibarbeit hergestellt.
Diese Techniken kamen auch bei massiven Siegeln zum Einsatz. Sie wurden nicht gegossen. Ein Trick bei den Schilden der Ringen war, unedles Metall oder Silber zu verwenden. Das wurde mit einer starken Goldfolie überzogen, was die Herstellungskosten senkte und optisch erst einmal wie ein massiver Schild aussah.
Andere Funde
Im Museum wird noch ein zweiter Ring mit einer Kampfszene gezeigt. Leider habe ich dazu kein brauchbares Foto. Dessen Inventarnummer ist 241. Beide Ringe sind in der Deutschen Fotothek zu sehen.

Die meisten mykenischen Siegel waren aus Halbedelsteinen wie etwa Karneol, Achat und Jaspis oder in späterer Zeit aus Steatit und Glas gefertigt. Gold, wie bei diesem Ring, ist schon ein sehr besonderes Material.
Mykene im Hellas Blog
In den Ruinen von Mykene zu stehen, war für mich eines der faszinierendsten Erlebnisse in Griechenland. Dem touristischen Hype um sie kann ich nichts abgewinnen. Auch die Homer geschuldete Verklärung seiner Vergangenheit ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber definitiv stand hier eine beeindruckende Stadt und Festung, die in ihrer Zeit eine große Bedeutung hatte. Ich finde, das ist heute noch zu spüren. Deshalb schreibe ich immer wieder über Mykene.
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