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Der Mönchsgeier Ioanna wurde vergiftet und hat überlebt!

Im Dadia-Lefkimi-Soufli Nationalpark wurden zwölf Geier und andere Tiere vergiftet, drei Mönchsgeier haben überlebt. Über die gute Botschaft von der Auswilderung des Geiers Ioanna berichtete kürzlich das Portal Xanthinea.

Der Geier Ioanna wurde vergiftet und hat überlebt

Am 13. März habe ich im Blog von der schlimmen Vergiftungsaktion berichtet: Neben 12 Geiern sind ihr auch andere Tiere zum Opfer gefallen. Eines der Tiere konnte jetzt in seine Heimat im Nationalpark zurückkehren. Er lebt wieder in freier Wildbahn.

Ärzte behandeln einen vergifteten Mönchsgeier
Ärzte behandeln einen vergifteten Mönchsgeier
(Bildquelle: Xanthinea)

Zur Behandlung hatte man den Geier Ioanna in eine spezialisierte Tierklinik in Athen gebracht. Anfang April kehrte es von dort per Flugzeug zurück nach Nordgriechenland. Nach der Landung in Alexandroupoli ging es auf Land weiter zum Nationalpark.

Das Tier muss gewusst haben, dass es zurück in die Heimat geht. So hat es wenigstens den Anschein. Denn als sein Flugzeug am Flughafen Alexandroupolis landete, breitete der Vogel seine drei Meter langen Flügel aus. Es machte den Eindruck, als wolle er sich auf seine Rückkehr vorbereiten.

Einige Stunden später war es soweit. Der Geier erhielt einen neuen Sender, so dass man ihn verfolgen kann. Dann ging es raus in die Natur. Er stieg bei den Ruinen der byzantinischen Burg auf dem Hügel Gibrena hoch in die Luft. Er drehte Kreise, und zog von dannen. 

Für die anwesenden Naturschützer war das ein besonderes Ereignis. Sie hatten schon öfter verletzte Tiere gerettet und dann wieder in die Natur entlassen. Aber noch nie hatte es so schlecht um einen Geier gestanden, wie um Ioanna. Die Fachleute sprachen von einer Rettung in letzter Minute. Wäre er eine halbe Stunde später gefunden worden, hätte man nichts mehr für das Tier tun können.

Wir kennen jetzt auch die offiziellen Zahlen dieses Verbrechens. Ein Wolf, 4 Krähen, zwei Bussarde, ein Frettchen und insgesamt 9 Schwarzgeier sind den Giftködern zum Opfer gefallen. Hinzu kommen zwei weitere vergiftete Geier, die etwas nördlich in Bulgarien gefunden wurden.

Im Nationalpark hat man insgesamt 12 vergiftete Geier gezählt. Ioanna ist eines von nur drei Tieren, die überlebt haben.

Was wissen wir über Ioanna?

Für einen männlichen Geier ist Ioanna ein seltsamer Name. Eigentlich würde man ein weibliches Tier so nennen. Im Zentrum des Dadia-Lefkimi-Soufli Nationalparks dokumentiert man alle Geier, die im Park leben. Deshalb kennen wir die Geschichte.

Mönchsgeier
Mönchsgeier (Beispielbild, generiert von Software)

Dieser spezielle Vogel ist im Jahr 2016 geschlüpft. Damals haben Tierschützer ihn beringt. An diesem Ring konnte man ihn eindeutig identifizieren.

Als die Wissenschaftler das Geierküken erstmals untersucht hatten, konnten sie sein Geschlecht noch nicht bestimmen. Das Tier brauchte aber einen Namen, und so hat man diesen Geier also Ioanna genannt. Es steht zu vermuten, dass den Geier dieser Name nicht stört.

Später konnten die Wissenschaftler feststellen, dass Ioanna das erste Jahr überlebt hat. Geierküken werden durch viele Raubtiere bedroht. Ioanna hat das Fortpflanzungsalter erreicht und 2019 konnten die Mitarbeiter der Organisation OFYPEKA seine erste Paarung dokumentieren. Ioanna trug seinen Teil zum Erhalt seiner stark bedrohten Art bei.

2023 wurde der Nationalpark von einem schlimmen Waldbrand heimgesucht. Ioanna entkam und kehrte mit seiner Partnerin zwei Jahre später zurück. Die Vogelschützer hatten künstliche Nester gebaut, was die Wiederansiedlung der Mönchsgeier nach dem Brand sehr unterstützt hat.

Die zurückgekehrten Tiere bauten eine neue Kolonie auf. Dass jetzt so viele Mönchsgeier vergiftet wurden und dass nur zwei Tiere überlebt haben, ist eine echte Katastrophe. Gut, dass jetzt ein Tier zurückkehren konnte.

Ich wünsche Ioanna viele gute Jahre und viele Nachkommen in seiner Heimat.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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