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Ein Junge hat in Berlin eine antike griechische Münze gefunden

Im Sommer 2025 hat ein junger Schüler auf einem Acker in Berlin eine antike griechische Münze gefunden. Das hat PETRI Berlin auf deren Homepage gemeldet.

Wie kam die griechische Münze nach Berlin?

Ich gebe es zu: Als ich die Geschichte zuerst gelesen habe, ging meine Fantasie mit mir durch. Wie kam ein antikes Geldstück aus dem östlichen Mittelmeerraum dort hin? Die Geschichte der Münze ist spannend.

Präsentation der antiken griechischen Münze im PETRI Berlin.
Präsentation der antiken griechischen Münze im PETRI Berlin.
(© PETRI Berlin / Christof Hannemann)

Im Sommer 2025 fand ein Schüler die Münze auf einem Acker in Spandau. Er hat nicht gleich erkannt, um was für ein sensationelles Teil es sich handelte. Als ihm das bewusst wurde, hat er die Münze dem Landesdenkmalamt Berlin übergeben.

Experten konnten die Münze in die Zeit zwischen etwa 281 und 261 v. Chr. datieren. Sie ist eine Prägung aus der hellenistischen Zeit. Auch konnte sie der Prägung Münzstätte Ilion zugeordnet werden. Dabei handelt es sich um Troja.

Auf der Vorderseite ist der Kopf der Göttin Athene dargestellt. Wir erkennen sie an ihrem korinthischem Helm. Die Rückseite zeigt Athene Ilias mit einem besonderen Kopfschmuck, dem Kalathos. In der rechten Hand hält sie einen Speer und links eine Spindel.

Für die Fachleute war unklar, ob es sich um ein in neuerer Zeit verlorenes Sammlerstück handelt oder ob sie aus einem archäologischen Kontext stammt. Sie haben herausgefunden, dass der Acker in der Antike als Bestattungsplatz genutzt wurde.

Sie fanden weitere Atefakte wie Keramikfragmente, einen Bronzedoppelknopf, Funde aus der römischen Kaiserzeit oder einen slawischen Messerscheidenbeschlag. Reste von Leichenbrand bewiesen dann die Nutzungs als Grabstätte. Und die Funde aus der Bronzezeit bis in die Antike bewiesen, dass die Fläche dazu auch sehr langfristig genutzt wurde.

Funde aus der klassischen Antike sind in Berlin selten. Römische Artefakte hat man schon gemacht. Aber griechische Stücke gab es bislang nicht. Deshalb ist der Fund dieser Münze eine wissenschaftliche Sensation.

Wie kam die griechische Münze nach Berlin?

In Berlin hat es schon Funde von römischen Artefakten gegeben. Das liegt über Handelsbeziehungen nahe.

Aber griechische Stücke gab es bisher nicht. Das ist eine kleine wissenschaftliche Sensation. Wie kam sie in das Gebiet des heutigen Berlin?

Bekannt ist, dass es Handelskontakte gab. Aus Nordeuropa kamen Waren in den Mittelmeerraum und umgekehrt. Die antiken Griechen möchten Bernstein. Sie nannten es Elektron (ἤλεκτρον), was ich mit helles Gold übersetzen möchte.

Eine Spur führt auch zu Pytheas. Er war ein Seefahrer, Geograph und Entdecker. Er stammte aus dem heutigen Marseille, dass damals eine griechische Stadt war. Um 330 v.Chr. unternahm er eine Seereise, die ihn in die Gewässer Nordeuropas führten.

Manche nehmen an, dass er bis Grönland kam. Das könnte das von ihm beschriebene Ultima Thule sein. Andere sagen, dass er die Ostsee bereist habe. Er könnte bis ins Baltikum gelangt sein. Dafür, dass Pytheas es bis in den Raum des heutigen Berlin geschafft hätte, gibt es aber keine Hinweise.

Die Münze wiegt etwa 7 Gramm. Der Wert in der Antike war so groß nicht. Der Fundort war ein Gräberfeld. Vielleicht ist sie einem Toten auf seine letzte Reise mitgegeben worden?

Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall liefert der Fund neue Hinweise auf kulturelle Kontakte zwischen dem nordeuropäischen Raum und der griechischen Welt in der Antike.

Du kannst die Münze im PETRI sehen

Seit dem 15. April ist die Münze im PETRI zu sehen. Beim Petri handelt es sich um ein Archäologie Lab.

Vitrine der „Aktuellen Funde“ im PETRI Berlin mit der Präsentation der griechischen Münze.
Vitrine der „Aktuellen Funde“ im PETRI
(© PETRI Berlin / Christof Hannemann)

In den Jahren 2007-2009 und 2015 fanden auf dem Petriplatz in Berlins historischer Mitte umfangreiche Ausgrabungen statt. Unter anderem kamen Fundamentreste der zur Petrikirche gehörenden Lateinschule zu Tage. An dieser Stelle steht heute das Petri.

Die Münze ist im 1. Obergeschoss in der separaten Vitrine „Aktuelle Funde“ ausgestellt.

Adresse: Kleine Gertraudenstraße 8, 10178 Berlin

Öffnungszeiten:

  • Montag: geschlossen
  • Dienstag bis Freitag: 9 Uhr bis 17 Uhr
  • Samstag und Sonntag: 10 Uhr bis 18 Uhr

Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 3 Euro, für Kinder/Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei).

In „gläsernen Werkstätten“ können Besucher den Archäologen bei der Arbeit zusehen. Es gibt Fundstücke aus der ab dem 12. Jahrhundert (Berliner Gründungszeit) zu sehen. Und außerdem können Interessenten sich über die Stadtarchäologie informieren.

Übrigens war der Ort, auf dem das PETRI steht, jahrzehntelang ein Parkplatz.

Mehr über PETRI erfährst Du auf deren Homepage: petri.berlin

Auch anderswo werden Münzen gefunden

Mich hat die Meldung an den türkischen Jungen erinnert, der eine 1000 Jahre alte Münze gefunden und in einem Museum abgegeben hat.

türkisches Kind findet eine Münze auf der Straße
türkisches Kind findet eine Münze auf der Straße

Es war das archäologische Museum in Troja, wo er die Münze abgegeben hat. Und aus Troja stammt auch die in Berlin gefundene griechische Münze.

Wir haben zwei tolle Jungen, die eine sehr alte Münze gefunden und dann das richtige getan haben. Sie haben die Münze abgegeben. Das ist fantastisch.

Und im Februar habe von einem Fund in der Schweiz berichtet. In einem Wald bei Basel haben Hobby Archäologen zwei keltische Stater aus Gold gefunden.

Blogartikel mit Bezug auf Münzen

Münzen finde ich unheimlich spannend, weil sie oft eine interessante Geschichte erzählen. Daher schreibe ich im Hellas Blog auch immer wieder über Geldstücke mit Bezug zu Griechenland.

Meine Beiträge Im Hellas Blog zu Münzen kennzeichne ich mit dem entsprechenden Tag. Klicke auf den Link, um Dir alle Beiträge anzeigen zu lassen.

Danksagung

Ich bedanke mich bei PETRI Berlin für die freundliche Beantwortung einer Anfrage und dafür, dass sie mir die Nutzung der Fotos im Hellas Blog erlaubt haben.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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