Geschichte

Darum sind die Häuser auf den Kykladen weiß

Reisen wir auf die Kykladen, erwarten wir dort Häuser in strahlendem Weiß. Blaue Farbelemente runden das „typische Bild“ der Bebauung ab. Aber wie kam es zu dieser Farbgebung?

Das Weiß der Häuser auf den Kykladen ist ein Relikt der Diktaturen

Auf Documento.gr ist vor kurzem ein interessanter Hintergrundartikel erschienen. Das Weiß der Häuser führt er auf die beiden griechischen Militärdiktaturen zurück, die ja auch auf den Kykladen das Sagen hatten.

Fira auf Santorin
weiß dominiert: Fira auf Santorin

Die Kykladen sind eine ganz besondere Inselgruppe. Für die antiken Griechen waren sie rund um die heilige Insel Delos angeordnet. Kyklos bedeutet Kreis. Damit war für sie die Inselgruppe der Kykladen definiert.

Das Weiß der Häuser und das Blau der Fenster sind heute unser Inbegriff der Vorstellung von Orten auf den Kykladen. Dem ist aber eigentlich gar nicht so.

Chora von Anafi
Chora von Anafi

Die meisten Siedlungen sind gar nicht direkt am Meer gebaut, sondern in erhöhter und geschützter Lage auf den Inseln. Der Grund dafür waren Piratenüberfälle, die über lange Zeit für die Menschen der Kykladen eine bittere Realität waren.

Diese Lage der Siedlungen kann man heute noch in Fira und an der Chora von Anafi nachvollziehen. Anderswo auf den Kykladen ist es genauso.

Wegen der Bedrohung vom Meer her hielten die Einwohner ihre Gebäude auch in den Farben der natürlichen Steine. Dann konnte man sie vom Meer aus nicht so gut erkennen.

An den Küsten gab es kleine Häfen. Dort hat man die Boote festgemacht. Kam von Meer her eine Bedrohung, flüchteten die Einwohner schnell an eine höher gelegene Stelle, wo sie sicher waren. Dieses Prinzip kannst Du heute noch gut in Perissa sehen. Über dem Ort im Fels liegt die Kapelle Kapelle Panagia Katefiani. Dorthin flüchtete man, wenn Piraten den Ort angriffen.

Aber die Chora einer Insel war immer so gelegen, dass sie vom Meer aus nicht schnell erreicht werden konnte.

Die Cholera verändert die Farben der Häuser

In den Jahren 1935 und 1936 etablierte sich in Griechenland eine erste Militärdiktatur. Diktator Ioannis Metaxas sollte 1940 mit seinem Nein zu italienischen Invasionsplänen noch in die Geschichtsbücher eingehen. Aber erst einmal hatten die Machthaber ganz andere Sorgen.

1938 wütete eine Choleraepidemie auf den Kykladen, der viele Menschen zum Opfer fielen. Aus hygienischen Gründen ordnete der Staat an, dass die Menschen ihre Häuser mit Kalks streichen sollten. Der war weiß.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs spielte das zwar keine Rolle mehr. Aber die Häuser waren weiß. Und dann kam die nächste Militärjunta. Die erließ einen Beschluss, der auf den Kykladen alle anderen Farben als Weiß verbot.

Ab und zu sieht man Farbe

Trotzdem sieht man ab und zu noch Häuser auf den Kykladen, die sich dieser Farbgebung entziehen.

Kapitänshaus in Oia
Kapitänshaus in Oia

Im Rahmen des Jahresthemas 2023 habe ich die Tür eines Kapitänshauses in Oia vorgestellt. Das ganze Haus seht ihr auf dem Bild. Es passt zur Farbgebung überhaupt nicht zur heute gängigen Vorstellung von Häusern auf den Kykladen. Es ist ein Bild aus alter Zeit, die ursprünglichen Farben hat man hier wieder hergestellt.

An solchen Gebäuden können wir heute noch sehen, wie es früher überall einmal gewesen ist.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner