Tourismus

Blaue Flagge Griechenland 2024

Ende Mai ist die Organisation Blaue Flagge für Griechenland bekannt gegeben, welche Stände, Marinas und Touristenboote für 2024 diese eine Blaue Flagge führen dürfen.

Die Vergabe in 2024

Blaue Flagge 2024
Blaue Flagge 2024

2023 waren es in noch 617 Strände, 18 Marinas und 6 Touristenboote, die man mit der Blauen Flagge ausgezeichnet hat.

Die griechische Sektion der Blauen Flagge hat kürzlich bekannt gegeben, wohin in Griechenland die Blaue Flagge für 2024 gegangen ist. Man hat sie an 625 Strände, 18 Marinas und 9 Touristenboote verliehen. Damit liegt das Land weltweit auf Platz 2. Nur Spanien hat mehr Blaue Flaggen, und Platz 3 geht an die Türkei.

Ich habe mir mal einige der Auszeichnungen angeschaut.

Nordosten: Im Regionalbezirk Rodopi dürfen vier Strände die Blaue Flagge führen. Einer gehört zu einem Campingplatz, der momentan (Juli 2024) allerdings geschlossen ist. Die anderen drei sind „normale“ Strände und frei zugänglich.

Westen: Auf der Insel Korfu hat die Organisation sehr viele Blaue Flaggen vergeben. Mein Eindruck ist, dass hauptsächlich Hotels das Geld in die Hand genommen haben, um sich zertifizieren zu lassen. Es mögen auch örtliche Betreiber der Strandbewirtschaftung sein. Auf Korfu gibt es auch viele wunderbare Strände ohne Blaue Flagge. Hier ist sie ein Marketinginstrument, sonst nichts.

Inseln der Ägäis: Exemplarisch habe ich einen Blick auf die Blauen Flaggen auf Santorin geworfen. Die Flaggen gehen an zwei Strände von Kamari und an die Haupt-Badeorte zwischen Perissa und Vlychada. Das sind neben den beiden noch Perivolos und Agios Georgios. Die Strände sind frei zugänglich, die Bewirtschaftung und Vermietung übernehmen angrenzende Gaststätten oder Hotels.

Mein Eindruck ist, dass die Blaue Flagge klar einen kommerziellen Hintergrund hat. Das verstehe ich auch. Die Zertifizierung ist teuer. Das Geld muss erwirtschaftet sein. Insofern ist die Blaue Flagge ein gutes Signal an die Gäste: Hier kümmern sich Profis um die Sicherheit am Strand.

Barrierefreiheit als Kriterium für die Blaue Flagge Griechenland in 2024

Ich habe mir die Frage gestellt, inwieweit Barrierefreiheit ein verpflichtendes Kriterium für die Vergabe der Blauen Flagge an einen Strand in Griechenland ist.

Perissa auf Santorin: Rampe ins Meer für Rollstuhlfahrer am Strand
Perissa auf Santorin: Rampe ins Meer für Rollstuhlfahrer am Strand

In den Erläuterungen der Vergabekriterien auf der Seite der griechischen Sektion der Blauen Flagge bin ich bei den Sicherheits-Vorkehrungen fündig geworden, und zwar beim Kriterium 33.

Vorab muss ich die Einschränkung machen, dass mein Griechisch nicht besonders gut ist. Wenn ich das Vergabekriterium zur Barrierefreiheit richtig verstehe, ist die nicht zwingend erforderlich. Gibt es einen Strandzugang für Menschen mit Behinderungen, ist es gut. Ist eine solcher Zugang an einem anderen Strand in der Region, reicht das auch aus. Und gibt es keinen Zugang, stellt das keinen Bruch mit den Vergaberegeln dar.

Das Kriterium 33 beginnt mit diesem Satz: Συνιστάται βραβευμένες με „Γαλάζια Σημαία“ ακτές να προσφέρονται υπηρεσίες για Άτομα με Ειδικές Ανάγκες: πρόσβαση στην ακτή και στα γύρω κτίρια και στις εγκαταστάσεις υγιεινής. Den Beginn des Satzes möchte ich mit „Es wird empfohlen…“ übersetzen, was Google Translate bestätigt: Es wird empfohlen, dass mit der Blauen Flagge ausgezeichnete Strände Dienstleistungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen anbieten: Zugang zum Strand und den umliegenden Gebäuden und Sanitäranlagen. (Sorry, dass ich auf den Übersetzungsdienst zugreife… mein Griechisch reicht für das sichere Verständnis dieses Textes leider nicht).

Die Vergaberichtlinie Griechenlands zur Blauen Flagge verpflichtet nicht zur Barrierefreiheit

Schaut Euch bitte Kriterium 33 an, lasst den Text ggf. von Eurem Browser übersetzen. Wie ich es verstehe, sind behindertengerechte Toiletten Pflicht. Der Rest ist eher vage formuliert. Und der letzte Satz bestätigt das. Hier versuche ich mich mit einer eigenen Übersetzung: Wenn keiner der Strände der Gemeinde über einen Zugang für Menschen mit besonderen Bedürfnissen verfügt, sollte im Nominierungsantrag eine Begründung enthalten sein, die vom Nationalen Krisenausschuss bewertet wird. mit anderen Worten: Gibt es keinen behindertengerechten Zugang, dann lasst Euch eine plausible Begründung einfalle. Wir winken das dann durch.

Mit den in Europa geltenden Vorgaben zur Barrierefreiheit passt das für mich ehrlich gesagt nicht zusammen. Einige Inseln haben auch erkannt, dass es da etwas zu tun gibt. So verfolgt Rhodos das Ziel, dass bis 2026 die meisten Strände und Sehenswürdigkeiten barrierefrei zugänglich sind.

Rhodos zeigt, dass es mit ein bisschen guten Willen geht. Ich finde es ist an der Zeit, die Vergabe der Blauen Flagge von dem barrierefreien Zugang zum Meer auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität abhängig zu machen. Und zwar ohne Wenn und Aber und faule Ausreden!

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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