Griechenland

Griechenland verbietet Grundschleppnetzfischerei

Bei der Grundschleppnetzfischerei ziehen die Fischerboote Netze durch das Meer, die sehr tief gehen. In einer Meerestiefe von mehr als 200 m fangen die Netze ein, was sie kriegen können.

Das Meer zwischen Santorin und Anafi
Das Meer zwischen Santorin und Anafi

Naturschutz ist so eine Sache in Griechenland. Zu Land und im Meer ist Griechenland mit einer fantastischen Natur gesegnet. Mit der wird aber nicht immer gut umgegangen.

In einem Bericht der Griechenland Zeitung habe ich gelesen, dass Griechenland ab 2026 die Grundschleppnetzfischerei verbietet. Zunächst gilt das nur für Meeresnationalparks, ab 2030 dann in allen weiteren Meeresschutzgebieten.

Die Zeitung schreibt, dass Griechenland damit eine Vorreiterrolle übernehme. Die Einhaltung des Verbots solle mit modernen Kontrollsystemen überwacht werden. Drohnen, Satelliten und Künstliche Intelligenz sollen helfen zu erkennen, ob gegen das Verbot verstoßen wird.

Mitsotakis verkündet das Verbot auf der 9. Our Ocean Konferenz

Die Our Ocean Konferenz ist eine internationale Konferenz. Dabei geht es um Erhaltung und Schutz der Ozeane. Sie findet jährlich statt, verschiedene Länder richten sie aus.

Ansprache von Kyriakos Mitsotakis auf der 9. Our Ocean Konferenz 2024 (Quelle: YouTube)

2024 fand die 9. Our Ocean Konferenz in Athen statt. Die griechische Regierung hat zur Our Ocean Konferenz eine eigene Seite ins Internet gestellt. Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hat hier eine wichtige Rede gehalten und in dieser die Beschlüsse seiner Regierung bekannt gegeben.

Auf dieser Seite finde ich ein Dokument mit Namen Greece’s Commitments. Unter Punkt 01 steht, worum es geht.

Dass Griechenland die Grundschleppnetzfischerei verbietet, diene vielen Zielen: Erhaltung der Meeresumwelt, Biodiversität, Wiederherstellung der Meeresvielfalt, der Ökosysteme und der Meeresvielfalt. Nachhaltige Fischereipraktiken werden ebenfalls genannt.

Nach den in der Europäischen Union geltenden Vorschriften ist die Grundschleppnetzfischerei im Mittelmeer erlaubt in Tiefen zwischen 50 und 1000 Meter und einem Mindestabstand von 1,5 Seemeilen zur Küste. In Griechenland gilt die Umsetzung dieser Vorgaben aufgrund der vielen Inseln als „kompliziert“.

Ich persönlich habe das immer als eine Ausrede für „wir machen, was wir wollen“ begriffen. Deshalb erkenne ich an, dass der jetzt verkündete Schritt schon eine deutliche Verbesserung darstellt.

Den weiteren Inhalt dieses Dokuments möchte ich an dieser Stelle nicht wiedergeben. Es enthält zahlreiche Phrasen aus den Baukästen politischer Kommunikation, die es wohl in jedem Land und jedem politischen Feld zuhauf gibt.

Grundschleppnetzfischerei ist in der Europäischen Union reglementiert

Seit 2016 ist die Grundschleppnetzfischerei in der Europäischen Union geregelt. Hierzu gibt es die Verordnung (EU) 2016/2336 vom 14.12.2016. Griechenland geht jetzt noch einen Schritt weiter. Aber weit genug?

In Griechenland leben etwas mehr als 10 Millionen Menschen. 2023 sind über 31 Millionen Touristen ins Land gekommen. Viele dieser Menschen wollen Fisch essen. In Griechenland ist der Fischfang immer noch ein starker und wichtiger Wirtschaftszweig. Aber es gibt weder genügend Fischer noch genügend Fisch in griechischen Gewässern, damit der Fischhunger all dieser Menschen gestillt werden kann.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass vieler in Griechenland konsumierter Fisch aus dem Ausland zugekauft wird. Der stammt von großen, industriellen Fischfängern, die mit Grundschleppnetzen in internationalen Gewässern aus dem Meer holen, was sie kriegen können? Wenn man es mit der Einschränkung der Grundschleppnetzfischerei ernst meint, dann müsste man da ansetzen und diesen Import unterbinden, soweit das europarechtlich zulässig ist. Davon lese ich ich in den Unterlagen der Konferenz aber nichts.

Zumindest in den Meeresschutzgebieten wird die Natur künftig besser geschützt werden. Ich hoffe, dass es aber nicht bei diesem einen Schritt bleibt.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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