Geschichte

Athene, Poseidon und der Wettstreit auf der Akropolis

Es gibt eine spannende Geschichte von einem Wettstreit, den Athene und Poseidon auf der Akropolis ausgetragen haben.

Blick auf die Akropolis vom Kerameikos
Blick auf die Akropolis vom Kerameikos

Die Akropolis ist auf der Welt wohl das bekannteste Bauwerk aus der Antike, das die Zeiten bis heute überdauert hat. Zumindest dürfte es um Platz Nummer 1 mit dem Kolosseum in Rom oder den Pyramiden von Gizeh konkurrieren.

Das Wort Akropolis kannst Du mit dem deutschen Wort „Oberstadt“ übersetzen. Genau genommen ist sie nämlich nichts anderes. Älteste Spuren menschlicher Aktivitäten stammen aus der Jungsteinzeit. In der Bronzezeit war hier der Sitz des Königs.

Hier fand der legendäre Wettstreit zwischen Poseidon und Athene statt, dessen Ausgang bestimmen sollte, wem dieser beiden Gottheiten die Stadt gehören sollte. Die Aufgabe war, den Menschen ein möglichst nützliches Geschenk zu machen.

Der Wettkampf zwischen Poseidon und Athene auf der Akropolis

Poseidon ist der Gott des Meeres. Er warf seinen Dreizack auf den Berg. Dadurch entstand ein Loch, in das Wasser strömte.

Das Erechtheion auf der Akropolis
Das Erechtheion auf der Akropolis

Nur war Poseidon wie gesagt der Gott der Meere. Und das hatte so seine Folgen. Ein Geschenk hat er zumindest zustande bekommen.

Poseidons Versuch, die Menschen auf dem Burgberg für sich zu gewinnen, ist schief gegangen. Eine Wasserquelle hätten die gut gebrauchen können. Aber heraus kam Salzwasser. Das konnte niemand gebrauchen.

Athene war etwas klüger als Poseidon. Sie schenkte den Menschen einen Olivenbaum. Mit den Oliven konnten die Leute viel anfangen. Die Oliven waren Nahrung, und aus dem Holz ließen sich allerlei nützliche Dinge fertigen. Zudem ist der Olivenbaum ein Symbol für Fruchtbarkeit und Frieden. Beides können eine Stadt und ihre Bewohner immer gut gebrauchen. Der Olivenbaum kam prima bei ihnen an.

Athene ging daher aus dem Wettstreit mit Poseidon als Siegerin hervor. Die Stadt trug fortan ihren Namen und die Athener zogen viele Olivenbäume, die den Grundstock für ihr künftiges Wohlergehen bildeten.

Der Olivenbaum der Athene und das Loch des Poseidon auf der Akropolis

Man kann die Spuren dieses göttlichen Wettkampfes übrigens noch heute sehen. Dort, wo das vom Dreizack des Poseidon geschlagene Loch ist, haben die Athener später das Erechtheion entwickelt. Das göttliche Loch ist noch darin zu sehen. Bis in die 1960er Jahre konnten die Besucher der Akropolis auch unproblematisch in das Erechtheion gehen und sich alles anschauen.

Der Olivenbaum vor dem Erechtheion
Der Olivenbaum vor dem Erechtheion

Leider haben immer mehr Leute ihren Müll in das Loch des Poseidon geworfen. Poseidon wird das nicht gefallen haben. Denjenigen, die sich um das archäologische Gelände auf dem Burgberg von Athen kümmerten, hat es noch viel weniger gefallen. Um das Innere des Erechtheion zu schützen, ist es heute für Besucher gesperrt.

Ich bin sehr versucht zu behaupten, dass der von Athene geschenkte Olivenbaum heute noch auf der Akropolis wächst. An der (vermutlich) richtigen Stelle neben dem Erechtheion gedeiht jedenfalls ein solcher Baum. Wenn ich mir die Pflanze anschaue, kann ich dieser Versuchung nicht nachgeben. Der Baum ist recht jung. Zumindest aber der Gedanke ist schön, dass es sich um einen Nachfahren des von Athene geschenkten Baumes handeln könnte.

Wenn Du am Erechtheion bist, dann denke an Poseidon und Athene

Die Akropolis wird dermaßen von Touristen überrannt, dass Du Dir inzwischen einen Timeslot buchen musst, um überhaupt hoch zu kommen. Alle schauen sich den Parthenon an. Natürlich ist die Vorhalle mit den Karyatiden das Fotomotiv schlechthin.

Aber wie viele Leute sehen sich das Erechtheion und den Olivenbaum davor an und denken an diese Geschichte? Du wirst es, und das ist viel wert.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner