Geschichte

Pelike aus dem Grab eines Säuglings

Heute geht es um eine Pelike, die seine Eltern einem Säugling mit in sein Grab gegeben haben. Sie ist im Archäologischen Museum von Rhodos Stadt zu sehen und erzählt eine sehr berührende Geschichte.

Was ist eine Pelike?

rotfigurige Pelike aus dem Grab eines Säuglings
rotfigurige Pelike aus dem Grab eines Säuglings
(Foto: Hildegard Hieronymi-Gorgus)

Eine Pelike (πελίκη) ist eine besondere Form einer Amphore.

Eine Pelike hat einen festen Standfuß. Das unterscheidet sie von der Form einer Amphore.

Der breiteste Durchmesser befindet sich im unteren Bereich der Pelike. Dadurch hat das Gefäß eine ganz besondere Standfestigkeit.

Weitere Merkmale dieser Gefäßform sind zwei Henkel und ein Rand mit breiter Wand, der das Gefäß oben abschließt.

Verwendet hat mein eine Pelike zu besonderen Ereignissen wie einem Symposion. In ihr war der Wein, der an die Teilnehmer ausgeschenkt wurde. Auch dienten solche Gefäße zur Aufbewahrung von Olivenöl, anderer Flüssigkeiten oder fester Stoffe.

Die ältesten Peliken sind zum Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. nachgewiesen.

Ab 450 v.Chr. sind Peliken noch für einen weiteren Zweck verwendet worden. Als Urne, in der die Asche eines Verstorbenen gefüllt und begraben war. Das führt uns zu der Geschichte, welche die Pelike aus dem Archäologischen Museum von Rhodos erzählt.

Die Pelike aus dem Grab des Säuglings

Diese Pelike hat man im Grab eines Säuglings gefunden. Das Kind muss aus einer sehr wohlhabenden Familie gewesen sein. Denn eine solch kunstvoll bemalte Grabbeigabe konnte sich nur jemand mit viel Geld leisten.

Ich habe bislang nicht herausfinden können, was in dieser Pelike verwahrt war. Meine Vermutung ist, dass man dem verstorbenen Kind etwas Nahrung mit auf seine Reise in die andere Welt gegeben hat.

Das Motiv, mit welchem die Pelike bemalt ist, kann ich unzweifelhaft beschreiben: Wir sehen zwei Musiker. Ein Mann spielt die Lyra, eine Frau hat so etwas wie Kastagnetten in der Hand. Weshalb legt jemand eine solch bemalte Pelike zu einem Säugling ins Grab?

Wenn Eltern ein geliebtes Kind stirbt, ist das eine furchtbare Sache. Sie können nichts mehr für ihr Kind tun. Glauben die Eltern an ein Leben nach dem Tod, so bleibt ihnen nur noch, dem Kind dieses durch eine Grabbeigabe schön sein zu lassen. Vielleicht war das Kind krank, und es hat Musik geliebt und positiv auf sie reagiert? Wir wissen es nicht, da nicht bekannt ist, woran das kleine Kind starb.

Reine Spekulation wenn ich sage, dass die Eltern ihrem Kind die Musik mit auf die letzte Reise geben wollten, die es in seinem kurzen Leben geliebt haben mag. Diese Vorstellung ist es, die mich so sehr berührt.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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