Griechenland

Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten

Die Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten in Athen nennen sich Evzonen. Du kannst die Wache am Syntagma Platz in Athen sehen.

Die Griechen haben ihre Freiheit Anfang der 1820er Jahre in einem langen und blutigen Freiheitskampf errungen. Die Uniformen, die Ihr auf diesem Bild seht, mögen für uns ungewöhnlich aussehen. Aber mal ehrlich: haben wir Deutsche es geschafft, solche Traditionen aus den Befreiungskriegen bis in die heutige Zeit lebendig zu erhalten? Ich finde es toll, dass den Griechen das gelungen ist.

Athen: Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten
Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten

Philhellenen: Freiwillige aus Europa und Amerika

Übrigens haben im griechischen Befreiungskampf viele Freiwillige aus Europa und Amerika im Bataillon der Philhellenen gekämpft. Darunter war ein sehr großer Anteil Deutscher, viele von ihnen waren Burschenschafter.

Diese Uniformen trägt die Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten am Syntagma Platz in Athen. Wenn man weiß, dass auch deutsche Studenten im Kampf um die griechische Freiheit gefallen sind, dann sieht man das mit anderen Augen. Ich bin sehr davon beeindruckt, wie die Griechen diese Tradition lieben und leben.

Die Bezeichnung ‚Grab des unbekannten Soldaten‘ ist übrigens der Verwendung der deutschen Sprache in diesem Artikel geschuldet. Die Griechen nennen es in ihrer Sprache sein Denkmal, nicht sein Grab.

Griechen, ihr Militär und die Evzonen

Wenn es heutzutage hart auf hart kommen sollte, wäre auf die wehrbereiten Menschen Griechenlands in militärischen Belangen vermutlich eher Verlass als auf gewisse Truppen mit Standort irgendwo in Mitteleuropa oder die autochthone Bevölkerung jener Region. Das aber nur am Rande, heute geht es um etwas anderes.

Die Ehrenwache wird von ganz besonderen Soldaten gestellt. Man nennt sie Evzonen (Εύζωνες). Der Name weist in die griechische Antike, und zwar in die Landschaft von Thessalien. Dort lebten die Myrmidonen, ein archaischer Volksstamm. Die Myrmidonen spielten eine entscheidende Rolle im Trojanischen Krieg. Sie zeichneten sich durch Tapferkeit, uneingeschränkten Gehorsam und eine außerordentlich große Kampfeskraft aus. Diese Kämpfer trugen schwarze Rüstungen und Schilde. Beim Fall von Troja spielten sie eine entscheidende Rolle. Die Eliteeinheiten der Myrmidonen sind als Evzonen bezeichnet worden.

Evzonen haben eine lange Tradition in Griechenland. Sie gelten als die Beschützer des Landes gegen Eindringlinge. Seit dem Ende der Monarchie heißen die Evzonen offiziell Präsidialgarde. Der alte Name ist aber weiter in Gebrauch.

Gründung von König Otto, bei der Tracht entschied Königin Amalia

Die heute bestehende Einheit ist von König Otto I gegründet worden. Er war es auch, der den Begriff Evzonen aus der Ilias übernommen hat. Heute ist auch der Begriff Tsolias / Tsoliades geläufig.

Die Tracht hat Königin Amalia entworfen. Bestandteile der Uniform sind:

  • Fustanella (der kurze, weiße und gefaltete Rock)
    Die Fustanella muss genau 400 Falten haben, eine für jedes Jahr der osmanischen Fremdherrschaft.
  • Fermeli: Wams, der von speziell ausgebildeten Soldaten genäht wird.
    Auf ihm müssen ein Χ (chi) und ein Ο (omikron) zu sehen sein. Die Buchstaben stehen für Χριστιανός und Ορθόδοξος, also für die christliche orthodoxe Kirche.
  • Krissia: Schürze aus Seitenstreifen.
  • Tsarouchia: Die Schnabelschuhe mit Quaste.

Die Evzonen stellen nicht nur die Wache am Grab des unbekannten Soldaten, sondern zum Beispiel auch die am Präsidialpalais.

Roland Richter

geboren 1969 in Hannover, Jurist und Griechenland-Fan

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